13 neue Mitglieder dazu gewonnen / Skepsis gegenüber der GroKo
Verjüngungskur für die SPD

Coesfeld (hlm). „Ja, wir haben 2017 zwei Wahlen verloren“, gibt mit Enttäuschung Hermann-Josef Vogt, Frontmann der Coesfelder Sozialdemokraten zu. „Aber wir haben auch 13 neue Mitglieder für unseren Ortsverein dazu gewonnen“, lässt er die Stimmung bei den Mitgliedern in der Jahreshauptversammlung im Hotelrestaurant Haselhoff wieder anheben.

Freitag, 02.02.2018, 06:50 Uhr

13 neue Mitglieder dazu gewonnen / Skepsis gegenüber der GroKo: Verjüngungskur für die SPD
Verjüngungskur für die SPD: Thomas Kutschaty und Hermann-Josef Vogt (beide Bildmitte) und Ulrich Hampel (2. r.) heißen die neuen Mitglieder in der SPD willkommen. Die frischen Jusos Felix Seggebäing (4. l.) und Max Kerkhoff (1. r.) wurden als Jugendvertretung der SPD Coesfeld gewählt. Foto hlm Foto: az

Besonders der große Anteil an Ü-2000-Geburtsjahren verpasst dem Ortsverein, mit jetzt aktuell 95 Mitgliedern, eine Verjüngungskur. Sie macht auch keinen großen Hehl daraus und bezieht schnell Stellung gegen die Große Koalition (GroKo). Ganz alleine stehen sie nicht. Die Waagschale liegt mehr auf der Gegnerseite als auf der Seite der Befürworter. Neumitglied Markus Böker plädiert offen: „Wir müssen uns den Linken hin öffnen.“ Kopfnicken beim ältesten Neuzutritt in die SPD, Udo Schlüter (86 Jahre). Einige andere zucken die Augenbrauen hoch. In der 155 Jahre alten Partei knistert es. Aufbruchsstimmung durchzieht die Ortsvereine im Land oder wie es der stellvertretende Vorsitzende der Landtagsfraktion, Thomas Kutschaty, als Gastredner beschreibt: „Sternstunden für die innerparteiliche Diskussion.“ Er wünscht am Ende des Entwicklungsprozesses eine Konsensbildung ohne Feindseligkeit. Eine klare Kante täte der alten Arbeiterpartei gut. Da meldet sich fix ein 16-jähriges Neumitglied zu Wort. Sie sei nicht von den Wahlplakaten überzeugt worden. Sondern erst bei dem Fernsehduell von Schulz gegen Merkel waren für sie die Positionen der SPD deutlich sichtbar.

Die treue Stammwählerschaft der SPD liegt bei neun Prozent. Zu wenig, um damit Wahlen zu gewinnen. „Die dürfen wir aber nicht verlieren“, wirft der ehemaliger Bundestagsabgeordneter Ulrich Hampel aus der Zuhörerreihe ein. Die SPD muss sich anderen Zielgruppen zuwenden. Der Essener Kutschaty: „Zeche - Gewerkschaft - Partei; diese Zeit ist vorbei.“ Es braucht Reibungspunkte zur CDU. Keinen Kuschelkurs, um sich klar zu positionieren. Bei der GroKo-Verhandlung geht es SPD-Mitgliedern ums Wiederfinden der Parteiwerte. Große Koalition ja – aber nicht dabei verbiegen. „Wir dürfen nicht Mehrheitsbeschaffer für andere sein“, meint der Ruhrgebietler. Neuwahlen? Davor habe er keine Angst. Die gäbe es ohnehin in 3,5 Jahren.

Ralf Nielsen (Fraktionsvorsitzender der SPD Coesfeld) hält es nicht auf dem Stuhl. Er kritisiert den schlechten Verkauf der SPD-Werte bei der Wählerschaft. Sein Resümee: „Die SPD braucht mehr Biss.“

Im Vorstand des Ortsvereins übernimmt André Kretschmar einstimmig den Posten als stellvertretenden Ortsvereinsvorsitzenden. Vorgänger Maik Schmidt stand aus gesundheitlichen Gründen für das Amt nicht mehr zur Verfügung. Die Versammlung wählte mit großer Mehrheit die frischen Parteimitglieder Max Kerkhoff und Felix Seggebäing als Jugendvertreter.

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