„Dschungelbuch“: Großartige Tierdarstellungen und Melodien mit Ohrwurmcharakter begeistern Publikum
Fantasievolles temporeich in Szene gesetzt

Coesfeld. Ausgelassen tollt Mogli mit seinen Wolfsgeschwistern über die Bühne. Eine fröhliche Melodie ertönt. „Fang den Tiger“ singen und spielen die jungen Wölfe ihr Lieblingsspiel, nicht ahnend, dass der böse Shir Khan ihnen näher ist, als sie ahnen.

Montag, 09.06.2014, 16:05 Uhr aktualisiert: 09.06.2014, 16:32 Uhr

Eine Neufassung des „Dschungelbuchs“, die sich eng an Rudyard Kiplings Buchvorlage orientiert, steht auf dem Programm. Und vorab, wer diesen Sommer nicht nutzt, um sich Moglis Abenteuer im Dschungel anzusehen, der hat etwas verpasst.

Unter der Regie von Klaus Michalski ist ein ungeheuer fantasievolles und temporeiches Stück entstanden, bei dem wirklich alles stimmt. Ein echter Wasserfall zieht die Blicke auf sich, der aufgebaute Dschungel (Harry Behlau) fügt sich prächtig in die Kulisse der hohen Bäume ein. Tolle Kostüme (Jula Reindell) und Masken (Elke Qirmbach) verwandeln die Darsteller in Wölfe, Affen, Geier, Elefanten. Dabei ist es gelungen, den Charakter eines jeden Tieres mit besonderen Accessoires zu betonen. So verleiht ein Ledermantel dem Tiger Shir Khan gefährliche Präsenz (Sonderapplaus für die geniale Umsetzung der Kostüme durch das Nähteam).

Choreografin Sabine Lindlar hat mit dem spielfreudigen Ensemble kongeniale Bewegungen und Tänze einstudiert, die den Tieren eine enorme Körperlichkeit verleihen, die sich auch in kleinsten Gesten äußert und von allen konsequent durchgehalten wird. Besonders schön die Bewegungen der Wolfseltern (Celine Bergerbusch und Rainer Hansen).

Ein echter Glücksfall ist die zierliche elfjährige Felice Böcker, die als Mogli Dschungelbewohner und Zuschauer gleichermaßen verzaubert. Ihre Augen strahlen, wenn sie in übermütiger Freude und ungeheurer Beweglichkeit über die Bühne wirbelt und sich toll choreografierte Spaßkämpfe mit Balu liefert. Hinreißend ihre beleidigten Trotzanfälle und anrührend die Traurigkeit, die sie Mogli verleiht, der seine Freunde im Dschungel nicht verlassen will.

Ein herrlich witziger Gegenpart zu dem quirligen Wirbelwind ist der gemütliche „Ich bin nicht dicke“-Bär Balu, den Marcel Bücker mit gutmütig-liebevoller Gelassenheit spielt.

Geschmeidige Eleganz zeigt Anna Hansen als Baghira. Ein Höhepunkt ist die herrliche Elefantenpatrouille unter Oberst Hathi, deren Einmarsch von den Zuschauern mit begeistertem Applaus begrüßt wird. Die verpeilte Schlange Kaa (köstlich Meret Iker) bezirzt mit dem „Trick mit dem Blick“.

Die wilde ungebärdige Affenbande begeistert ebenso wie die schmissigen Geier mit ihrer „Geier-Feier“. Und Andreas Böker verleiht dem Bösen mit großer Bühnenpräsenz Ausdruck. Er schleicht als Shir Khan dämonisch durch den Dschungel und verkörpert mit selbstherrlicher Arroganz den King Louie.

Gesungen und getanzt wird zu swingenden, schmissigen Melodien (hervorragend einstudiert von Oliver Haug), die ganz schnell ins Ohr gehen und die bekannten Disney Melodien tatsächlich vergessen lassen. Bravo für das gesamte großartige Ensemble.

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/2508555?categorypath=%2F2%2F798623%2F798631%2F947601%2F
Nachrichten-Ticker