Coesfeld
Neues Museum: "Das Kind ist geboren"

Mittwoch, 25.01.2012, 00:00 Uhr

Coesfeld. Der Geschichte nachgehen von Hugo Oppenheimer, dem jüdischen Coesfelder Unternehmer. Oder der von dem Jungen Karlheinz Freund, der zusammen mit 18 weiteren Juden auf dem berühmten Foto zu sehen ist - vor der Deportation im Schlosspark. Ab Sonntag (29.1.) ist dies im Stadtmuseum "Das Tor" möglich, das jetzt in seinem ersten Abschnitt mit der Abteilung "Jüdisches Leben und Nationalsozialismus" fertiggestellt ist. "Das Kind ist geboren", freute sich Fachbereichsleiterin Dr. Mechtilde Boland-Theißen gestern im Pressegespräch über das Museum, das bislang 217 000 Euro kostete.

Nähern kann man sich dem Thema Nationalsozialismus in dem umgebauten ehemaligen Heimatmuseum im Walkenbrückentor auf verschiedenen Ebenen. Ein Rundgang ohne vertiefende Beschäftigung ist ebenso möglich wie eine Aufarbeitung einzelner Themen - das Museum macht interaktiv, modern und zeitgemäß Angebote. In Schubladen, hinter Schranktüren und über multimediale Elemente findet der Besucher weitere Dokumente, Geschichten und Lebensgeschichten. Nicht immer auf dem ersten Blick ersichtlich, "man muss schon mal die Hand ausstrecken und etwas neben oder vor sich aktivieren", erklärt Georg Veit, Leiter der Projektgruppe.

Das Museum arbeitet nicht nur das Leben von Juden in Coesfeld während des Nationalsozialismus auf, sondern spannt den Bogen noch weiter. So gibt es Verweise auf die benachbarten Niederlande.

Ziel sei es, mit dem Museum einen Ort der Identiät zu bieten, sagt Veit. Jeder sei eingeladen, auch in Zukunft mitzuwirken. In den anderen Räumen sollen künftig weitere Bereiche der Stadtgeschichte aufgearbeitet werden.

"Wir wollen deutlich machen, dass wir uns mit Nationalsozialismus und städtischer Geschichte auseinander setzen", betonte Bürgermeister Heinz Öhmann. "Auch, um ein Zeichen gegen Rechtsextremismus und -terror in heutiger Zeit zu setzen." Die Arbeitsgruppe aus etlichen ehrenamtlichen Laien und Experten und unter Mitwirkung des Heimatvereins habe "Phantastisches" geleistet.

Etliche Ideen seien gesammelt worden, Material archiviert, an Konzepten gearbeitet worden, sagt Dr. Heike Niecoj vom beteiligten Büro Kessler. Seit wenigen Tagen stehe nun endlich alles.

Glückwünsche gab es von der NRW-Stiftung und dem Landschaftsverband Westfalen-Lippe sowie der Sparkassen-Stiftung, die maßgeblich an der Finanzierung beteiligt waren. "Uns hat es gefallen, wie das Thema hier aufgearbeitet werden soll", so Dr. Helmut Knirim vom LWL.

Eröffnet wird auch das "Forscherlabor", in dem sich Schulen, Nachbarschaften und sonstige Gruppen auf Spurensuche begeben können.

Besucht werden kann das Museum samstags und sonntags und nach Vereinbarung. Der Eintritt ist frei. Um eine Spende wird allerdings gebeten. "Wir benötigen jeden Cent", unterstreicht Boland-Theißen. Denn gesichert ist die Finanzierung für den weiteren Ausbau des Museums nicht. Der LWL gibt zwar generell die Zusage für eine Mitfinanzierung. Aber das weitere Konzept muss überzeugen. Die Arbeit daran steht als nächstes an.

7 Öffnungszeiten ab 29..1. samstags und sonntags 14 bis 17 Uhr. | Kommentar

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