Billerbeck
Flexibilität bei Neubauten gefragt

Billerbeck. Eines wird im Rahmen des Informationsabends der Stadt zur künftigen baulichen Gestaltung an der Lange Straße deutlich: den meisten der rund 50 Anwesenden, unter ihnen zahlreiche Politiker und Geschäftsleute, sind die Arkaden der Geschäftshäuser wichtig. Anlass für die Versammlung ist ein Bauantrag, in dem es um eine neue Immobilie an der Arkadenseite der Lange Straße (stadtauswärts gesehen rechts) geht. Auch wenn das abgängige Gebäude keinen Arkadengang hat, stellt sich für den Rat die Frage, ob die Stadt künftige Baugenehmigungen an der entsprechenden Seite mit einer Arkadenauflage verknüpfen soll. Einer der Bürger bringt es so auf den Punkt: „Wir sollten die Chance nutzen, den Arkadengang zu erweitern.“

Donnerstag, 12.09.2019, 16:12 Uhr
Billerbeck: Flexibilität bei Neubauten gefragt
Die Arkadenseite der Lange Straße: Für den Rat stellt sich die Frage, ob die Stadt künftige Baugenehmigungen an der entsprechenden Seite mit einer Arkadenauflage verknüpfen soll. Foto: Stephanie Sieme Foto: az

Die Argumente der eingeladenen Experten deuten allerdings eher in die Richtung, von einer solchen Planung Abstand zu nehmen. Der zu erwartende, weitere Rückgang im Einzelhandelsbereich empfehle städtebaulich attraktive Lösungen, die langfristig auch andere Nutzungen ermöglichten. Stadtplaner Dr. Holger Pump-Uhlmann aus Braunschweig: „Sie sollten auf anstehende Veränderungen vorbereitet sein und den Eigentümern mehr Flexibilität zugestehen, um künftige Entwicklungen zu ermöglichen.“ Auch Christian Paasche von der IHK Nordwestfalen empfiehlt, in diesem Sinne eher auf den „städtebaulichen Mehrwert durch attraktive Neubauten im Innenstadtbereich“ zu setzen.

Zahlreiche Bürger machen indes im Rahmen der Versammlung in der Alten Lawi deutlich, wie sehr sie an den Arkaden hängen. Sie böten „Schutz vor der Witterung“, vermittelten „gemütliches Flair“ oder wirkten einem „Schlaucheffekt“ der Lange Straße entgegen.

Stadtplanerin Michaela Besecke betont, dass es bei der Entscheidung darum gehe, ob eine Arkadengestaltung bei Neubauprojekten in dem Bereich vorgeschrieben werden solle, nicht etwa um die Beseitigung bestehender Strukturen. Dabei weist sie allerdings einschränkend darauf hin, dass eine durchgängige Gestaltung an der Arkadenseite ohnehin nicht möglich sei. „Es gibt dort drei unter Schutz stehende Häuser, die nicht verändert werden dürfen.“

Zur Einstimmung nutzt sie die Gelegenheit, die Geschichte der Arkaden an der Lange Straße darzustellen. Entstanden seien sie in den 50er Jahren für Fußgänger wegen des engen Verkehrsraums, als noch Kraftfahrzeuge dort fuhren. Mit der Umwandlung in eine Fußgängerzone in den 70er Jahren sei diese Notwendigkeit entfallen. Besecke erinnert daran, dass die Mitglieder des Gestaltungsbeirats vor diesem Hintergrund festgestellt hätten, „dass das Ziel, eine Durchgängigkeit der Arkaden mit Zwang durchzusetzen, nicht mehr zu rechtfertigen wäre“. Erschwerend komme den Ausführungen von Dr. Pump-Uhlmann hinzu, dass die Arkaden aufgrund der schmalen Gestaltung kaum Aufenthaltsqualität böten.

Nun wird der Rat in einer seiner nächsten Sitzungen das letzte Wort haben. Gerhard Mollenhauer, Fachbereichsleiter Planen und Bauen, versichert, dass dies vor dem Hintergrund der vorgetragenen Argumente erfolgt. Ein repräsentatives Votum für oder gegen eine Arkaden-Vorgabe bei Neubauprojekten in dem Bereich war aufgrund der begrenzten Teilnehmerzahl natürlich nicht möglich.

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