Billerbeck
„Das ist der Umhang vom ersten Umzug“

Billerbeck. Ein enorm wichtiges Treffen hat es auf dem Hof Brockmeyer gegeben. Nicht zum ersten Mal. Bereits seit vielen Jahrzehnten, genauer gesagt seit 1960, setzen sich dort kurz vor dem Nikolaustag im Dezember Frauen und Männer zusammen, um für die Ankunft des heiligen Mannes letzte Vorbereitungen zu treffen. Seinerzeit hießen die Hausherren Gerda und Bernhard Brockmeyer und „Onkel Jopp“ war auch dabei. Nun ist es Mechtild Brockmeyer und ihre Familie, die in der gemütlichen Stube die Mitglieder der Kolpingsfamilie und des Reitervereins empfängt, die mit großer Vorfreude den Ablauf des Nikolausumzuges am 5. Dezember planen.

Freitag, 30.11.2018, 15:02 Uhr aktualisiert: 02.12.2018, 11:40 Uhr
Billerbeck: „Das ist der Umhang vom ersten Umzug“
Treffen die letzten Vorbereitungen: (v.l.) Norbert Küper, Mechtild Brockmeyer und Michael Rödiger. Nikolaus und Knecht Ruprecht verstecken sich bei der Anprobe hinter ihrer Tracht. Foto: Iris Bergmann

Einer, der schon seit 1978 den traditionellen Umzug mit organisiert, ist Norbert Küper. Er weiß einiges zur Historie. „Stefan Rüter war 1960 Leiter der Volksschule und der hatte die Idee für den Nikolausumzug“, erzählt Küper. „Er wurde damals unterstützt von Franz-Josef Rössing und Tierarzt Hellmann, der den Nikolaus gespielt hat.“ Dazu haben die Kinder in der Volksschule im Vorfeld gebastelt und Gedichte gelernt.

Als Ausgangspunkt des Umzuges diente von Beginn an der Hof Brockmeyer an der Münsterstraße. Von dort kam damals das große weiße Kaltblutpferd, das der Nikolaus ritt. „Wir haben das Pferd am Vortag immer richtig abgewaschen, damit es schön weiß war“, erinnert sich Mechtild Brockmeyer, die zusammen mit Schwester Gabi als Kind die Vorbereitungen erlebte. „Dann mussten wir dafür sorgen, dass es sich nicht wieder hinlegte und schmutzig machte“, lacht Gabi Brockmeyer bei der Erinnerung daran. Von Beginn an bis heute reitet der Nikolaus immer einen Schimmel. Eine Tradition.

Und diese Tradition ist und bleibt sehr lebendig. Dafür sorgen nun schon seit etwa 1970 Mitglieder der Kolpingsfamilie und des Reitervereins. Sie sind mit viel Engagement, aber vor allem mit viel Herz dabei. Zu den liebgewonnenen Abläufen gehört der Vorbereitungsabend bei herzhaften Schnittchen und Bier, zu dem sich auf dem Brockmeyer-Hof aktuell unter anderem Dirk Benning, Christoff Weitkamp und Michael Rödiger einfinden. Auch wenn der Ablauf feststeht, „es gibt immer was zu besprechen“, schmunzelt Dirk Benning. Seit 1960 nimmt der Umzug stets denselben Weg. Nur ein einziges Mal war es etwas anders, erinnern sich die Organisatoren. „Vor ein paar Jahren war dieser schlimme Sturm,“ erzählt Christoff Weitkamp. Da blieb das Pferd im Stall und die Feuerwehr brachte den Nikolaus zum Dom. Der Propst lud Nikolaus, Knecht Ruprecht und die Kinder in den Dom ein. „Das war ein tolles Bild“, schwärmen alle.

Wie bereits 1960, so finden sich auch heute noch am Nikolausabend die Kinder aus der Nachbarschaft in der Diele des Hofes ein und begrüßen den Nikolaus mit Gesang. „Wenn er dann durch die Tür kommt und die Kinder sehen ihn, ist immer sofort ehrfürchtige Stille“, erzählt Mechtild Brockmeyer. „Da erinnere ich mich noch gut, wie es mir als Kind erging.“ Damit Nikolaus und Knecht Ruprecht unbeschwert durch die Welt reisen können, wird seit Jahrzehnten ihre Ausstattung auf dem Hof Brockmeyer deponiert. In einem kleinen grauen Koffer sind Mitra und andere wichtige Kleidungsstücke. Der schwere rote Umhang hängt sorgsam auf einem Bügel. „Das ist der Umhang vom ersten Umzug“, weiß Norbert Küper. Der wird gehegt und gepflegt. Ebenso wie die schöne Tradition des Billerbecker Nikolausumzuges.

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/6227867?categorypath=%2F2%2F798623%2F798631%2F947609%2F
Nachrichten-Ticker