Billerbeck
Vivaldis klirrende Kälte musikalisch verströmt

Billerbeck. Noch nie stellte ein Musiker die vier Jahreszeiten so gefühlvoll und authentisch dar wie Antonio Vivaldi 1725 in seinem Meisterwerk „Die vier Jahreszeiten“. Ortwin Benninghoff (Orgel) filterte daraus die drei Sätze des vierten Teils – des Winters. Er stellte sie in den Mittelpunkt des Konzerts – mit zwei Streichern des Nationaltheaters der Ukraine. Zusammen traten sie als „Kiewer Orgeltrio“ vor das überschaubare Publikum im evangelischen Kirchenzentrum „Vom Guten Hirten“.

Montag, 18.02.2019, 16:34 Uhr aktualisiert: 18.02.2019, 18:50 Uhr
Billerbeck: Vivaldis klirrende Kälte musikalisch verströmt
Ortwin Benninghoff spielte auch zwei Werke aus eigener Feder. Foto: az

Draußen schien die Sonne mit frühlingshaften Temperaturen, im Kirchenraum verströmte die ausgewählte Musik von Vivaldi und anderen Komponisten klirrende Kälte. Vivaldi schaffte es bereits im ersten Satz des „Winters“, dem Allegro non molto c f-Moll, eisige Winde, Zähneklappern und zitternde Glieder in eindrucksvolle Noten umzusetzen. Oksana Popsuy (Violine), ehemalige Konzertmeisterin der Kiewer Kinderoper, und Oleksandr Babintschuk (Violine), ehemaliger Konzertmeister des Nationaltheaters der Ukraine, schafften es, die stakkatohafte Orgel expressiv zu ergänzen. Babintschuk zauberte ein einmaliges Solo mit seinem Instrument hervor. Eisige Winde in die Violine zu übertragen, war schon immer eine große Herausforderung für Violinisten. Babintschuk und Popsuy meisterten auch diese Herausforderung.

„Gib meinem Leben Würze mit Unwetter und Sonnenschein“, so Benninghoff als Sprecher eines Textes von Mareike Lenz aus ihrem modernen „Gebet in den Jahreszeiten“. Die Antwort war eine tiefgrollende Orgel und konterkarierende Streicherklänge, die eher an Kratzen als an Harmonie denken ließen. Lenz schuf damit ein beeindruckendes Werk neuer geistlicher Literatur aus Musik und Texten. „Danke für die blühenden Blumenfelder, ... für das Glitzern der Sonne im Wasser,…für das Essen und die Wärme“, waren nur ein paar Zeilen aus dem Gebet, die durch die Interpretation der Musik noch eine ganz persönliche Note erhielt.

Benninghoff hatte in das Programm zwei Werke aus einer eigenen Feder integriert, die er passend zum Winter-Thema geschrieben hatte. „Vivaldano – Gedanken zum Winter“ nannte er das eine Stück als Hommage an Vivaldis gewaltiges Werk. „Una piccola Passacaglia Inverno“ hieß das zweite Werk, das er mit eigenen Texten versah. Auch in diesem Beitrag gingen Text und Musik passend zum Winter (Inverno) eine berührende Verbindung ein, die auch zum Nachdenken über diese Jahreszeit, ihre möglichen Auswüchse und die eigenen Gedanken in dieser Zeit anregte. Auch dafür erhielt das Trio begeisterten Applaus.

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