Coesfeld
Im Zweifelsfall hilft die Zerreißprobe

coesfeld. Das Telefon von Stefan Bölte steht zurzeit nicht mehr still. Die stehengelassene Bio-Tonne eines Coesfelder Bürgers wegen angeblich falscher Kompostbeutel hat einen Sturm von Bürgeranfragen an den Geschäftsführer der Wirtschaftsbetriebe Kreis Coesfeld ausgelöst. Dabei hat der Bürger alles richtig gemacht, wie sich bei einer Pressekonferenz am Freitagnachmittag herausgestellt hat.

Freitag, 04.01.2019, 18:52 Uhr aktualisiert: 05.01.2019, 08:56 Uhr
Coesfeld: Im Zweifelsfall hilft die Zerreißprobe
Viele Plastik- oder vermeintlich abbaubare Kompostbeutel lassen sich zwischen dem Bioabfall finden, wie die Remondis-Mitarbeiter (v. l.) Frank Abbenhaus, Anna Luisa Ephan und Peter Brunsbach zeigen. Foto: leg

Es handele sich um ein Missverständnis, wie Remondis-Geschäftsführer Peter Brunsbach erklärt, und entschuldigt sich: „Dass die Tonne nicht abgeholt wurde, tut uns sehr leid, hat aber wohl einen anderen Grund, der jetzt nicht mehr nachvollziehbar ist.“ Eventuell habe der Fahrer die Tonne einfach übersehen. Eine Kontrolle habe nicht stattgefunden. Dennoch seien falsche Biomüllbeutel ein sehr kontroverses Thema.

„Die Papiertüten des Coesfelders waren sogar vorbildlich, da sie aus 100 Prozent Altpapier bestanden“, betont Bölte, „diese haben auch das Gütesiegel des Blauen Engels.“ Dennoch sollten die Bürger dieses Gütesiegel nicht als sicheres Kriterium für eine richtige Tüte sehen, sofern diese nicht aus 100 Prozent Altpapier besteht. „Im Zweifelsfall hilft eine Zerreißprobe der Tüte. Wenn diese sich einfach und gerade durchreißen lässt, ohne dass Kunstofffasern sichtbar werden, sind diese Tüten für die Biotonne geeignet“, erklärt Bölte. Falls es jedoch schwer falle, die Tüte zu zerreißen, oder Kunststoff zu erkennen ist, gehören diese Tüten nicht in die Biotonne.

Neben den verwendbaren Tüten und Beuteln gebe es eine Vielzahl an Tüten, die laut Beschreibung zwar kompostierbar, aber dennoch nicht benutzbar seien. „Wenn es auf der Verpackung heißt, dass die Beutel kompostierbar seien, heißt dies nicht, dass sie komplett erdöl- oder plastikfrei sind. Diese Tüten brauchen circa sechs Monate, um zu zerfallen“, berichtet Bölte. Auch kunststoffbeschichtete Papiertüten seien ungeeignet. Wenn diese allerdings durch Wachs beschichtet sind, seien sie unproblematisch.

Grundsätzlich gilt: Plastiktüten und vermeintlich kompostierbare Bio-Folienbeutel, die zumeist auf Basis von Maisstärke hergestellt werden, gehören nicht in die Biotonne. Der Grund dafür ist einfach: „Unsere Siebanlage kann nicht zwischen Folien-Beuteln und normalen Plastiktüten unterscheiden. Diese werden daher aussortiert und anschließend verbrannt“, sagt Frank Abbenhaus, Betriebsleiter des Kompostwerks bei Remondis. Der normale Vergärungsprozess dauere sechs Wochen, bevor der Bioabfall ausgesiebt und zerkleinert wird. Doch dann seien die Tüten, die Plastik enthalten, noch längst nicht zerfallen.

Zeitungspapier oder auch Tüten aus 100 Prozent Altpapier seien optimal. In Zukunft wollen die Entsorger im Münsterland mit der Aktion „Wir für Bio“ noch weiter aufklären, kündigt Bölte an. Bis dahin gilt für unsichere Bürger: Im Zweifelsfall die Zerreißprobe machen. Dann steht in Zukunft das Telefon von Stefan Bölte vielleicht auch etwas häufiger still.

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