Coesfeld
„Die Badende“ und ihr neuer Freund

Coesfeld (ds). Die Skulptur „Die Badende“ steht mittlerweile als Markenzeichen der Berkel-Anrainerkommunen in vielen Städten und Gemeinden diesseits und jenseits der Grenze. Jedoch ist sie immer wieder Ziel von Vandalismus-Attacken. So auch unlängst im niederländischen Borculo, wo der 17-jährige Marten sie aus purer Langeweile mutwillig beschädigte. Er wurde dabei – was eine Ausnahme darstellt – erwischt. Aber das war nicht das Ende, sondern eigentlich erst der Anfang einer außergewöhnlichen Geschichte.

Samstag, 03.11.2018, 11:58 Uhr
Veröffentlicht: Freitag, 02.11.2018, 20:56 Uhr
Zuletzt bearbeitet: Samstag, 03.11.2018, 11:58 Uhr
Coesfeld: „Die Badende“ und ihr neuer Freund
Bei der Reparatur der „Badenden“ geht der Verursacher des Schadens freiwillig selbst zu Werke: (v.l.) Marten, Thomas Bücking, Ludger Wilmer, Marja Schulenberg und Winfried Nimphius. Foto: az

Mit den Worten „Schicksal als Chance“ beschreibt Thomas Bücking, deutsches Vorstandsmitglied der Stichting 3e Berkelcompagnie, die Wandlung von Marten. Der zeigte sich im Gespräch mit den Vertretern der Stichting 3e Berkelcompagnie, die „Die Badende“ in den Niederlanden populär gemacht hat, und dem Verein Interkulturelle Begegnungsprojekte (IBP), in deren Werksstatt die Skulptur entsteht, nämlich reumütig, einsichtig und vor allem bereit, Verantwortung für die Wiederherstellung zu übernehmen. „Schnell wurde daraus, vor allem Dank der Initiative von IBP-Geschäftsführer Martin Althoff, die Idee geboren, dass Marten in der Werkstatt der DiSoCo (Dienstleistung und Sozialwerkstatt Coesfeld) gemeinsam mit dem Künstler Winfried Nimphius die Reparatur in Angriff nimmt“, erzählt Bücking.

Eine Woche lang lebte Marten beim IBP in Coesfeld und ging dem Künstler zur Hand. Er wurde mit offenen Armen aufgenommen. „Es hat richtig Spaß gemacht, sich gemeinsam um die Reparatur zu kümmern. Das ist ja nun nicht selbstverständlich, dass ein junger Mensch sich so zu seiner Tat stellt!“, freute sich Nimphius. „Und die Sprache – das war spannend – aber gerade weil man viel praktisch zeigen und erarbeiten konnte, klappte das prima!“ Marten selbst war „einfach nur dankbar“, die Chance bekommen zu haben, seinen Fehler wieder gut zu machen. „Diese Erfahrung in Coesfeld werde ich nicht vergessen“, sagte er.

Sehr beeindruckt zeigte sich DiSoCo-Werkstattleiter Ludger Wilmer: „Genial, wie hier so verschiedene Fäden zusammenliefen: der erschaffende Künstler gemeinsam mit dem Beschädiger, zweisprachig, grenzüberschreitend – und doch im wahrsten Sinne des Wortes: Hand in Hand!“

Die Freude war dann auch ganz auf der Seite der Stichting 3e Berkelcompagnie: „Das ist eine ganz gute Sache, dass auf diese Weise ,Die Badende’ wieder fertig wird und Marten zu einer neuen Sichtweise kommt“, hob Marja Schulenberg, niederländisches Vorstandsmitglied, hervor. Ihr deutsches Pendant Bücking dankte Nimphius „für seine tolle Begleitung“ und nicht zuletzt auch dem Verein IBP. Der habe sogar Unterkunft und Verpflegung bereit gestellt und „ohne bürokratische Hürden, Konzepte und Programme ein ganz konkretes grenzüberschreitendes, soziales Projekt ermöglicht.“

Und die Badende? Die hat nun einen Freund und Beschützer mehr. „Ich komme wieder nach Coesfeld – aber dann als guter Bekannter seiner Helfer!“, versicherte Marten.

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