Gewerkschaft startet Aktionsreihe bei Westfleisch / Arbeiter informiert
Mit Schokomännern für Mindestlohn

Coesfeld. Die Aufregung auf dem Parkplatz bei Westfleisch ist groß. „Ist das denn in Ordnung?“ will Adrian (Name geändert) wissen und zeigt seinen Arbeitsvertrag Mohamed Boudih, Geschäftsführer der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) Münsterland, die gestern zusammen mit Vertretern des Gewerkschaftsbunds (DGB) und den Bundestagsabgeordneten Ulrich Hampel (SPD) und Friedrich Ostendorff (Grüne) eine Aktionsreihe zum Mindestlohn bei dem Coesfelder Schlachtbetrieb startete. Acht Euro die Stunde gibt es in der Fleischbranche seit dem 1. Dezember. „Die Arbeitnehmer wissen das oft aber gar nicht oder sind unsicher“, sagt Boudih. Nicht zuletzt liege das auch an den Sprachbarrieren.

Samstag, 13.12.2014, 14:04 Uhr

Darum haben die Gewerkschaftler die Informationsflyer auch in Rumänisch, Polnisch, Ungarisch und Russisch dabei – neben Schoko-Weihnachtsmännern und Brillen-Putztüchern für mehr Durchblick. Dolmetscher haben sie ebenfalls mitgebracht. Coesfeld bildete als „Zentrum der Fleischindustrie im Münsterland“ den Anfang, weitere Aktionen sind in Münster und Schöppingen geplant.

Der Blick auf die Gehaltsabrechnung von Adrian, der über ein Subunternehmen von Westfleisch beschäftigt ist, verrät Boudih schnell, dass etwas nicht stimmt. „Der Mindestlohn wurde zwar gezahlt und ist korrekt“, sagt er. Dafür seien es aber nicht die Abzüge, die auf dem Gehaltszettel aufgeführt sind: für Stoffhandschuhe oder ein Gesundheitszeugnis etwa; insgesamt rund 300 Euro. „Arbeitskleidung ist vom Arbeitgeber zu bezahlen und kann nicht einfach vom Lohn abgezogen werden“, stellt Boudih klar. „Das ist unrechtmäßig.“ Tricks, die immer wieder vorkämen und über die die Gewerkschaften bei ihrer Aktion gerne aufklären möchten. „Oft wird auch für die Unterkünfte unverhältnismäßig viel Geld abgenommen“, sagt Grünen-Abgeordneter Friedrich Ostendorff. Die zudem häufig nicht angemessen ausgestattet seien.

„Es ist ein großer Erfolg, dass wir den Mindestlohn durchsetzen konnten“, findet SPD-Abgeordneter Ulrich Hampel. Denn das habe dazu geführt, dass in der Branche ein Tarifvertrag auf den Weg gebracht werden konnte. „Jetzt geht es um die Umsetzung, da bleiben wir dran.“

Die meisten Arbeitnehmer hätten nicht mit Westfleisch selber einen Vertrag, sondern mit Subunternehmen, erläutert DGB-Regionsgeschäftsführer Winfried Lange. „Aber auch diese sind gesetzlich verpflichtet, den Mindestlohn zu zahlen.“

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