Billerbeck
„Die Regierung müsste nichts tun“

Billerbeck. „Sich selber verändern fällt schwer, wenn es für alle gilt, ist es einfacher,“ erklärte Dr. Michael Kopatz seinen Zuhörern in der Alten Landwirtschaftsschule. Es waren knapp hundert Gäste, die sich dort eingefunden hatten, um nicht nur dem Vortrag des Umweltwissenschaftlers zu lauschen, sondern auch das zehnjährige Bestehen der Bürgerinitiative Billerbeck (BIB) zu feiern. Diese hatte zu dem Abend eingeladen.

Donnerstag, 08.11.2018, 05:54 Uhr
Veröffentlicht: Mittwoch, 07.11.2018, 17:51 Uhr
Zuletzt bearbeitet: Donnerstag, 08.11.2018, 05:54 Uhr
Billerbeck: „Die Regierung müsste nichts tun“
Dr. Michael Kopatz spricht zum zum Thema „Erlöst uns von der Ökomoral“. Fots: ib Foto: az

„Zehn Jahre Bürgerinitiative ist eine wertvolle Zeit“, begrüßte Hans-Jürgen Dittrich vom Sprecherrat der BIB die Gäste. Er erinnerte an die Gründung und gab einen kurzen Rückblick auf die vielfältigen Aktionen und Aktivitäten der Initiative. Der stellvertretende Bürgermeister Bernd Kösters gab in seiner Begrüßungsrede zu: „Sie machen es der Verwaltung nicht immer einfach.“ Dennoch sei der Dialog wichtig.

Im Mittelpunkt des Abends stand der Vortrag des Umweltwissenschaftlers des Wuppertal-Instituts Dr. Michael Kopatz mit dem Titel „Erlöst uns von der Ökomoral“. Wer indes nun einen trockenen und bierernsten Vortrag mit erhobenem Zeigefinger erwartete – der wurde eines Besseren belehrt. Kopatz brachte seine These des Energiesparens nicht nur locker und mit einer gewissen Portion Humor rüber, sondern vor allem logisch und verständlich. Das Ziel, nur noch 1,5 Tonnen CO2 pro Kopf und Jahr zu produzieren, sei kaum zu erreichen. Und: „Selbst jemand, der alles richtig macht, kommt immer noch auf fünf Tonnen“, erläuterte er. Vor allem aber sei es für den einzelnen schwer, seine Routinen und Gewohnheiten zu verändern.

Kopatz setzt auf eine ganz andere Strategie. „Die Regierung müsste nichts tun. Es ist faszinierend einfach.“ Mit ‘nichts’ meint er zum Beispiel, keine neuen Straßen zu bauen. Denn mehr Straßen hieße, mehr Verkehr, mehr Staus. „Straßenbau macht es für Amazon möglich, das Geschäft zu machen.“ Oder: Die Neuzulassung von Fahrzeugen zu stoppen, hieße: Neuzulassung eines Fahrzeugs nur dann, wenn ein anderes dafür abgemeldet wird. „In Singapur klappt das.“ Außerdem sei Radfahren sowieso besser, meinte Kopatz und verteilte augenzwinkernd kleine Aufkleber mit dem Slogan „Autofahren verbrennt Geld, macht fett. Radfahren verbrennt Fett, spart Geld.“

Vieles sei in Punkto Klimaschutz bereits gemacht worden, ohne dass der Bürger es bewusst wahrgenommen habe. So seien die Standards für die Wärmeschutzverordnung beim Hausbau mit den Jahren immer weiter angehoben worden, so dass ab 2021 das Nullenergiehaus Standard werde. Auch in der Landwirtschaft seien Standards angehoben worden. Wenn das weiter betrieben werde, „dann haben wir irgendwann nur noch Bio“, ist Kopatz überzeugt. Die Rahmenbedingungen müssen jedoch für alle gleich sein, fordert er und bricht eine Lanze für „die Bürokraten in Brüssel“, die er umweltpolitisch für nützlich hält, da sie mit eben diesen Standards die gleichen Rahmenbedingungen für alle schaffen, seien es nun die Industrie, die Bauern oder die Bürger. „Veränderungen sind möglich“, ist Kopatz überzeugt.

Musikalisch umrahmt wurde der kurzweilige Vortrag von Rafael Marihard am Klavier und Cornelia Becken mit der Querflöte, die mit klassischen und modernen Stücken begeisterten.

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