Nach einer Solo-Vorstellung gewinnt der schmerzgeplagte Letteraner in 2:33:56 Stunden
Mensch Meyer! Lass langsam gehen

Coesfeld. Manuel Meyer, 34, war fix und alle. „Ich kann nicht mehr“, sagte der Sieger des 40. SparkassenMarathon und prustete wie eine alte Dampflokomotive. „War das hart. Hammerhart!“ Er humpelte, zog den linken Fuß nach und trug schwer an der riesigen Fahne vom Käsespezialisten Christian Althues, seinem persönlichen Sponsor, der ihn großzügig unterstützt. Jonas Kleinhölting, Meyers Neffe, 13 Jahre jung, hatte ihm die Fahne kurz vorm Marktplatz noch rasch in die Hände gedrückt.

Sonntag, 10.05.2015, 17:28 Uhr

Der Ischiasnerv quälte ihn so sehr, dass sich „Manu“, so sein Spitzname, kaum mehr auf den Beinen halten konnte. „Wäre das Rennen nicht in Coesfeld gewesen“, meinte er mit verzerrter Miene, „hätte ich freiwillig verzichtet.“ Mensch, Meyer! Lass mal langsam gehen. „Egal! Hauptsache gewonnen“, wischte der müde Krieger alle Bedenken vom Tisch, „die Leute haben mich lauthals angefeuert, da musste ich durchlaufen.“ Seine vielen Fans konnte und wollte er nicht enttäuschen.

In Lette tobte der Bär, als Manuel Meyer mit langen Schritten anmarschiert kam. Severine, seine bessere Hälfte, war gekommen, ihre fünf Kinder im Schlepptau. „Lauf, Papa, lauf“, schrieen sie im Gleichklang. „Die Stimmung war bombig“, schwärmte der Lokalmatador, „da hab’ ich noch mal Vollgas gegeben.“

Volker Herbstmann, der alte Scherzkeks, hätte ihn bei km 11, kurz vorm Einbiegen aufs Gelände der Firma Scholz, fast aus dem Rhythmus gebracht. „Manuel“, tönte Herbstmann allen Ernstes, „das Gröbste liegt hinter dir!“ Meyer schüttelte sich fast vor Lachen. „Hab’ noch 31 km vor mir“, rief er ihm zu und eilte weiter, immer weiter. „Was dann in Flamschen kam, war der Hammer“, staunte Meyer über Schnee und Rauch, der ihm für einige Sekunden die Sicht vernebelte, „aber nicht nur Flamschen war phänomenal! Bei allen Eventpoints ging die Post ab. Das war Ramba Zamba hoch drei!“

Wolfgang Lembeck, der ihn auf dem Mountain Bike begleitete, um bei Bedarf den Weg frei zu machen, hat hautnah mitbekommen, wie Manuel Meyer auf der zweiten Runde leiden musste. Sein Ischiasnerv spielte verrückt, sendete pausenlos Schmerzsignale in den linken Ober- und Unterschenkel. „Ich glaub’, ich krampf’ gleich“, stöhnte Meyer. „Mach’ keinen Sch...“, antwortete Lembeck, „halt’ durch.“ Dann biss er auf die Zähne und kämpfte gegen den innereren Schweinhund. Zwei Stunden, 33 Minuten und 55 Sekunden dauerte der 42,195 km lange Trip, den er mit einem gequälten Lächeln beendete. Heiko Schulze, sein Coach beim TV Wattenscheid 01, war zufrieden mit der Leistung seines Schützlings. „Bei der Vorgeschichte, mit all den Verletzungsproblemen, die ihn behindert haben, bei der schwierigen Vorbereitung war das okay“, lobte er den couragierten Auftritt, der mit Platz eins belohnt wurde, „Manuel kann sicher ‘ne Ecke schneller laufen.“ Aufgeschoben sei nicht aufgehoben, fügte Schulze grinsend hinzu, „ich schätz’ mal, dass er im Herbst noch einen Marathon laufen wird.“

Christian Althues, der im Vorfeld die beiden Top-Favoriten, Manuel Meyer und Ralf Gottheil, Marathon-Zweiter in 2:42:14 Stunden, mit einer urigen Käse-Wette angestachelt hatte, steht nun in der Bringschuld. „Manuel kriegt einen echten Gouda, einen 18-Kilo-Laib aus Nordholland.“ Meyer wollte es genau wissen: „Jung oder mittelalt?“ Althues lachte. „Soll deine Frau entscheiden“, erwiderte er, „wenn sie möchte, können wir ihn auch noch bis nächstes Jahr reifen lassen.“ Meyer überlegte kurz und schüttelte sein Haupt. „Nee, nee! Muss nicht sein. Her damit!“ Er dachte sich wohl: Was ich hab’, das hab’ ich . . .

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