Henning Rath jettet als junger Wirtschafts-Ingenieur um den Globus / Stopp auch in China
Mitten im organisierten Chaos

Billerbeck. Neun Wochen China? Kein Abenteuerurlaub für Henning Rath. Abenteuer schon, vielmehr aber knallharter Job unter versmogter Sonne. „Da gibt’s kein Vogelgezwitscher. Das genieße ich dann hier wieder umso mehr“, sagt der 26-Jährige.

Dienstag, 13.05.2014, 18:56 Uhr

Seit 18 Monaten jettet der junge Wirtschafts-Ingenieur um den Globus, um in Indien, der Türkei und in China, die Anlagentechnik des Essener Unternehmens für das er tätig ist, an den Mann und zum Laufen zu bringen. Eine gute technische Ausbildung in einem münsterländischen Unternehmen machte ihn neugierig auf mehr und motivierte ihn zu einem Studium in Steinfurt. Das brachte er in einer Sprintattacke von sechs Semestern hinter sich, „weil ich einfach schnell fertig werden wollte.“ Dieser Ehrgeiz zahlte sich aus. Das Unternehmen Küttner in Essen, das weltweit mit 1000 Ingenieuren im Einsatz ist, bot dem Billerbecker ein Mentoring-Programm und ließ ihn schon nach vier Monaten in die Türkei durchstarten. „Da haben wir Tests gefahren für eine Entschwefelungsanlage, die Roheisen produziert“, erklärt er. Einen Monat später war Nanjing (ehemalige Hauptstadt der VR China mit 5,5 Millionen Einwohnern, 150 Kilometer westlich von Shanghai) angesagt. Hier mussten Prüfungen für die Garantieparameter an einem Konverter, der Roheisen zu Stahl werden lässt, durchgeführt werden. Verständigungsschwierigkeiten ereilten ihn allerdings schon, als er in ein Taxi stieg. „Ich habe meinen Kollegen im Hotel angerufen. Der fand an der Rezeption jemanden, der meinem Fahrer erklärte, wo er mich hinbringen sollte“, erzählt er.

Straßenverkehr in China? Den erlebte er als Chaos pur. Bei einer Rikscha-Fahrt fuhr der Chauffeur in Gegenrichtung auf die Autobahn und ein entgegenkommender Tanklastwagen, der Wasser gegen den Straßenstaub spritzte, lieferte ihm eine Komplettdusche gratis. „Da herrscht ein gut organisiertes Chaos. Störgrößen wie wir halten da nur den Verkehr auf, wenn wir bei Rot an der Ampel stehen bleiben“, flachst er. Die vergangenen neun Wochen verbrachte er in Taiyuan (500 Kilometer westlich von Peking), wo es wiederum Abschlusstests für eine staatliche Stahlproduktionsanlage zu absolvieren gab. So ein Einsatz ist kein Kindergeburtstag. Sechs Tage die Woche arbeitete er im Leitstand des Werkes – keine Sonne, auch abends noch versmogte Luft – und musste ganz schön kämpfen, um die vorgegebenen Ziele zu erreichen. Trotzdem macht ihm sein Beruf Spaß. „Je schlechter es läuft, umso mehr Spaß macht es, hartnäckig dabei zu bleiben“, definiert er seine Devise. Probleme mit dem Projektteam, das im Durchschnitt immer älter ist als er, kennt er nicht, denn „wenn die sehen, dass man sich Mühe gibt und Lösungen für Probleme sucht und findet, stärkt das die Akzeptanz“. Dem viel zitierten Fleiß der Chinesen begegnet er allerdings mit viel Skepsis. Nicht, dass es den nicht gäbe, aber „in den staatlichen Betrieben sind die Mitarbeiter weniger motiviert, weil der, der wenig arbeitet, genau das gleiche Geld bekommt wie der, der viel macht. Aufstiegsmöglichkeiten gibt es nur, wenn man jemanden kennt, der jemanden kennt…“.

Ende Mai geht´s noch einmal nach China. Dann steht der Iran auf dem Plan. „Gutes Essen, kein Bier, ein gesundes Leben“, schmunzelt der Jungspund. Etwas mulmig ist ihm allerdings bei dem Auftrag im August in Saudi-Arabien. Leben in einem Wohncontainer in der Wüste, an der Grenze zum Jemen, „wo es immer schon mal zu Entführungen kommt“. Mit westfälischer Gelassenheit wird er auch diesen Einsatz managen.

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