Zu viele Hürden, finanziell nicht darstellbar:                                                     Investor EcoPlan und IBP werfen das Handtuch                                                                              
Bahnhofsprojekt  gestorben

Coesfeld. Was aus dem Bahnhofsgebäude wird, steht – wieder einmal – in den Sternen. Die Investoren und Beteiligten, die inzwischen seit zweieinhalb Jahren an der Neugestaltung arbeiten, haben jetzt definitiv das Handtuch geworfen.

Freitag, 02.02.2018, 10:52 Uhr

Zu viele Hürden, finanziell nicht darstellbar:                                                     Investor EcoPlan und IBP werfen das Handtuch...
Aus der Erneuerung des Bahnhofsgebäudes wird vorerst mal wieder nichts. Die Idee, Wohngebäude und Sozialprojekte zu integrieren, lässt sich für die Beteiligten nicht realisieren. Foto: Viola ter Horst

„Wir machen einen Rückzieher, weil das vorgesehene Konzept nicht mehr realisiert werden kann“, erklärte Manfred Höne, Geschäftsführer vom Coesfelder Unternehmen Ecoplan, in einem Gespräch mit der AZ.

Zusammen mit dem Architekten Bodem und dem Verein IBP (Interkulturelle Begegnungsprojekte e.V.) sollte das vielversprechende Projekt aufgezogen werden – das zugleich als ein Sozialprojekt mit Modellcharakter konzipiert war. Denn neben der Bahnhofs-Empfangshalle, der Radstation und Büros sollte – als drittes Gebäude – ein Wohnheim mit 24 Plätzen entstehen, in dem vom IBP betreute Personen leben und in Aufgaben für das neue Bahnhofsumfeld eingebunden werden sollten. Menschen also, die sich in Notlagen befinden, vielleicht suchtkrank sind oder von Wohnungslosigkeit betroffen. Bis zuletzt gab es Überlegungen, wie das Projekt doch noch umgesetzt werden könnte. „Nun ziehen wir die Reißleine“, so Martin Althoff, Geschäftsführer bei IBP. Seine Kollegin Andrea Schmäing: „Es sind viele Schrauben, die dazu geführt haben.“ Letztlich sei das Projekt finanziell nicht darstellbar gewesen, sagt Althoff. Unterm Strich hätten 1,5 Millionen Euro Refinanzierung gefehlt. „Das ist für uns als gemeinnütziger Verein nicht zu stemmen.“

Und nur ein neues Empfangsgebäude, das in dem mittleren Bereich des jetzigen Gebäudes vorgesehen war? Höne schüttelt mit dem Kopf. „Nein, das IBP-Projekt würde als entscheidender Baustein wegfallen.“ Und schließlich sei es ja auch immer um das Konzept insgesamt gegangen, das umgesetzt werden sollte. Die Bahnflächenentwicklungsgesellschaft (BEG) NRW als Eigentümerin rief damals in Zusammenarbeit mit der Stadt zu einem Wettbewerb für das Bahnhofsgebäude und Umfeld aus – den Ecoplan /Bodem mit dem IBP-Vorhaben im Sommer 2015 gewannen. Mit den drei Gebäuden und Serviceangeboten für Reisende und Bürger sollte der Bahnhofsvorplatz belebt werden.

Auf viele offene Ohren seien die Pläne mit den sozialen Komponenten gestoßen, das betont auch der städtische Beigeordnete Thomas Backes. „Das Konzept war nicht das Problem“, sagt er. Aber immer mehr Hürden kamen zusammen. Allein die Auflagen in einem neuen Landesgesetz für Wohn-Standards seien so hoch gesetzt worden, berichtet Schmäing, dass diese zu einer enormen Kostenexplosion geführt hätten. So hätten in einer 24-Betten-Wohnanlage 30 Sanitäranlagen und außerdem Grünflächen vorgehalten werden müssen.

„Es ist wirklich schade, denn wir haben uns sehr auf dieses sozialwirtschaftliche Projekt gefreut“, betont Althoff. Es hätte auch den Umzug von der Pfauengasse zum Bahnhof bedeutet. Alle erdenklichen Hebel seien in Gang gesetzt worden und das Vorhaben habe viel Zustimmung bekommen. „Es ist bitter für uns alle“, betont Schmäing.

Schluss sei auch mit den Reinigungsarbeiten, die IBP im Bahnhofsgebäude seit Jahren tätigte. „Auch hier haben wir die Reißleine gezogen“, sagt Althoff.

Wie geht es mit der unendlichen Geschichte Bahnhof weiter? Denn schon 2006 hatte es Umgestaltungspläne mit dem Verein IBP gegeben, die sich – damals aus anderen Gründen – zerschlugen.

Thomas Lennertz, Geschäftsführer der Bahnflächenentwicklungsgesellschaft (BEG) NRW sagt auf Nachfrage, dass nun zunächst der Zweitplatzierte des Wettbewerbs von 2015 die Möglichkeit erhalte, zum Zuge zu kommen. Dies war seinerzeit H+T-Konzeptbau mit Evers Architekten. Eine Entscheidung steht noch an.

- Kommentar dazu in der AZ-Printausgabe am Freitag, 2.2.

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