Billerbeck
Keine Mehrheit für einen Luftkurort

Billerbeck. „Bad Billerbeck ade“. Leichte Häme konnte sich SPD-Fraktionschef Thomas Tauber denn doch nicht verkneifen, als der Hauptausschuss nach intensiver Diskussion mit der Stimmenmehrheit von SPD, Grünen und Bürgermeisterin den Antrag der CDU abgelehnt hatte, Billerbeck zum staatlich anerkannten Luftkurort zu machen. Endgültig ist die Entscheidung allerdings noch nicht, denn das letzte Wort hat der Rat.

Samstag, 11.05.2019, 20:02 Uhr
Billerbeck: Keine Mehrheit für einen Luftkurort
Billerbeck aus luftiger Höhe. Luftkurort soll die Stadt aber nicht werden, findet die Mehrheit der Politiker im Hauptausschuss. Die endgültige Entscheidung fällt in der nächsten Ratssitzung. Foto: Archiv

Mit ungebrochenem Engagement hatten die CDU-Vertreter versucht, für ihren vor inzwischen zwei Jahren gestellten Antrag zu werben – und das obwohl die Verwaltung bereits von zwei Fachbüros eine Kosten-Nutzen-Analyse hatte erstellen lassen, die vor einem unverhältnismäßig hohen Aufwand warnte. Dementsprechend hatten Bürgermeisterin Marion Dirks und Touristikerin Marion Kessens geraten, das Vorhaben nicht weiter zu verfolgen. „Es wären erhebliche Investitionen nötig. Wie müssten eine komplett neue Infrastruktur aufbauen“, warnte Dirks. Zum Beispiel müsse ein Kurpark eingerichtet werden, der hohe Anforderungen an Ausstattung, Pflege und Anbindung an den Ort stelle. Auch nur erste Arbeitsschritte auf dem Weg zu einer Anerkennung seien „mit unserem jetzigen Finanzbudget und Personal nicht zu leisten.“ Marion Kessens empfahl, die vereinbarten Aufgaben im Masterplan Baumberge Touristik 2026 abzuarbeiten, anstatt in Richtung Luftkurort zu streben. Im Rahmen des Masterplans sollten Akzente in den Bereichen Erholungs- und Kulturtourismus gesetzt werden, so Marion Dirks. Gesundheitstourismus sie bislang nicht nachgefragt worden.

Die CDU sieht eine staatliche Anerkennung als Luftkurort als „Alleinstellungsmerkmal in der Region“, so Fraktionsvorsitzender Marco Lennertz. Einzelhandel und Beherbergungsbetriebe könnten davon profitieren und die Auszeichnung ein weiches Kriterium sein, um die Attraktivität des Standorts zu steigern. Billerbeck erfülle bereits viele Voraussetzungen für einen Kurort, so Lennertz. Eine Kurklinik sei keineswegs zwingend nötig und viele Angebote zu Gesundheit und Erholung seien bereits vorhanden.

„Wo soll denn hier ein Kurgebiet eingerichtet werden?“, fragte Grünen-Fraktionsvorsitzende Maggie Rawe. „So grundlegende Fragen müssen doch geklärt werden, bevor man überhaupt weiterdenkt.“ Ihr sei außerdem die Intention der CDU nicht klar. „Soll ein erheblicher Mehranteil an Touristen kommen? Wollen wir das?“, fragte sie. Es müssten natürlich neue Hotels und gastronomische Betriebe gebaut werden, stellte Marion Kessens klar.

„Etwas überkandidelt“, fand Ulrich Schlieker (Grüne) die Idee, durch die Anerkennung als Luftkurort weiche Standortfaktoren zu stärken. „Es fehlt doch jegliche Basis“, so Schlieker. Thomas Tauber wurde noch deutlicher: „Wir sind hier nicht bei ,Wünsch dir was“, sagte er. Er sei fest davon ausgegangen, die CDU werde angesichts der Einschätzung der Fachleute ihren Antrag zurückziehen. „Wir sind nicht bereit, in dieses Projekt zusätzliche Mittel zu investieren.“

Ins gleiche Horn stieß Thomas Walbaum (SPD), der wirtschaftshemmende Konsequenzen sah, weil sich im Luftkurort bestimmte Gewerbe nicht ansiedeln dürften. „Das ist für mich das K.o.-Kriterium.“

Nicht einmal der Hinweis der CDU-Vertreter, sie wollten mit ihrem Antrag einen jahrelangen Prozess anstoßen, konnte die Ausschussmehrheit überzeugen.

„Unsere Idee wird von der Verwaltung blockiert“, schimpfte Brigitte Mollenhauer (CDU). Sie hätte sich gewünscht, dass wenigstens die Luftmesswerte mal ermittelt worden wären.

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