Bischof Dr. Felix Genn feiert mit Hunderten an der Kleinen Kapelle / 700-jähriges Jubiläum der Ersterwähnung
„Nicht nur das eigene Kreuz tragen“

Coesfeld. Das Kreuz muss wirklich schwer sein. Leo Geisler keucht unter seiner Last. Und das, obwohl insgesamt zehn junge Menschen mit anpacken. Warum er beim Tragen hilft? „Ich werde gefirmt“, sagt er. Mehr bekommt er kaum heraus, denn schon diese kurze Antwort bringt ihn beinahe aus dem Lauf-Takt.

Sonntag, 16.09.2012, 18:48 Uhr

Hunderte sind gestern zur Festmesse der Großen Kreuztracht gekommen, um das 700-jährige Jubiläum der Ersterwähnung des Coesfelder Kreuzes zu feiern. Einige weniger, aber immer noch mehrere Hundert, schlossen sich anschließend der Prozession zur Lamberti-Kirche an. Das Kreuz wurde dabei hauptsächlich von den Firmanwärtern getragen.

„Was tun wir eigentlich, wenn wir hinter dem Kreuz herlaufen“, fragte Bischof Dr. Felix Genn, der die Festmesse an der Kleinen Kapelle hielt. „Da wird jemand an ein Kreuz genagelt, das ist nicht schön.“ Drei Aspekte begründeten diese Tradition, führte er in seine Predigt aus. „Wir können nicht für einen Gekreuzigten schwärmen, aber ihn ehren. Für die erste große Liebe schwärmt man“, so Genn weiter. Verehrung habe mit großem Respekt vor den Leistungen einer Person zu tun.

Die 700-jährige Tradition der Kreuzverehrung in Coesfeld habe aber auch einen sozialen Aspekt: „Christen tragen nicht nur das eigene Kreuz, sondern helfen auch anderen dabei, ihr Leidenskreuz zu ertragen“. Wünschelrutengänger, die verstecktes Leid aufspüren. Drittens: „Das Christentum hasst nicht. Man kann nicht zum Schwert greifen, wenn das religiöse Gefühl verletzt wird“, griff er die derzeitigen Unruhen aufgrund des anti-islamischen Films auf. Das Kreuz sei auch ein Zeichen dafür, dass Menschen sich mit Worten und nicht mit Waffen erheben sollen.

„Es ist wunderbar, dass die Menschen die Tradition des Coesfelder Kreuzes seit 700 Jahren pflegen“, sagte Bischof Genn im Anschluss an die Messe. Und vor allem, dass sowohl Jung wie auch Alt daran teilnehmen.

Als sich der Prozessionszug in Richtung Lamberti-Kirche aufmacht, reiht sich auch Petra Küpers in die Reihe der Gläubigen ein. Seit rund 20 Jahren laufen sie und ihr Familienkreis mit. „In diesem Jahr für ein Mitglied, das im Krankenhaus lieg“, sagt sie. „Ich glaube fest daran, dass das hilft.“

Bei der Großen Kreuztracht wird der Glaube in einer großen Gemeinschaft gelebt, sagt Werner Brinkbäumer. Auch er läuft, wenn es die Gesundheit zulässt, regelmäßig mit. „Des Glaubens wegen.“ Im Gedenken an verstorbene Verwandte und Freunde.

7 Wer sich für die Geschichte des Kreuzes interessiert, findet viele Informationen in dem Buch „Das Coesfelder Kreuz. 1200 Jahre Kreuzverehrung in Coesfeld“ von Pater Daniel Hörnemann. ISBN: 3933144299; 12 Euro; Dialogverlag. Auch Teile des Vortrags von Stadtarchivar Norbert Damberg basierten darauf.

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