Coesfeld
Glossiert: Hambi, äh Bahnhof bleibt

Nein, darauf ist selbst Coesfelds oberste Baumschützerin und Hambi-Aktivistin Charlotte Ahrendt-Prinz von den Grünen noch nicht gekommen. Dabei könnte es die Rettung für den alten Coesfelder Bahnhof sein: ein Biotop. Richtig gelesen. Bahn-Nostalgiker aller Länder vereinigt euch – mit den Naturschützern. Denn hinter dem DB-Eingangsschild und unterhalb der altehrwürdigen Bahnhofsuhr ist im Laufe der Jahre – völlig unbemerkt von der Bahnflächen-Entwicklungsgesellschaft, die doch sonst in all den Jahren so ein wachsames Auge auf den Bahnhof und sein attraktives Umfeld hatte – ein Baum nebst ihn umgebenden Kräuterflor gewachsen.

Mittwoch, 21.11.2018, 20:35 Uhr aktualisiert: 21.11.2018, 20:38 Uhr
Coesfeld: Glossiert: Hambi, äh Bahnhof bleibt
Auf dem Vordach des Bahnhofsgebäudes ist ein Baum gewachsen. Foto: Detlef Scherle

Dem Rekord-Sommer 2018 mit seiner Trockenheit hat er getrotzt – trägt selbst im November noch ein paar hoffnungsfroh im Winde flatternde grüne Blätter. Ein noch junges, aber stattliches Exemplar. Die genaue Art muss freilich noch von Experten des Naturschutzzentrums in Darup bestimmt werden. Ein Anhaltspunkt könnten dafür die feuchten Wände und Decken sein, in denen seine Wurzeln Halt gefunden haben. Vielleicht handelt es sich ja um eine Sumpfweide (Salix myrtilloides), die auf der Roten Liste steht, weil sie zahlreichen seltenen Tierarten – von der gebänderten Prachtlibelle bis zum Moorfrosch – Unterschlupf und Nahrung bietet.

Das hiesige Exemplar – und das beweist obiges Foto – wird jedenfalls zumindest von der heimischen Vogelwelt schon gut als Ruheplatz angenommen. Und zwar nicht nur von Zugvögeln, wie man bei einem Bahnhofsgebäude vermuten könnte. Und auch nicht nur von schrägen Vögeln, die sich über faire oder unfaire Bedingungen bei Architekten-Wettbewerben streiten. Sondern von Standvögeln, wie der Ornithologe sagt. Und die passen doch prima zu all den standhaften Coesfeldern, die die Bahnhofsoptik mitsamt Uhr und Türmchen vor der Abrissbirne und der zu befürchtenden vollständigen Quadratur der Kreisstadt retten wollen.

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