Coesfeld
Wie alte Textilien zu neuen Ehren kommen

Coesfeld. Als Michael Weber den Altkleidercontainer am Hüppelswicker Weg öffnet, purzeln ihm die ersten Säcke bereits entgegen. „Und da oben hängt schon der erste BH“, sagt der Beauftragte für die Altkleidersammlung des DRK-Kreisverbands. 33 Container hat das DRK in Coesfeld an rund 20 Standorten aufgestellt. Einmal wöchentlich werden die Behälter geleert.

Freitag, 01.02.2019, 16:18 Uhr aktualisiert: 02.02.2019, 08:22 Uhr
Coesfeld: Wie alte Textilien zu neuen Ehren kommen
Michael Weber ist beim DRK-Kreisverband Coesfeld unter anderem für die Altkleidersammlung zuständig. Die Container werden einmal wöchentlich geleert und sind – so wie die vier auf dem Real-Parkplatz – meistens gut gefüllt. Foto: az

Für die Leerung ist ein externes Unternehmen zuständig, das die gesammelte Ware zur Kolping Recycling GmbH nach Fulda bringt. Für den Fahrer des Lkw ist die Sammlung Routine. Kaum fünf Minuten braucht er pro Container. Ruckzuck hat er kleinere offene Säcke in einem großen schwarzen Sack verstaut, genauso wie lose Ware – Schals, Jacken, Pullover –, die er händisch einsammeln muss. „Der BH bleibt da hängen, sonst mach ich die Feder der Klappe kaputt“, sagt er und lacht. Weiter geht es zur nächsten Station: dem Parkplatz des Real-Marktes.

In 2018 seien laut Weber 177 Tonnen Altkleider in Coesfeld angefallen – nur beim DRK. Wegen des hohen Bedarfs komme es nur temporär vor, dass Container wieder abgebaut werden. „Zum Beispiel am Katthagen wegen der Bauarbeiten“, erklärt Weber. Nach deren Beendigung würden die Container wieder aufgestellt. Das Gegenteil sei eher der Fall: „Wenn wir sehen, es steht um einen Container schon viel drumherum, dann schauen wir, ob wir einen zweiten daneben stellen“, sagt Weber. „Alles in enger Absprache mit der Stadt“, versichert er.

Auf dem Parkplatz an der Dülmener Straße angekommen zeigt sich bei der Öffnung der Container: Hier haben die Bürger ihre Kleidung vorbildlicher verpackt – kaum lose Ware, stattdessen verschnürte Säcke. Alle vier Container sind zu mindestens 60 Prozent gefüllt.

Dass es so akkurat und geruchsneutral nicht immer zugeht, weiß Michael Weber nur zu gut. „Einmal hatte jemand Essen in den Container geworfen, da war unten schon alles voller Maden“, beschreibt er den ekelhaft riechenden Fund. Dass die Container auch mal außer der Reihe geöffnet werden, sei natürlich auch möglich. „Wenn jemand aus Versehen den Hausschlüssel mit reingeworfen hat“, nennt Weber als Beispiel.

Bei genauerem Blick auf die Ware zeigt sich, dass längst nicht mehr alles gut erhalten ist. Laut Statistik sind nur acht Prozent ohne Weiteres noch tragbar. Der Rest werde von den zertifizierten Abnehmern, an die alle Altkleider durch die Kolping Recycling GmbH verkauft werden, wiederverwertet und komme als Putzlappen oder Füllstoff für Autositze und Polster zu neuen Ehren. Für das DRK sei die Altkleidersammlung eine „wichtige Säule der Mittelbeschaffung“, sagt Christoph Schlütermann, Vorstand des DRK-Kreisverbands. Die Erlöse daraus flössen jeweils zur Hälfte dem Kreisverband und den Ortsvereinen zu und würden in Sozialprojekte und die Jugendarbeit vor Ort investiert.

Mittlerweile sind auch die vier Container beim Real-Markt geleert. Für den Fahrer noch nicht die letzte Station an diesem verschneiten Wintertag in Coesfeld.

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