Dieter Drüner – am 10. Oktober 1940 geboren – hat Gedicht zum Angriff der Alliierten 1943 verfasst
Bombenhagel zum 3. Geburtstag

Coesfeld. Dieter Drüner vergisst den Tag nie: den 10. Oktober 1943. Das ist nicht nur sein dritter Geburtstag, sondern ein Tag, an dem die welt in Coesfeld schlagartig nicht mehr so war wie zuvor. Heute ist der Bombenangriff auf Coesfeld genau 70 Jahre her, aber Dieter Drüner hört die Bomben immer noch. „Obwohl ich damals erst drei Jahre alt gewesen bin, habe ich noch Erinnerung an diesen Tag, der alles veränderte“, berichtet Dieter Drüner. Der damals Dreijährige verstand natürlich nicht genau, was da vor sich ging. Aber er spürte, dass das grausame Erlebnis seiner Familie den Boden unter den Füßen wegzog. Über die Katastrophe hat er vor einigen Jahren das Gedicht „Die friedliche Stadt“ geschrieben.

Donnerstag, 10.10.2013, 13:11 Uhr

Die friedliche Stadt

(von Dieter Drüner)

Friedlich liegt die kleine Stadt
in der Schuld, als ob sie Unschuld hat.
Nagte doch an der Idylle
Spott und Hohn in großer Fülle.
Die braunen Uniformen
bestimmten bald die Normen,
umjubelten das Ideal,
das unmenschlich und sehr brutal.
Vertrieb Menschen von der Häuser Schwellen
und erstickte die Gedankenquellen,
nahm Besitz von Freiheit und Recht
und betrieb ein Unrechtsgeflecht.
Friedlich liegt die kleine Stadt, kann sich nicht wehren,
beherbergt Bürger, die noch in Ehren
Schandtaten begingen in Volkes Namen
und viele Ehrungen dafür bekamen.
Friedlich liegt die kleine Stadt, doch am Horizont
erscheint dunkel die Gewitterfront.
Sie wird vorüber zieh´n, denkt diese Stadt,
weil sie Gottvertrauen hat.
Friedlich liegt die kleine Stadt, und man hört die Söhne
in tosendem Gewitter bald schreien, und ihr Gestöhne.
Und schon wird man melden:
Wir haben tapfere Helden!
Friedlich liegt die kleine Stadt, doch die Beschaulichkeit
flieht schnell und ist bald weit.
Die Gewitterwolken sind nicht gebannt,
sie ziehen weiter übers Vaterland.
Friedlich liegt die kleine Stadt, da fliegen tausend Ungeheuer
und spucken Dynamit und Feuer.
Es bersten Wände, es brennt die Welt.
Es schreien Menschen, wer hat den Tod bestellt?
Wirr vor Angst und Schmerz
schaut man himmelwärts.
Und weiter speien Ungeheuer
vielfach Tod und vielfach Feuer.
Da liegt die kleine Stadt, von Trümmern übersät.
Die Ungeheuer haben Gut und Böse abgemäht.
Noch konnten sie nicht verhindern,
das Gedankengut zu mindern.
Da sieht man in der kleinen Stadt Trümmer, Balken, Schutt,
alles ist zerbrochen und kaputt.
Man jetzt erkennt, was der Wahn
hat den Anderen angetan.
Apathisch und voll dumpfem Schmerz
bricht der Glaube, bricht das Herz.
Wo ist mein Haus, wo ist mein Brot?
Erschütternd ist die tausendfache Not.
Alles nahm der Wahnsinn mit ins Grab,
auch die Menschenwürde starb,
die immer feierlich hervorgehoben,
doch die Regeln sind nur verschoben.
Erschreckend und viel hundert Mal
liegen Leiber überall.
Gequält, zerfetzt mit starker Hand,
als hätt‘ der Teufel sie verbrannt.
Tränen, Angst und Schrecken,
die Erinnerungen wecken.
Blut fließt in Strömen.
Wer wird die Opfer je versöhnen?
Es schreit das Leid, es ruft die Qual,
unbekannt ist die Totenzahl.
Wo ist der Gott, der unbeseh‘n
lässt Gomorrha auferstehen?
Was haben all die Städte nur verbrochen,
in denen man Brand und Tod gerochen?
Verdammt seien diese Ideologen.
sie haben Mensch und Volk betrogen!
Wenn Geld und Macht
ein Inferno entfacht,
geht zu jeder Stunde
die Menschlichkeit zu Grunde.

Ausführlicher Bericht in unserer Printausgabe am Donnerstag

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