Billerbeck
Stahlplatten mit den Namen der Opfer

Billerbeck. Stahlplatten, aus denen die Namen der Opfer herausgeschnitten sind, angebracht an den Innenseiten der beiden vorderen Säulen – das könnte sich Wolfgang Suwelack als Alternative zur zerstörten gläsernen Gedenktafel vorstellen, wenn das Kriegerehrenmal saniert wird (wir berichteten). Die Idee wird die Suwelack-Stiftung Rat und Verwaltung in Kürze vorstellen, damit sie gemeinsam weiterentwickelt werden kann.

Montag, 07.10.2019, 06:40 Uhr
Billerbeck: Stahlplatten mit den Namen der Opfer
Wolfgang Suwelack zeigt die Innenseiten der Pfeiler, auf denen er sich die Stahlplatten mit den Namen der Opfer vorstellen könnte. Fotos: ude Foto: az

Die Namen der im Ersten Weltkrieg gefallenen Soldaten aus Billerbeck sind von je her auf den beiden hinteren Pfeilern des Mahnmals verzeichnet. „Da liegt es doch nahe, die Namen der Opfer des Zweiten Weltkriegs und der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft gegenüber zu platzieren’“, sagt Suwelack beim Ortstermin.

Am Volkstrauertag 2002 war die gläserne Gedenktafel, die auch an die jüdischen Mitbürger und ausländischen Zwangsarbeiter in Billerbeck erinnert, übergeben worden. Fünf Jahre später wurde sie beschädigt. Die Polizei ermittelte – auch in der rechten Szene. „Gerade jetzt, wo rechtes Gedankengut immer öfter laut wird und Antisemitismus auflebt, ist es doch wichtig, auch in Billerbeck eine entsprechende Erinnerungskultur zu pflegen“, formuliert Wolfgang Suwelack sein Anliegen. Auf vielfältige Weise setzt sich die Stiftung in Billerbeck dafür ein.

Ein Bedürfnis ist es Suwelack daher auch seit vielen Jahren, im Sinne einer veränderten Erinnerungskultur das Kriegerehrenmal offiziell umzuwidmen. Ein anderer Name – Mahnmal oder Friedenskapelle zum Beispiel – soll deutlich machen, dass nicht nur an die Soldaten, sondern an alle Opfer von Krieg und Gewalt aus Billerbeck erinnert wird. Eine Umwidmung hat die Politik bislang abgelehnt – das Kriegerehrenmal ist im Eigentum der Stadt.

Ende der 90er Jahre hatten ein damaliger Arbeitskreis Kultur und der Förderverein „Mahnmal“ einen Ideenwettbewerb zur Umgestaltung des Kriegerehrenmals zu einem „Mahnmal für die Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft“ ausgeschrieben. Den ersten Preis erhielt das Projekt „Kapelle der Friedfertigkeit“, das der Stadt zum Geschenk gemacht wurde. 13 Jahre lang wurde jeden Sonntag das nur für diesen Anlass geschriebene Musikstück „Wenn nicht du“ aufgeführt – auf einer dafür installierten Kunststeinplatte. Kosten und Honorare finanzierte der Förderverein.

Die Idee, die hinter der „Kapelle der Friedfertigkeit“ stand, und der Name dieses Projekts lassen Wolfgang Suwelack nicht los. „An einem Kriegerehrenmal kann man nicht der ermordeten Juden gedenken. Die Erinnerung an alle Opfer ist nur in einer Kapelle der Friedfertigkeit möglich“, ist er überzeugt.

Ein Musterbeispiel ist für ihn die Friedenskapelle Alst in Horstmar. Bewohner der Bauerschaft haben sie geschaffen in dem gemeinsamen Wunsch nach Frieden. Über Spenden wurde der Bau finanziert, 1967 eingeweiht. Auf ehrenamtlichem Engagement beruht auch aktuell die Pflege der kleinen liebevoll geschmückten Kapelle, deren Wand die Namen der Weltkriegstoten trägt. | www.waldfrieden-horstmar-alst.de/friedenskapelle

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