Wahrlich kein Treppenwitz

84 Kilometer treppauf, treppab: Man muss schon ein klein wenig gaga sein, um solch einen Wahnsinn zu veranstalten, geschweige denn auch noch mitzumachen. Rainer Wachsmann von Marathon Steinfurt war es.
84 Kilometer treppauf, treppab: Man muss schon ein klein wenig gaga sein, um solch einen Wahnsinn zu veranstalten, geschweige denn auch noch mitzumachen. Rainer Wachsmann von Marathon Steinfurt war es.


Steinfurt/Nordwalde - Ironman? Für die Extremsportler Josef Grond aus Nordwalde und Rainer Wachsmann Borghorst eher eine vergnügliche Abwechslung als eine Herausforderung. Die beiden Ultraläufer von Marathon Steinfurt waren am Wochenende in Sachsen, um einen ganz besonderen Wahnsinn zu betreiben - Treppenlauf.

Zum sechsten Mal wurde im Weinberg an der Elbe der „Sächsische Mt. Everest Treppenmarathon“ angeboten. Auf der Spitzhaustreppe in Radebeul gingen sechs Frauen und 52 Männer als Alleingänger, 13 Dreierstaffeln, fünf Touristenstaffeln mit mindestens 75 Teilnehmern und sieben Staffeln „Elf Freunde“ an den Start. Die Sportler kamen aus Deutschland, der Schweiz, Dänemark, Mexiko und Amerika, um am weltweit extremsten Treppenlauf teilzunehmen.


„Als Josef Grond mich fragte, ob ich mit ihm nahe Dresden auf einer Treppe den Mt. Everest erlaufen wolle, war ich sehr zurückhaltend. Aber er ließ nicht locker. Als klar war, dass ich bei der IHK keinen Unterricht habe, fehlten mir die Argumente, um Josef allein zu lassen“, berichtet Rainer Wachsmann.

Beim Treppenlauf in Radebeul muss eine Natursandsteintreppe mit Absätzen, die 397 Stufen hat, in maximal 24 Stunden hundert Mal bewältigt werden. Da der Höhenunterschied bei einem Doppelmarathon über 84,39 Kilometer genau 8848 Meter, der Höhe der höchsten Erhebung auf der Erde, beträgt, taufte der Initiator dieses Extremwettbewerbs seine Veranstaltung Mt. Everest-Treppenlauf.

Natürlich müssen sich selbst solche Ultrasportler wie Grond und Wachsmann auf einen solchen Wahnsinn besonders vorbereiten. Während Josef Grond immer wieder die Treppen am Altenberger Eiskeller stürmte, wollte Wachsmann auf Kohlehalden im Ruhrgebiet trainieren. „Daraus wurde nichts. Der Winter machte einen Strich durch meine Planungen, denn Eis und Schnee ließ dort kein Training zu“, suchte der gebürtige Borghorster Wachsmann nach einer anderen Trainingsgelegenheit. Die Stadtsilhouette seiner Wahlheimat Münster brachte schließlich die Lösung - der Ostturm der Uniklinik.

„Mit fast 400 Stufen bei den 19 Etagen entspricht das Treppenhaus nahezu genau den Stufenzahlen in Radebeul. Das Abschlusstraining absolvierten Josef und ich im Ostturm gemeinsam, ehe es vergangenen Donnerstag nach Sachen ging.“

Die Spitzhaustreppe war in hervorragendem Zustand, und am Samstag um 16 Uhr ging es los. 79400 Stufen lagen vor den beiden Münsterländern. „Oben kam man jeweils völlig ausgepowert an. Es gab aber Essen und Getränke. Nach einer kleinen Schleife ging es hinunter. Das war sogar erholsam“, berichtete Wachsmann, dass viele Läufer mit einem Handschuh antraten, um sich am Geländer festzuhalten. Um halb zwei in der Nacht hatte Rainer Wachsmann die halbe Strecke, einen kompletten Marathon auf der Treppe, bewältigt. Seinen Vereinskollegen traf er nur noch im Gegenverkehr auf der Treppe, da der 57-jährige Nordwalder schneller unterwegs war.

Die Strapaze hatte für Wachsmann schon nach 21:34:46 Stunden ein Ende - er war im Ziel. In der Gesamtwertung reichte es zu Platz 21 (Platz 19 bei den Männern).

Josef Grond kam sogar als Vierter nach nur 17:50:53 Stunden in Ziel. „Ein perfektes Rennen“, bescheinigte ihm der Moderator und Wachsmann lobte: „Besser geht es mit 57 Jahren nicht.“ Platz eins ging an den Schweizer Marco Summermatter (15:24:03 Std.), schnellste Frau war die Dresdenerin Ulrike Baars (18:01:48 Std.).

31 der 57 gestarteten Einzelkämpfer kamen ins Ziel. Zwei Frauen liefen zwar 24 Stunden, schafften jedoch „nur“ 97 beziehungsweise 94 Runden. Viele Touristen sind schon schlapp, wenn sie die Spitzhaustreppe nur einmal bewältigt haben.

VON WERNER SZYBALSKI, STEINFURT

21 · 04 · 10



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