Coesfeld
Parkgebühren bleiben Zankapfel

Coesfeld. Stadtmarketing und Stadt – dazwischen knistert’s schon mal in Coesfeld. Dauer-Zankapfel ist das Parken in der Innenstadt, wie es auch gestern Abend bei einer Diskussionsveranstaltung des „Netzwerks Innenstadt“, einem Verbund von 95 Kommunen in NRW, im Hotel-Restaurant Haselhoff deutlich wurde. Es ging darum, wie die Innenstädte von Mittelzentren wie Coesfeld in durch Internethandel und Outlets immer schwieriger werdenden Zeiten gestärkt werden können.

Dienstag, 30.10.2018, 10:16 Uhr
Veröffentlicht: Montag, 29.10.2018, 21:13 Uhr
Zuletzt bearbeitet: Dienstag, 30.10.2018, 10:16 Uhr
Coesfeld: Parkgebühren bleiben Zankapfel
Da geht’s lang: Stadtführerin Anne Grütters (l.) und Erster Beigeordneter Thomas Backes (r.) zeigten den Gästen des „Netzwerks Innenstadt“ vor Ort die Meilensteine der Coesfelder Stadtentwicklung in den vergangenen Jahren. Foto: az

60 Personen aus ganz NRW, darunter auch einige Politiker und Einzelhändler aus Coesfeld und Umgebung, wurden nach einer Führung durch Coesfelds Innenstadt von dem Experten Stefan Kruse (Büro Junker + Kruse Stadtforschung, Planung) dazu ermuntert, „den Dialog zu suchen“, um das gemeinsame Ziel voranzubringen.

Doch dieser Dialog ist offenbar bisweilen schwierig: „Kann sich eine Mittelstadt noch Parkgebühren leisten?“ fragte ein Besucher. „Wenn es eine attraktive Stadt ist, kann man auch Parkgebühren nehmen“, betonte Karin Eksen vom Einzelhandelsverband. Bürgermeister Heinz Öhmann sieht sie als Steuerungsinstrument: „Wir wollen ja, dass Kunden in die Innenstadt kommen und nicht taktierende Parker.“ Damit meinte er all jene, die in der City arbeiten und bei kostenlosem Parken vielleicht schon ab früh am Morgen Parkplätze ganztags blockieren würden.

„Ich halte das für eine Ausrede, dass unsere Mitarbeiter vor der Tür parken wollen“, widersprach ihm Annette Rabert, Vorsitzende des Stadtmarketing-Vereins, heftig. Es sei „ein Märchen, dass Coesfeld einmal ausreichend Parkplätze haben wird“. Kostenfreies Parken versteht sie als „Willkommensgeschenk an die Auswärtigen“. Ein „Knöllchen“ hinter dem Scheibenwischer sei dagegen ein „Wink mit dem Zaunpfahl“, dann demnächst doch lieber bei Amazon einzukaufen.

Der Experte Kruse versuchte den Park-Ball flach zu halten: „Das Wohl und Wehe hängt nicht vom Thema Parken und Bezahlen ab.“ Er hält hingegen kompetente Beratung für wichtig, die im Einzelhandel leider keinesfalls mehr selbstverständlich sei. Die Einzelhändler müssten auch „Emotionen wecken“ bei den Kunden.

Und die Städte? „Wir können nur die Rahmenbedingungen setzen“, hob Öhmann hervor und verwies auf das Berkel-Projekt als Attraktivitätssteigerung in Coesfeld. Kruse plädierte für regionale Einzelhandelskonzepte – auch mit Nachbarkommunen. Und diese Konzepte müssten dann auch politisch konsequent umgesetzt werden: „Konsequentes Handeln schafft Verlässlichkeit.“ Einzelfälle, in denen man mal anders entscheide, dürfe es nicht geben.

Ein Gast, Geschäftsführer eine großen Schuh-Kette aus der Region, appellierte dann zum Schluss noch an die anwesenden Kommunalpolitiker, für verkaufsoffene Sonntage zu kämpfen: „Das Internet verkauft ja auch rund um die Uhr.“ Die Gewerkschaft verstehe er nicht. Seine Mitarbeiter stritten sich wegen der Zuschläge darum, wer sonntags arbeiten dürfe. Den Schuh wollte sich Günter Hallay, Fraktionschef von Pro Coesfeld im Stadtrat, nicht anziehen: „Wir haben unser Bestes gegeben. An uns liegt es nicht.“

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