Operette „Das Feuerwerk“ bringt gute Laune ins Konzert Theater
Zirkuswelt im Spießermilieu

Coesfeld. Bürgerliche Spießigkeit kräftig durcheinander gewirbelt von einem schillernden Zirkuspaar, das ist die Grundidee von Paul Burkhards musikalische Komödie „Das Feuerwerk“. Eine Operette, die mit eingängigen Melodien, köstlichen Typen und pfiffigen Sprachspielen punktet, vor allem, wenn sie so locker, leicht und fröhlich angerichtet wird wie vom Theater Hagen.

Sonntag, 15.06.2014, 17:00 Uhr aktualisiert: 15.06.2014, 18:18 Uhr

Der Fabrikant Oberholzer feiert seinen 60. Geburtstag und je mehr die Zuschauer im gut besuchten Konzert Theater die eintreffende Verwandtschaft kennenlernen, desto mehr stimmen sie zu, „an so einem Tag, da spürt man so recht, dass man zusammengehört in Freud und Leid“. Klar liegt die Betonung auf Leid, denn was da aufläuft an Tanten und Onkeln, das sind „schrecklich“ nette Verwandte. Der ständig mampfender Fritz mit seiner dümmlichen Berta, der vor allem an seiner Frau Paula, einer grässlichen Schrappnelle, leidende Gustav und der schon durch seine Größe witzig wirkende Heinrich mit seiner Lisa. Und dann platzt auch noch der abtrünnige Bruder Alexander, inzwischen Theaterdirektor, begleitet von der kapriziösen Iduna, in die illustre Gesellschaft.

Allein die reizende Tochter des Jubilars, Anna, die mit schwingendem Petticoat-Kleid, lustig wippenden Pferdeschwanz und leichtfüßig in Ballerinas über die Bühne schwebend das Publikum verzaubert, ist hingerissen von dem neuen Onkel. Und den alten Onkel fallen beim Anblick der Reize der schönen Iduna mit ihrem allerliebsten französischen Akzent buchstäblich die Augen aus dem Kopf. Iduna hat mit „Ich hab ein kleines süßes Pony“ und dem zauberhaften „O mein Papa“ die schönsten Hits der Operette. Im Kreis der kauzigen Verehrer gesungen, bekommt ihre Hymne an den Papa eine übermütige Komik, die gefällt. Im zweiten Akt verwandelt sich der elegante Salon in ein Zirkuszelt und Anna („Heut hab ich Flügel“) träumt sich in die schöne bunte Zirkuswelt.

Klasse der Auftritt echter Artisten vom Circus Jonny Casselly, die mit Luftakrobatik am Vertikaltuch, zwei Kontorsionistinnen, deren elegante Köperverdrehungen zu den Klängen des Orchesters ein Hochgenuss zum Staunen sind, starken Männern, die zu beschwingten Weisen humoristische Sprünge und Pyramiden zeigen und einer drollige Hundedressur den ganz eigenen Zauber des Zirkus ins Theater bringen. Klasse auch die drei Onkel.

Als Clowns übernehmen sie, „elahop“, die Rolle des „Papa“ und tanzen selbstversunken Seil auf Gustavs Schal, während im Hintergrund ein echter Seiltänzer seine Kunst zeigt. Oder die drei Tanten als schnurrende Raubkätzchen („Ach diese Bestien sind schwer zu zähmen“). Am Ende entschwebt aber nicht Anna mit dem Zirkus, sondern der hüstelnde Gustav, der seiner Paula bescheinigt: „Du warst mein Hustenreiz“. Toll gespielt und gesungen von den genau richtig überspitzt gezeichneten Figuren (Inszenierung Nicola Glück) macht diese Operette mit ihrer liebenswürdigen Ironie einfach Spaß. Und ein Feuerwerk setzt den Schlusspunkt.

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