Coesfeld
Auf den ersten Blick fesseln

Coesfeld. Marie-Luise Meinert schlägt ihre Mappe auf und fängt an zu blättern. 20 Arbeiten ganz unterschiedlicher Art, alle zu einem Thema: „Ein seltsamer Fund“. Die Idee: ein Handschuh – irgendwo an einer Bushaltestelle liegen geblieben. Die Bushaltestelle hat Marie-Luise Meinert gezeichnet, Menschen, die den Handschuh verloren haben könnten, Szenen, die den Handschuh in neuer Verwendung zeigen – ganz absurd als Hut für einen Schneemann und Hülle für einen Heißluftballon, ganz seriös als Handytasche oder Stifte-Etui –, eine Nähanleitung, wie sich der Handschuh in einen Teddy verwandeln lässt.

Sonntag, 04.03.2018, 13:10 Uhr

Coesfeld: Auf den ersten Blick fesseln
Zeichnen die Fische, die auf den Tellern liegen: (v.l. im Uhrzeigersinn) Benedikt Pölling, Helena Schenk, Kursleiterin Beate Höing, Thea Sieverding, Alexander Hecker, Marie-Luise Meinert, Jan Hunkemöller, Lennart Reckfort. Fotos: ude Foto: az

Wer sich, wie Marie-Luise Meinert mit einer Arbeitsmappe für ein künstlerisches oder kreatives Studium oder eine Berufsausbildung bewerben möchte, muss die Prüfer auf den ersten Blick fesseln und unterhalten. Das weiß Beate Höing, die beim Kunstverein Münsterland seit elf Jahren die Mappenkurse leitet. „Die Arbeiten sollten etwas Besonderes sein. Dabei geht es nicht um Perfektion, sondern darum, Ideen, Fantasie und einen persönlichen Stil erkennen zu lassen“, sagt sie.

Genau das entwickeln die Teilnehmer nach dem Erlernen grundlegender zeichnerischer Disziplinen nicht nur unter der Leitung von Beate Höing, sondern auch im Miteinander mit anderen Kursteilnehmern. Fast 100 junge Menschen aus der Region haben auf diese Weise die Aufnahme an eine Akademie oder Berufsfachschule geschafft. Angehende Künstler und Designer, Architekten und Lehrer, Kommunikationsdesigner und Bühnenbildner. Besonders freuen sich Beate Höing und die Vorsitzende des Kunstvereins, Jutta Meyer zu Riemsloh, über den Erfolg des Coesfelders Jan Hunkemöller, der seit kurzem an der renommierten Kunstakademie in Düsseldorf studiert. Er hat sich auch jenseits der Mappenkurse viele Jahre beim Kunstverein ausbilden lassen. „Ich schätze, ich hatte ungefähr 350 Arbeiten, aus denen ich meine Bewerbungsmappe zusammenstellen konnte“, schaut er zurück. Die Anforderungen an eine solche Mappe sind je nach Berufsziel unterschiedlich. „Man braucht auf jeden Fall eine große Auswahl an Arbeiten“, sagt Beate Höing. Spaß und Lust seien wichtige Voraussetzungen für die Teilnahme am Mappenkurs und die Bereitschaft zum Üben. „Natürlich ist Talent wichtig, aber auch ganz viel Training.“ Vielseitig sind die Aufgaben, die Höing den Teilnehmern stellt. Sie zeichnen Gegenstände ab, porträtieren sich gegenseitig oder selbst, arbeiten mit Tusche, Bleistift, Pastellkreide oder noch ganz anders.

Wer eine Arbeitsmappe braucht, sollte sich frühzeitig für den Kurs melden, der dienstags von 18 bis 19.30 Uhr stattfindet. Das hat Marie-Luise Meinert getan. Über drei Jahre ist sie dabei. Mit ihrer Mappe hat sie kürzlich einen Studienplatz für Grafik-Design an der Fachhochschule Münster erhalten. „Ohne den Kunstverein hätte ich das nicht geschafft“, weiß sie.

7 Kontakt: Tel. 88 07 11, info@kunstverein-muensterland.de.

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