Handwerk fördern: FDP diskutiert beim Liberalen Aschermittwoch mit rund 35 Gästen
„Rückgrat der Marktwirtschaft“

Coesfeld. Die Sorge, geeignete Fachkräfte zu finden, komplizierte, bürokratische Auflagen und Überregulierungen: viele Handwerksbetriebe im Kreis Coesfeld stehen in den nächsten Jahren vor Problemen, allein schon vor dem Hintergrund des demografischen Wandels. „Die mittelständische Wirtschaftsstruktur muss gestärkt werden“ – fordert die FDP, die das Thema bei ihrem Liberalen Aschermittwoch in der Kreishandwerkerschaft in den Mittelpunkt stellte.

Freitag, 12.02.2016, 09:41 Uhr

Handwerk fördern: FDP diskutiert beim Liberalen Aschermittwoch mit rund 35 Gästen : „Rückgrat der Marktwirtschaft“
Die Interessen von Handwerksbetrieben diskutierte die FDP beim Liberalen Aschermittwoch mit rund 35 Gästen. Foto: Viola ter Horst

Rund 35 Gäste sind nach Coesfeld gekommen, um mit den Landtagsmitgliedern Henning Höne (Coesfeld, außerdem FDP-Kreis-Vorsitzender) und Ralph Bombis zu diskutieren, letzterer Vorsitzender der Enquete-Kommission „Zukunft Handwerk und Mittelstand in NRW“.

„Bereits im sechsten Jahr in Folge hinkt NRW dem Bundesdurchschnitt bei allen wichtigen wirtschaftlichen Rahmendaten hinterher“, sagte Bombis. „Das macht uns große Sorge“ und sei Grund gewesen, die Kommission ins Leben zu rufen. Bildung, Digitalisierung und Wettbewerbsfähigkeit, unter diesen drei Überschriften sollen verschiedene Themen, die Mittelstand und Handwerk tangieren, mit Experten und Betroffenen erarbeitet werden.

„Wir wollen die kleinen und mittleren Betriebe als Rückgrat unserer sozialen Marktwirtschaft und das Handwerk als Wirtschaftsmacht von nebenan langfristig sichern und erhalten“, betonte Bombis.

Alles „etwas einfacher machen“, sei ein Ziel der FDP, sagte Höne. „Wir setzen unsere Prioritäten auf Handwerk und Mittelstand, weil dort viele Betroffene sind.“ Diese Struktur zu fördern, bedeute, den ländlichen Raum zu stärken. Das Erfolgsmodell Mittelstand stehe vor großen Herausforderungen – diese sollen auf Antrag der FDP in der Enquete-Kommission im Landtag beleuchtet werden.

Dr. Michael Oelck, Hauptgeschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Coesfelder, sagte, dass zu 90 Prozent nichtakademische Fachkräfte fehlten. „Wenn wir das Problem nicht in den Griff kriegen, dann wird ein massiver Strukturwandel in dieser Region stattfinden“, warnte er. Das Handwerk müsse viel mehr gefördert werden, „ansonsten werden wir die Ergebnisse in zehn Jahren feststellen“. Es sei Irrsinn, dass es so viele Studienabbrecher gebe, „nur um am Ende des Tages festzustellen, dass etwas Anderes besser gewesen wäre“. Dabei könne im Handwerk sehr viel Geld verdient werden, insbesondere in der Zukunft.

Bombis stimmte zu: „Wir müssen es unbedingt wieder aus den Köpfen heraus bekommen, dass der akademische Weg der einzig glücklichmachende ist.“ Beides, Studium und Ausbildung, müssten gleichwertig nebeneinander stehen.

„Wir bekommen nicht mehr die Bewerbungen hinein wie noch vor sieben, acht Jahren“, bestätigte Kreishandwerksmeister Norbert Hoffmann. Kritisch fand er auch die neuen Drei-Tages-Praktika. „Die bringen im Handwerk nicht sehr viel.“

Ein Zuhörer regte Talent-scouts für den Handwerks-Bereich an. Zudem sollte auch an Gymnasien den Schülern stärker die Möglichkeit einer Ausbildung vermittelt werden statt eines Studiums. Eine Lehrerin appellierte an die Unternehmen, Hauptschülern mehr Chancen zu geben. „Es gibt Betriebe, die keine Hauptschüler nehmen, dabei haben gerade sie oft sehr gute praktische Fähigkeiten.“

Als ein weiteres Problem führte Oelck die zunehmenden „Überregulierungen“ an: „Es gibt Konzepte, ökologisch hochwertig zu bauen, ohne dass es so viel kosten muss“, führte er als Beispiel an. Damit bleibe Wohnraum bezahlbar, und zwar auch künftig. Dies sei aber nicht möglich, wenn noch mehr Vorschriften erfüllt werden müssten als die ohnehin schon sehr hohen. „Man kann alles so kompliziert machen, dass am Ende ein Selbstständiger keine Lust mehr hat.“

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