Experte Jan-Niclas Gesenhues zu Gast bei den Grünen / Alter Vorstand bleibt fast neuer Vorstand
„Afrikas Krisen sind auch unsere Krisen“

Coesfeld (hlm). Einstimmig bleibt Norbert Vogelpohl Ortsverbandssprecher der Grünen. Via WhatsApp nimmt er die Wahl an, da er an dem Abend nicht persönlich dabei sein kann. En bloc platzieren die zwölf stimmberechtigten Anwesenden Hans-Jürgen Braukmann, Eberhard Knost, Mareike Raack und Josef Flögel als Beisitzer und Christian Tiepold als Kassierer auf die Vorstandsstühle. „Ein sozialistisches Ergebnis“, kommentiert Wahlleiter Böker das einstimmige Ergebnis.

Donnerstag, 22.02.2018, 05:36 Uhr

Experte Jan-Niclas Gesenhues zu Gast bei den Grünen / Alter Vorstand bleibt fast neuer Vorstand: „Afrikas Krisen sind auch unsere Krisen“
Der Grünen-Vorstand mit (v.l.): Christian Tiepold (Kassierer, Wiederwahl), Josef Flögel (Beisitzer), Mareike Raack (Beisitzerin), Eberhard Knost (Beisitzer) und Hanz-Jürgen Braukmann (Beisitzer). Es fehlt Norbert Vogelpohl, der als Ortsverbandssprecher wiedergewählt wurde. Foto: hlm

Jan-Niclas Gesenhues stellt Wege zur Bekämpfung von Fluchtursachen in Afrika vor. „Wir haben eine stereotype Betrachtung von Afrika“, stellt der 28-jährige Volkswirt das gesellschaftliche Bild der Deutschen von Afrika vor. Dabei ist in dem Kontinent mit seinen 55 Ländern von Autokratie bis Demokratie alles vertreten. In Maputo, Hauptstadt von Mosambik, ist die Digitalisierung unserer weit voraus. „Selbst an den Marktständen ist die Bezahlung per Smartphone möglich“, nennt der Doktorand ein Beispiel für innovativ aufgestellte Strukturen. Doch in dem 1,1 Milliarden Einwohner zählenden Kontinent gibt es eine große soziale Schieflage. In seiner Dissertation beschäftigt sich der Volkswirt mit der dezentralen Versorgung mit erneuerbaren Energien, um damit in den zersplitterten Wohnsiedlungen Afrikas die Rahmenbedingungen für ein selbstständiges Agieren zu schaffen. Diese Bemühungen würden durch die undifferenzierte Entwicklungszusammenarbeit und eine Subventionierung deutscher Landwirtschaft konterkariert. Gesenhues sieht für die Bekämpfung von Fluchtursachen aus Afrika zwei Stellschrauben. Die Erste bei der Agrarpolitik, die mit jetzigem Prinzip Billigexporte landwirtschaftlicher Produkte aus Deutschland und der Europäischen Gemeinschaft zu einer Agrarzerstörung in Afrika führt. Die Zweite in einer neuen Handelspolitik, die die Wertschöpfungskette von Rohprodukten und die damit gekoppelte Wertsteigerung in Afrika belässt. Da nickt Dr. Felin Twagirashyaka. Der aus Ruanda kommende interkulturelle Promotor für „Eine Welt Netz NRW“ weiß aus eigener Erfahrung, dass vom Entwicklungsbudget vieles in der Bürokratie hängenbleibt. Der in Münster lebende Afrikaner will nicht das Gießkannenprinzip: „Das Geld muss an die richtigen Stellen kommen“. Sprecher der Grünen im Kreis Warendorf, Jan-Niclas Gesenhues, sagt zum Abschluss: „Afrikas Krisen sind auch unsere Krisen.“

Coesfelds Bewerbung für eine Zentrale Ausländerbehörde sieht nicht nur Walter Böcker bei den Grünen kritisch. Die Einrichtung entscheide schließlich über Abschiebungen. Und das sei wohl kaum das richtige Aushängeschild für Coesfeld.

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