Coesfeld
Hinter Aufkleber steckte Rasierklinge

Coesfeld. Bei einem Spaziergang mit Freunden an der Billerbecker Straße (Nähe Umspannwerk) hat ein Coesfelder an einem reflektierenden Kurvenanzeiger einen Aufkleber mit einer den islamischen Propheten Mohammed beleidigenden Aufschrift entdeckt. „Den wollten wir gleich entfernen“, berichtete er gestern auf Nachfrage der AZ. Doch was dabei zum Vorschein kam, habe sie dann noch mehr entsetzt als die Botschaft auf dem Aufkleber selbst: „Hinter dem Aufkleber steckte eine schon rostende Rasierklinge. Die sollte offensichtlich denjenigen verletzen, der ihn entfernen will.“ Glücklicherweise sind die Freunde vorsichtig vorgegangen und haben den Aufkleber mit einem Schlüssel abgekratzt. „Wir möchten aber alle, die solche Aufkleber sehen und entfernen wollen, warnen“, sagte er.

Donnerstag, 17.01.2019, 15:44 Uhr aktualisiert: 17.01.2019, 15:48 Uhr
Coesfeld: Hinter Aufkleber steckte Rasierklinge
Beim Ablösen des Aufklebers mit islamfeindlicher Botschaft wurde eine Rasierklinge sichtbar. Foto: az

Wer macht so was? „In letzter Zeit sind sehr viele rassistische, ausländer- und islamfeindliche Aufkleber in Coesfeld aufgetaucht“, weiß der Coesfelder, dem die Entwicklung zunehmend Sorge bereitet. Zuletzt sei die rechtsextreme „Identitäre Bewegung“ in den Weihnachtsferien offenbar massiv rund ums Schulzentrum aktiv gewesen und habe Schilder und Pfähle mit rassistischen Aufklebern zugepflastert. Die sind mittlerweile alle wieder entfernt worden. Zugenommen habe die Aufkleberflut nach seiner Beobachtung seit Bekanntwerden der Pläne des Türkisch-Islamischen Kulturvereins, an der Hansestraße einen neuen Gebetsraum zu errichten, weil ihre Räume am Katthagen nicht mehr ausreichen. Bekanntlich machten Islam-Gegner dagegen massiv Front – mit Postwurfsendungen und Anfang November mit einer Kundgebung der rechtspopulistischen Organisation „Pax Europa“ mit 21 größtenteils auswärtigen Teilnehmern, denen sich 500 Coesfelder entgegenstellten.

„Echt erschreckend, dass diese Moscheegegner nicht mal vor Körperverletzung zurückschrecken... da kann man nur mit dem Kopf schütteln“, äußerte sich ein Mann auf Facebook zu den dort geposteten Fotos des Aufklebers mit der Rasierklinge.

Die Polizei nimmt den Vorfall sehr ernst, auch wenn ihr bisher noch keine ähnlichen Fälle bekannt geworden sind, wie Pressesprecher Rolf Werenbeck-Ueding auf Nachfrage erklärte. „Wir haben die Ermittlungen aufgenommen“, sagte er. Es liege der Anfangsverdacht der versuchten gefährlichen Körperverletzung vor. Ob wegen der Aufschrift auch noch Volksverhetzung oder Beleidigung hinzukomme, müsse letztlich staatsanwaltschaftlich bewertet werden. Der Fall werde dem Staatsschutz in Münster zur Prüfung vorgelegt. Werenbeck-Ueding bittet Zeugen, die ähnlich präparierte Aufkleber mit Hass-Botschaften gefunden haben, sich unter Tel. 140 zu melden.

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