Tschernobyl-Hilfe: Zwei weißrussische Jungen genießen zwei Wochenenden bei Familie Korth in Stevede
„Kleine Brückenbauer“ knattern los

Coesfeld. Was ihnen besonders gut gefällt bei Familie Korth? „Rasenmähen!“ kommt die Antwort bei Maxim (12) wie aus der Pistole geschossen. Und Anton (11) nickt zustimmend. Rasenmähen? Schnell laufen die beiden Jungen aus Weißrussland, die zurzeit auf Einladung der „Kinderhilfe Tschernobyl“ einen Erholungsaufenthalt in Coesfeld genießen, zur Geräte-Scheune des Bauernhofs in Stevede. Der Kleinere schiebt das große grüne Tor auf. Beide verschwinden kurz im Inneren und kommen dann im wahrsten Sinne des Wortes herausgeknattert – auf dem Doppel-Sitz des hofeigenen Aufsitzrasenmähers. Gemeinsam düsen sie über die Korthschen Rasenflächen hinweg. Ein Riesenvergnügen muss das sein – das ist an ihren leuchtenden Augen deutlich abzulesen.

Sonntag, 30.07.2017, 21:09 Uhr

Tschernobyl-Hilfe: Zwei weißrussische Jungen genießen zwei Wochenenden bei Familie Korth in Stevede : „Kleine Brückenbauer“ knattern los
Der Aufsitzrasenmäher hat es Maxim und Anton angetan. Wilhelm Korth (l.) , seine Tochter Katharina und Ehefrau Evija freuen sich mit Thomas Bücking darüber, dass es den weißrussischen Kindern in Stevede gefällt. Schon zum zweiten Mal sind sie dort zu Gast. Foto: Detlef Scherle

Wilhelm und Evija Korth sind mit ihren drei (fast) erwachsenen Kindern Katharina, Maximilian und Evelyn für zwei Wochenenden Gastfamilie für Maxim und Anton. Eigentlich sind die mit ihrer 41-köpfigen Gruppe (34 Kinder und sieben weißrussische Begleiter) in der Sirksfelder Schule untergebracht – „aber zwischendurch sollen sie das normale Leben in einer deutschen Familie kennenlernen“, erklärt Thomas Bücking von der „Kinderhilfe Tschernobyl“. Das gehört zum Konzept der Freizeit dazu, auch wenn es immer schwerer fällt, Gasteltern dafür zu gewinnen, wie er beklagt.

Maxim und Anton bereichern – nach 2016 – schon zum zweiten Mal das Leben bei den Korths. Besonders deren Sohn Alexander hat es den beiden Buben angetan. Der ist 19 Jahre alt. „Mit ihm verstehen sie sich wunderbar – wie mit einem großen Bruder“, erzählt (Gast-)Mutter Evija. Am Samstag hatte er sie zum Angeln mitgenommen – ein kleines Abenteuer...

Am Sonntag tollen die Teenager, die nur wenige Brocken Deutsch können, auf dem Hofgelände herum. Ganz selbstverständlich. Familienanschluss ist es denn auch, was die „Kinderhilfe Tschernobyl“ ihnen mit diesen Wochenenden bieten will. Denn nur so können sie wirklich lernen, wie Deutschland „tickt“. Und nur so können sie „kleine Brückenbauer“ werden, wie es sich die Initiative wünscht. „Nur so kann Völkerverständigung gelingen“, unterstreicht Bücking.

Wie läuft der Kontakt, wenn bis auf die Mutter, die aus Lettland stammt, keiner Russisch spricht bei den Korths – und bei den meisten anderen Gastfamilien sowieso nicht? Mit Händen und Füßen geht’s, Mimik, bisweilen auch mit einem Übersetzungsprogramm auf dem Smartphone. „Möchtest Du noch ein Glas Orangensaft?“ Evija zeigt auf die Karaffe. Anton schüttelt mit dem Kopf. Alles klar! Auch bei gemeinsamen Unternehmungen läuft das so. Im Zoo waren sie schon. Und auch im Schwimmbad. Zu viel Programm, erklärt Bücking, soll es gar nicht sein. „Die Kinder sollen erfahren, dass es auch bei uns Grenzen gibt.“ Potenzielle Gasteltern müssten keine Voraussetzungen mitbringen – auch keine wirtschaftlichen. „Nur ein offenes Herz für Kinder müssen sie haben“, erläutert er, während die Jungen über den Rasen brettern. Und wenn es an den Wochenenden doch mal Probleme geben sollte? Dann hilft der Verein. „Unsere Dolmetscher stehen bereit“, so Bücking.

Zum Abschied erzählt Anton, was er seiner Mutter aus Coesfeld mitbringt. Ein Paket Waschpulver – und für die kleine sieben Monate alte Schwester eine Spieluhr. 15 Euro Taschengeld haben sie für die vier Wochen bekommen. Davon hat er das gekauft. Auch den Korths hatte er etwas mitgebracht – einen lustigen Käfer als Spardose (in Weißrussland ganz wichtig) und einen „Schutzgeist“ für die Bauernfamilie, die jetzt auch ein bisschen seine Familie ist.

7 Wer sich vorstellen kann, 2018 in den Ferien zwei weißrussische Kinder im Alter ab 7 Jahren für zwei Wochenenden bei sich aufzunehmen, kann sich unter 2 02541 / 801453 bei Hannelore Schulz melden.

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