Coesfeld
„Medizinische Notwendigkeit ist genau geregelt“

Coesfeld. Ein Gutachten des Bundesgesundheitsministeriums hat für viel Aufsehen gesorgt. Es stellt den Nutzen von Zahnspangen infrage, da nicht bewiesen werden könne, dass spätere Probleme wie Zahnausfall oder Parodontitis mit Spangen verhindert werden. Dazu würden viele Zahnspangen unnötigerweise eingesetzt werden, wie unsere Zeitung unlängst berichtet hatte.

Montag, 07.01.2019, 18:43 Uhr aktualisiert: 07.01.2019, 18:46 Uhr
Coesfeld: „Medizinische Notwendigkeit ist genau geregelt“
Viele Kinder sind bereits regelmäßige Besuche beim Kieferorthopäden und bekommen, falls notwendig, eine Zahnspange. Foto: az

„Ich denke, dass viel durcheinander gebracht und überdramatisiert wurde“, sagt die Coesfelder Kieferorthopädin Dr. Tahereh Sprakel. Seit 2002 gebe es das Schema zur Einstufung des kieferorthopädischen Behandlungsbedarf (KIG-Einstufung). „Hierdurch wird geregelt, welche Behandlungsfälle medizinisch notwendig sind“, erklärt Sprakel. „Rein ästhetisch motivierte Behandlungen müssen schon seit langer Zeit vom Patient selber getragen werden.“ Ein möglicher Zahnausfall oder Parodontitisprobleme stünden bei einer kieferorthopädischen Behandlung nicht im Vordergrund.

Kinder kämen zum Beispiel mit erheblichen Zahn- und Kieferfehlstellungen, die keine reguläre Gebissentwicklung erwarten ließen, in die Praxen, berichtet Sprakel.

„Bei den erwachsenen Patienten stehen oftmals Kopf-und Nackenschmerzen im Vordergrund, die oftmals auf Zahnfehlstellungen zurückzuführen sind“, weiß die Kieferorthopädin. Sie würden meist mit einer Kombination aus kieferorthopädischen Geräten und Aufbissschienen behandelt werden.

Dass die Kieferorthopädie keinen medizinischen Nutzen haben solle, zeuge nach Ansicht von Sprakel von mangelnder klinischer Erfahrung. „Sie ist elementarer Bestandteil einer qualitativ hochwertigen und flächendeckenden zahnmedizinischen Versorgung, die durch Gesetz, Richtlinien und Verträge eindeutig definiert ist“, betont Sprakel.

Andere Coesfelder Kieferorthopäden wollten sich nicht zu diesem Thema äußern.

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