Herstellung von individuellen Medikamenten bleibt Zuschussgeschäft / Gesetzliche Änderung in Kraft
Warum die Salbe plötzlich teurer ist

Coesfeld. Wenn sich Dr. Sabine Barrmeyer zur Herstellung eines individuellen Medikaments in das Labor der Laurentius-Apotheke zurückzieht, dann wartet eine aufwändige Prozedur auf die erfahrene Apothekerin. Peinlich genau müssen die einzelnen Wirkstoffe geprüft, gewogen und vermischt werden, jeder einzelne Schritt wird dabei streng protokollarisch festgehalten. Zum Abschluss steht schließlich die fertige Salbe oder das Medikament auf dem Prüfstand, wobei unter anderem der pH-Wert gemessen und die Größe der einzelnen Kristalle untersucht wird. „Je nachdem um welche Rezeptur es sich handelt, kann die Herstellung 15 Minuten, aber auch zwei bis drei Stunden dauern“, sagt Dr. Sabine Barrmeyer.

Sonntag, 06.08.2017, 10:34 Uhr

Herstellung von individuellen Medikamenten bleibt Zuschussgeschäft / Gesetzliche Änderung in Kraft : Warum die Salbe plötzlich teurer ist
Genaue Vorschriften: Dr. Sabine Barrmeyer misst die Wirkstoffe für eine Salbe ab und muss sich dabei haargenau an die Vorgaben halten. Die sehen auch vor, dass sie während der ganzen Prozedur Kittel, Handschuhe und Mundschutz zu tragen hat. Foto: Michael Oer

Eine zeitaufwändige Arbeit, die sich wirtschaftlich meist nicht rechnet. „Alleine bei der Betrachtung handwerklichen Tätigkeit liegt die Bezahlung häufig deutlich unter dem Mindestlohn“, sagt Dr. Stephan Barrmeyer, Inhaber der Laurentius-Apotheke in Coesfeld sowie der Gesundpunkt-Apotheke in Ahaus. Hinzu kämen außerdem die Kosten für die unterschiedlichen Geräte und Apparaturen, die zur Herstellung der Medikamente benötigt werden und die alle zwei Jahre wieder geeicht werden müssen.

Entsprechend setzt sich Dr. Stephan Barrmeyer als Kreisvertrauensapotheker in Coesfeld schon seit langer Zeit für eine angemessenere Abrechnung ein und freute sich im Mai endlich über einen ersten Erfolg. Nach dem Inkrafttreten einer Änderung des sogenannten Arzneimittel-Versorgungsstärkungsgesetzes dürfen die Apotheken seitdem einen Euro mehr pro Salbe abrechnen und neben den Kosten für die Ausgangsstoffe einer Rezeptur auch einen Festzuschlag von 8,35 Euro erheben. „Dafür haben wir lange kämpfen müssen, aus wirtschaftlicher Sicht reicht aber auch das noch nicht aus“, so die Einschätzung von Dr. Barrmeyer.

Dennoch wird er weiterhin eigene Medikamente herstellen müssen, denn er ist wie alle Apotheker in Deutschland per Gesetz dazu verpflichtet. Zudem weiß er um die Bedeutung dieser Arbeit. „Gerade für Kinder sind viele Medikamente nicht fertig vorhanden. Da müssen wir dann die Medikamente von Erwachsenen herunter dosieren.“ Und auch für alle anderen Altersgruppen seien immer mal wieder individuelle Wirkstoffe wichtig.

Darin sieht Dr. Barrmeyer letztlich aber auch einen entscheidenden Vorteil gegenüber der Konkurrenz der Online-Apotheken: „Die müssen diesen unwirtschaftlichen Teil nicht übernehmen, werden somit aber auch nie die Apotheken vor Ort ersetzen können.“

Und seine Frau Dr. Sabine Barrmeyer hat trotzdem auch Freude an der Herstellung: „Es macht Spaß, weil es eine handwerkliche Arbeit ist.“

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