Interkulturelle Begegnungsprojekte bauen eine Camera obscura / Gestern Premiere in Sirksfeld
Dunkelkammer lehrt Geduld

Coesfeld. „Da! Jetzt kann man etwas sehen.“ Karl-Heinz Sommer zeigt auf einen Schatten, der sich auf der Tischplatte abzeichnet. Nach und nach wird das Bild schärfer. Der Schatten wird zum Waldrand, zum Kornfeld mit deutlich erkennbaren Trecker-Spuren, zum Windrad, das sich kräftig dreht. Es funktioniert. Die Camera obscura projiziert den Außenraum. Und das Publikum schaut und erkennt ebenso fasziniert wie es die Menschen seit der Antike getan haben – so lange schon gibt es Camerae obscurae.

Samstag, 29.07.2017, 10:04 Uhr

Interkulturelle Begegnungsprojekte bauen eine Camera obscura / Gestern Premiere in Sirksfeld : Dunkelkammer lehrt Geduld
Stellten die Camera obscura (im Hintergrund) vor: (v.l.) IBP-Werkstattleiter Karl-Heinz Sommer, Thomas und Maria Bücking von der Bückingschen Jugendstiftung und IPB-Geschäftsführer Martin Althoff. Foto: ct

Die Camera obscura, die gestern an der Sirksfelder Schule ihre Premiere erlebt, ist ein Modell, das der Verein Interkulturelle Begegnungsprojekte (IPB) unter Regie von Werkstattleiter Karl-Heinz Sommer auf Anregung der Initiative Berkelspaziergang Billerbeck und mit finanzieller Unterstützung der Bückingschen Jugendstiftung (1160 Euro) realisiert hat. „Wir haben diese Anregung gerne aufgenommen, weil durch die Camera obscura das Miteinander und der Dialog gefördert werden“, sagt IBP-Geschäftsführer Martin Althoff, der bereits die Idee hat, die dunkle Kammer, so die wörtliche Übersetzung, entlang der Berkel von Billerbeck bis Zutphen einzusetzen und so auch den internationalen Austausch zu fördern.

Die Umsetzung der Idee brauchte von der Planung bis zum Bau etwa sechs Monate. „Das war für mich Neuland“, sagt Sommer, der mit seinen Kollegen aus anderen Werkbereichen Pläne schmiedete, die schließlich mit den Klienten der IBP umgesetzt wurden. Das Ergebnis ist ein drei mal drei Quadratmeter großer, geschlossener, dunkler Raum. In der Decke des Raumes befindet sich ein winziges Loch von drei Millimeter Durchmesser, welches das Licht, das von einem Außenspiegel eingefangen wird, auf die Projektionsfläche, in diesem Fall eine schlichte Tischplatte, wirft. „Als wir die Camera zum ersten Mal ausprobiert haben, dachten wir, sie funktioniert nicht, weil kein Bild erschien. Bis wir lernten, dass es einige Minuten dauert, ehe etwas zu sehen ist“, erzählt Sommer und lacht. Genau so ist es auch gestern Nachmittag. „Man sieht, dass man nichts sieht. Das ist wohl der Vorführeffekt“, sagt Thomas Bücking, nach wenigen Minuten. Aber dann sieht er doch etwas und bestaunt, das kleine schwarze Windrad, dessen großes Vorbild er tagein, tagaus vor Augen hat und dem er gerade deshalb wohl nie besondere Beachtung schenkt. Und so lehrt die Camera obscura nicht nur eine Menge über Optik, sondern auch Geduld und Vertrautes neu wahrzunehmen.

0 Der IBP verleiht die Camera obscura. Interessierte können sich an Disoco, Karl-Heinz Sommer, Tel. 02541/847022, wenden.

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