Billerbeck
Gerichtstermin für Brückenbauer

Billerbeck. Als Autofahrer aus der Bauerschaft Bockelsdorf muss man Geduld haben. Seit dreieinhalb Jahren ist nun die Eisenbahnbrücke des Alten Ziegeleiwegs gesperrt. Zwischen den beiden Landstraßen (Richtung Beerlage und Havixbeck) können derzeit nur Radfahrer hin- und herfahren, weil die Tragkraft der Brücke nach Einschätzung der Experten für schwere Kraftfahrzeuge nicht mehr ausreicht und diese saniert werden müsste. Und da sich Stadt und Bahn wegen der Bezahlung vor Gericht in den Haaren liegen, müssen sich die Bockelsdorfer weiter in Geduld üben. Nun gibt es Licht am Ende des Tunnels – oder besser gesagt der Brücke. Das Verwaltungsgericht hat den Verhandlungstermin festgelegt.

Dienstag, 20.08.2019, 16:30 Uhr
Billerbeck: Gerichtstermin für Brückenbauer
Diese Bürger um Erich Frieling (vorne rechts) sind sichtlich sauer, dass die Brücke schon seit drei Jahren für den Autoverkehr gesperrt ist. So müssen Anwohner und Besucher aufwändige Umwege in Kauf nehmen, um an ihre Ziele zu kommen. Foto: ugo

Mindestens bis zum 5. Dezember müssen die Betroffenen noch aushalten, um Klarheit zu bekommen, wie und ob es weitergeht. Um 11 Uhr wird sich dann das Verwaltungsgericht in Münster öffentlich mit der Klage der Stadt Billerbeck gegen die Deutsche Bahn AG befassen, die zahlen soll. Alle Bürger, die der Verhandlung beiwohnen wollen, sind dazu willkommen.

Erich Frieling macht beim Ortstermin mit unserer Zeitung dem Ärger der versammelten Protestler Luft. „Es ist ein Unding, dass die Brücke schon so viele Jahre für den Kfz-Verkehr gesperrt ist, ohne dass sich was tut. Wir fordern, die Brücke so schnell wie möglich wieder so herzurichten, dass sie mit Kraftfahrzeugen zu befahren ist.“ Allerdings sollten sich die Betroffenen nicht allzu viel Hoffnung machen, dass der erste Gerichtstermin schon eine Entscheidung bringt. Erfahrungsgemäß werden die Streithähne zunächst einmal ihre Sicht der Dinge erläutern. Womöglich folgt danach erst einmal ein Ortstermin.

Die Verärgerung der Bockelsdorfer über die schleppende Abwicklung ist verständlich, zumal nach deren Schilderung immer wieder Rettungswagen wegen der Sperrung umkehren und einen Umweg fahren müssen. „So geht wertvolle, womöglich lebensrettende Zeit verloren“, schimpft ein Nachbar. Die Navis zeigten nach wie vor einen befahrbaren Weg über die Brücke an. Darauf fielen auch immer wieder Auswärtige herein.

Für eine umgehende Sanierung spreche nach Ansicht der Bockelsdorfer, abgesehen vom hohen Zeit- und Kostenaufwand für Umwege, auch der Umweltaspekt. So sind beispielsweise alleine die vier autofahrenden Familienmitglieder der Guddorfs wegen der gesperrten Brücke mittlerweile insgesamt 15 000 Extra-Kilometer gefahren.

Eine Anwohnerin schlägt vor, das Bauwerk wenigstens wieder für Autos zu öffnen. „Das Befahren mit schweren Treckern oder Lkw könnte man doch durch festmontierte Torbögen verhindern, die nur Autos durchlassen“, schlägt sie eine kreative Lösung vor, die sie andernorts schon gesehen habe.

Absehbar ist allerdings, dass sich vor einer Entscheidung hinsichtlich der Kostenfrage kaum etwas tun wird. Das mussten Erich Frieling und die Nachbarn auch schon leidlich erfahren, als sie mit mehr als 150 Unterschriften Anfang 2017 durchsetzen wollten, den Alten Ziegeleiweg in eine Fahrradstraße umwandeln zu lassen – inklusive Brückensanierung für Kfz (Anlieger frei). Allerdings deutete sich in Gesprächen mit der Bezirksregierung an, dass es kaum Aussichten auf eine Landesförderung dafür geben würde.

So bleibt den Brücken-Opfern weiterhin nur eins: sich in Geduld üben und auf eine schnelle Entscheidung des Verwaltungsgerichts hoffen.

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/6862505?categorypath=%2F2%2F798623%2F798631%2F947609%2F
Nachrichten-Ticker