Billerbeck
Mit Bauchmuskelkater durch Heldenwelt

Billerbeck. Die Rheintöchter, flankiert von zwei Berkelnixen, sitzen auf einem Felsen, kämmen ihr blondes Haar und singen das Lied von der Lorelei. Ihr schönes Haar bleibt ihnen, ihr Gold haben sie sich dummerweise von dem Zwerg Alberich klauen lassen. Wer daraus einen Ring schmiedet und der Liebe für immer entsagt, erlangt die Weltherrschaft. Logisch, dass hier Begehrlichkeiten erweckt werden. Richard Wagner hat die daraus erwachsene Geschichte von Gier, Machtstreben, Liebe, Inzest, Verrat und Mord in seinem Opernzyklus „Der Ring des Nibelungen“ musikalisch zu einer verschlungenen Götter- und Familiengeschichte verarbeitet. 16 Stunden Oper an vier Abenden, das erfordert Sitzfleisch, aber zum Glück gibt es witzige Parodien, die diese verrückte Story nicht nur präzise auf den Punkt bringen, sondern auch noch einen höchst vergnüglichen Abend bescheren. Wer also schon immer wissen wollte, um was es hier geht, der sollte sich „Wagners Ring der Nibelungen – Die heißeste Versuchung, seit es Parodien gibt“ an der Freilichtbühne Billerbeck nicht entgehen lassen.

Dienstag, 18.06.2019, 10:02 Uhr
Billerbeck: Mit Bauchmuskelkater durch Heldenwelt
In der Welt der Götter und Helden toben heftige Kämpfe. Im Streit zwischen Hunding (2.v.l. Gereon Rasche) und Siegmund (2.v.r. Andre Stegemann) führen Wotan (l. Sigi Schulz) und Brünhilde (Louisa Melchow) im Hintergrund die Schwerter der Kämpfer. Foto: Ursula Hoffmann

Was Regisseur Johannes Lang mit einem hoch motivierten Ensemble aus der Komödie mit Hintersinn von Alexander Liegl und Gabriele Rothmüller gemacht hat, ruft in der Presseprobe großen Lust auf mehr hervor. Da ja weder menschliche Gier, noch Eifersucht oder Mord ein Verfallsdatum erreichen, lässt Lang die ersten beiden Akte Anfang der 60er Jahre spielen, was sich in den Kostümen widerspiegelt, nach der Pause gibt es einen Zeitsprung. „Die Klamotten der Menschen sind dann an den Film ‘Pulp Fiction’ angelehnt, in Richtung ‘Matrix’ gehen die der Götter“, erklärt er.

Auch musikalisch geht es rund in diesem Sommer. „Wagners Musik erklingt in kleinen Dosen, den Schwerpunkt bilden Kulthits der letzten fünfzig Jahre“, schmunzelt Lang. Ergänzt mit Lokalkolorit und Adaptionen aus Loriots Ringfassung „wird das eine sehr witzige Geschichte abseits vom Mainstream, an der man viel Spaß haben kann und bei der niemand Angst haben muss, den roten Faden zu verlieren“, verspricht Dramaturg Christian Alexander.

Sigi Schulz spielt den Göttervater Wotan, eine Rolle der Extreme. Einerseits ist Wotan der Gott der Götter, ausgestattet mit großer Autorität, andererseits steht er bei seiner Gattin Fricka total unter dem Pantoffel. „Es ist toll für einen Laiendarsteller eine solche kontrastreiche Rolle zu spielen“, freut er sich über die Herausforderung und ergänzt, „wir sind Dilettanten, das heißt ja ursprünglich Liebhaber einer Kunst, die mit Herzblut wettmachen, was an Ausbildung fehlt“. Mit Herzblut bei der Sache ist auch Louisa Melzow, die Wotans Tochter spielt. „Das ist aus feministischer Sicht eine interessante Rolle. Brünhilde ist eine taffe Frau, die sich mutig gegen die Autorität des Vaters stellt. In starkem Kontrast dazu steht die totale Hingabe und Abhängigkeit von Siegfried, einem Mann, der noch nicht einmal klug ist“, beschreibt sie den Charakter ihrer Rolle. Und ergänzt lachend: „Wir wollen für einen lustigen Abend sorgen, bei dem man nach Hause geht mit Bauchmuskelkater“.

Die Freilichtbühne Billerbeck bietet in diesem Sommer zwei Gehörlosenvorstellungen mit einem Gebärdendolmetscher an: am 6. Juli für „Wagners Ring des Nibelungen“ und am 7. Juli für das Kinderstück „Das kleine Gespenst“.

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