Fotoarchiv und Chronik geben Aufschluss über Anfänge der Feuerwehr / Gerätehaus im Rathaus untergebracht
Mit Löscheimer und Spritzenwagen

Billerbeck. Wer Billerbecker Bürger werden wollte, der musste im Besitz eines Ledereimers sein. Warum? Damit er sich für den Fall eines Brandes damit zum Löschen in die Menschenkette einreihen konnte. „Das war so im Mittelalter“, erklärt Stadtarchivar Dieter Nagorsnik schmunzelnd. In seinem Fundus beheimatet er noch so ein ledernes Behältnis. „No. 49“ ist darauf zu entziffern, was vermuten lässt, dass es sich dabei um eine Hausstelle oder eine Gemarkung handelt.

Mittwoch, 07.05.2014, 19:56 Uhr

Ein Blick in die Feuerwehrchronik gibt Aufschluss darüber, dass die Feuerwehrausrüstung der Stadt Billerbeck 1830 aus drei Feuerspritzen, 22 Feuerhaken, 111 Ledereimern, fünf Brandleitern und zwei Gabeln bestand. Der Alarm wurde durch Trommeln und Blasen auf einem Feuerhorn ausgelöst. Zur Löschmannschaft zählte ein „Feuerlöschdirigent“. Dieses Amt hatte der Bürgermeister inne und dessen drei Stellvertreter.

Bei der Gründung der Freiwilligen Feuerwehr Billerbeck gehörte aber dieses lederne „Löschutensil“, dessen Nutzen bei der Brandbekämpfung sicherlich mehr von psychologischer als von praktischer Natur war, schon lange der Vergangenheit an. Im Fotoarchiv von Günther Arning, der nach 55 aktiven Jahren in die Ehrenabteilung der Feuerwehr wechselte, befindet sich unter anderem ein Foto, das einen Druck-Spritzenwagen zeigt, der die Anfänge der Billerbecker Feuerwehr kennzeichnet. Vorne und hinten sind die Pumpenschwengel zu erkennen, obendrauf ist die Leiter befestigt, darunter hängt eine Alarmglocke – für heutige Verhältnisse in Miniaturformat.

1914, im Gründungsjahr, waren schon 50 Männer zur Stelle, die bereit waren, der Freiwilligen Feuerwehr Billerbeck als Mitglieder beizutreten. Bei der konstituierenden Versammlung im Mai wurde Caspar Sievers zum 1. Brandmeister und Wilhelm Steinbicker zu seinem Stellvertreter ernannt. 20 Jahre später erhielt die Feuerwehr die erste Motorspritze, die 2.200 Reichsmark kostete. Das Feuerwehrgerätehaus war immer im Rathaus untergebracht. Gruppenfotos wurden gerne davor aufgenommen, dort, wo sich heute der Eingang des Rathauses befindet. Auf dessen Dach war – wie auch bei der Firma Wübken – eine Sirene installiert, die „noch bis in die 70er-Jahre benutzt wurden, bevor sie vom moderneren Funksystem abgelöst wurden“, so Dieter Nagorsnik. Gastwirt Jöppi Ahlers weiß noch aus Zeiten zu berichten, in denen sein Vater Hubert Ahlers (1934 - 1952) 1. Brandmeister der Stadt war. Vom Rathaus zum Schlafzimmer der Ahlers verlief eine Elektroleitung, sodass der Wehrführer von dort aus die Sirenen aktivieren konnte.

Ein ganz außergewöhnliches „Geburtstagsgeschenk“ erhielt die Feuerwehr zu ihrem 50-jährigen Bestehen. Im Juli 1964 überreichte Bürgermeister Werner Brockamp dem damaligen Wehrführer Werner Hesselmann das neue Feuerwehrgerätehaus an der Mühlenstraße. Damit war ein langersehnter Wunsch in Erfüllung gegangen. Denn die zunehmenden Herausforderungen dieser Zeit machten eine bedarfs- und funktionsgerechte Ausrüstung und die wiederum dazugehörigen Räumlichkeiten notwendig. 1988 erfolgte der erste Spatenstich zur Erweiterung dieses Gerätehauses. „Zu diesem Anlass konnte der Spaten, der 1964 für den Neubau verwandt worden war, genutzt werden“, so ist es in der Chronik vermerkt.

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