Billerbeck
„Wir machen heute alles vor der Tür“

Billerbeck. Ein kühler Wind wehte auf der Südseite des Billerbecker Domes. Dennoch kamen rund 80 Gläubige und 16 rührige Frauen zusammen, um mit einem Wortgottesdienst ihren Beitrag zur deutschlandweiten Aktionswoche „Maria 2.0“ vorzustellen. „Macht.Kirche.Neu“ tauften sie ihre Aktion, deren Themen bereits seit Jahren die Gemüter nicht nur von Frauen erhitzen. Mutige Frauen der Heilig-Kreuz-Gemeinde in Münster gründeten erst vor wenigen Wochen die Aktion „Maria 2.0“, die sich nicht gegen die jeweilige Pfarrgemeinde und ihre Geistlichen richten soll, sondern an den Machtstrukturen der katholischen Kirche rüttelt und mehr Rechte für die Gläubigen einfordert.

Sonntag, 12.05.2019, 18:24 Uhr aktualisiert: 13.05.2019, 06:20 Uhr
Billerbeck: „Wir machen heute alles vor der Tür“
Mit 80 Gläubigen und 16 aktiven Frauen war die Domplatte zur Aktion der Billerbecker Initiativgruppe gut gefüllt. Foto: Elvira Meisel-Kemper

Das betonten auch die Frauen der Billerbecker Initiativgruppe. „Wir machen heute alles vor der Tür, weil wir Frauen uns ausgeschlossen fühlen. Aus der Mitte heraus wollen wir Erneuerung“, so Monika Stockmann. In mühseliger Kleinarbeit hatten die Frauen die Aktion vorbereitet. Ein 200 Meter langes Band umschlang den Billerbecker Ludgerusdom. Stangen, die bei Prozessionen verwendet werden, hielten das Band von den Mauern der Kirche ab. Noch flatterten überwiegend leere Prospekthüllen an dem Band. Wer wollte, konnte schon an diesem Tag seinen Wunschzettel mit Forderungen der Erneuerung an die katholische Kirche ausfüllen und in die Hüllen stecken. Täglich werden die Frauen das Band mit den Hüllen dokumentieren und kontrollieren.

„Wir knüpfen das zerrissene Band wieder an, wenn irgendjemand es zerschnitten haben sollte“, versicherte Sabine Smarski. Am Ende der einwöchigen Aktion sollen die Zettel gesammelt werden und bei den Folgeveranstaltungen Verwendung finden. Jeder könne sich mit und ohne Namen an der Aktion beteiligen. Elisabeth und Gunter Rädel waren buchstäblich auf der Durchreise vom Urlaub in Norddeutschland an ihren Heimatort Ortenberg in Hessen. Sie wollten sich den Dom anschauen und äußerten sich direkt zu der Aktion. „Die Frauen müssen mehr Rechte haben“, forderte Elisabeth Rädel. „Es wäre endlich zeitgemäß“, stimmte ihr Mann zu.

Damit trafen sie einen wichtigen Kernpunkt der Aktion, der auch in dem Wortgottesdienst zur Sprache kam. Die Frauen forderten, dass keiner in der katholischen Kirche mehr ein Amt bekommen könne, der andere an Leib und Seele geschändet habe, das geduldet oder vertuscht habe. Zudem sollte es für Frauen Zugang zu allen Ämtern, auch zum Priesteramt, geben. Ferner forderten sie die Aufhebung des Pflichtzölibats und die Anpassung der kirchlichen Sexualmoral. Am Samstag (18. 5.) um 11 Uhr wird die Aktionswoche mit einem Wortgottesdienst auf der Domplatte beendet.

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