Billerbeck
Begrüßungsdrink mit Dracula

Billerbeck. Fackeln beleuchten den Weg zur Burg. Im Inneren des Gemäuers ist das Licht gedimmt. Strahler tauchen Wände, Ecken und Erker in ein rotes Licht. Kerzenleuchter stehen überall. Hier und da hängen Spinnweben. Eine unheimliche Atmosphäre herrscht in der Kolvenburg. Dracula, der wohl bekannteste Vampir der Literaturgeschichte, ist vor Ort. Der Schauspieler, Kabarettist, Moderator und Sprecher Christoph Tiemann und das Theater „Ex Libris“ hauchen ihm zumindest an diesem Abend Leben ein und präsentieren die berühmte Geschichte um den blutrünstigen Grafen von Bram Stoker als eine Art Live-Hörspiel. Eine Premiere – denn das Ensemble bringt Dracula zum ersten Mal auf die Bühne. Vor 90 Zuhörern. Vor ausverkauftem Haus.

Samstag, 05.10.2019, 12:04 Uhr
Billerbeck: Begrüßungsdrink mit Dracula
Leser treffen Dracula-Ensemble: (v.l.) Petra Nachbar (Leserin), Jakob Reinhardt, Lisa Albert (Leserin), Urs von Wulfen, Christoph Tiemann, Alban Renz, Sarah Giese, Markus von Hagen, Ulrich Michgehl (Leser), Swenja Janning (Kulturreferentin des Kreises Coesfeld) und Inge Michgehl (Leserin). Foto: Stephanie Sieme

Inge und Ulrich Michgehl, Lisa Albert und Petra Nachbar erklimmen die Stufen zum kathedralartigen Dachstuhl. Hier oben ist es kalt, Musik ist zu hören. Auch auf dem Dachstuhl herrscht düstere Stimmung. Die Vier gehören zu den Zuhörern und treffen noch vor Premierenbeginn bei einem von unserer Zeitung in Kooperation mit dem Kreis Coesfeld verlosten „Meet & Greet“ auf das komplette Ensemble. In lockerer Runde und mit Begrüßungsdrinks wird sich unter anderem über die Vorbereitung auf die Premiere, die Gründung des Theaters „Ex Libris“ vor neun Jahren und Dracula ausgetauscht. „Ich habe Schauspieler gesucht, die auf der einen Seite gut lesen und sprechen können und auf der anderen Seite große Flexibilität mit sich bringen und nicht nur am Text kleben“, berichtet Tiemann auf Nachfrage von Ulrich Michgehl, wie sich das Ensemble gefunden hat. Mittlerweile gehören zehn Schauspieler und drei Musiker zu „Ex Libris“. Alle sind miteinander befreundet. „Das macht eine Menge aus“, sagt Sarah Giese, die in „Dracula“ unter anderem der „Mina Harker“ ihre Stimme leiht. „Es sind alles Leute, mit denen man den Abend oder auch etwas länger verbringen kann“, so Tiemann schmunzelnd. Alle lachen.

Die Vorlage für das Live-Hörspiel ist der 500-Seiten-Roman von Bram Stoker. Ein Briefroman. Für das Live-Hörspiel zum Teil neu arrangiert, aber nah am Original. Zusammengefasst in zweieinhalb Stunden. „Sonst stellt sich die Frage, was reinkommt, jetzt aber, was rauskommt“, so Tiemann.

Er, Alban Renz, Sarah Giese, Markus von Hagen und Urs von Wulfen leihen den verschiedenen Personen in Dracula ihre Stimmen, wechseln in rasantem Tempo die Charaktere und zeigen, wie wandlungsfähig sie sind. Jeder übernimmt mehrere Rollen. Untermalt wird alles mit der passenden Mimik und Gestik. Ein Live-Hörspiel mit ein wenig Schauspiel. So halten sich Sarah Giese (Mina Harker) und Urs von Wulfen (Jonathan Harker) in einer anrührenden Szene die Hände. Und während Markus von Hagen als Erzähler den Sturm ankündigt, den London erwartet und damit Dracula gemeint ist, wiegen sich die Bäume vor den Fenstern der Kolvenburg im Wind. Gänsehaut pur. Auf einer Leinwand erscheinen auf die Handlung abgestimmte Bilder, um die Phantasie der Zuhörer anzuregen. Unterstützt wird die Stimmung durch Live-Musik, gespielt von Jakob Reinhardt. Den Akteuren gelingt es, bei den Zuhörern ein Kopf-Kino anzuregen.

Das Publikum ist angetan. Schon in der Pause zeigt sich das. „Die machen das richtig gut“, ist immer wieder zu hören. Gefallen hat es auch den Gewinnern des „Meet & Greet“. „Es war ein Hörgenuss. Aber nicht nur. Auch die Mimik war super und die schnellen Wechsel zwischen den einzelnen Figuren“, so Inge Michgehl. „Sie haben mit ihren Stimmen Bilder im Kopf hervorgerufen. Wie bei einem Buch.“ Auch Lisa Albert ist begeistert. „Ich bin völlig beeindruckt vom ganzen Ensemble und den Stimmen“, sagt die Rosendahlerin, die sich zusammen mit ihrer Begleiterin Petra Nachbar an der Freilichtbühne Billerbeck engagiert. Dort wurde die Geschichte des Vampirs 2013 auf die Bühne gebracht. Der „Chef“, wie Tiemann von seinem Ensemble liebevoll genannt wird, ist mit der Premiere mehr als zufrieden. „Es ist ein so tolles Team“, sagt der Schauspieler.

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