Coesfeld
Wer sind die Personen im Schlosspark?

coesfeld. Wer sind die Personen, die – aus glänzendem Edelstahlblech nachgebildet – im Schlosspark stehen? Vor Ort gibt es dazu keine Erklärung. „Das ist unbefriedigend“, findet Claudia Haßkamp vom Riga-Komitee, das sich um die Erinnerungskultur in Coesfeld bemüht.

Mittwoch, 06.02.2019, 18:32 Uhr aktualisiert: 06.02.2019, 18:34 Uhr
Coesfeld: Wer sind die Personen im Schlosspark?
Zum Gedenken an das Schicksal der jüdischen Coesfelder steht diese Gruppe im Schlosspark. Eine Erklärung vor Ort gibt es nicht. Foto: Ulrike Deusch

Zusammen mit Jugendlichen aus dem Geschichtskurs (AHE 13b) der Liebfrauenschule hat sie im vergangenen November die Gedenkveranstaltung zur Reichspogromnacht und im Januar den Holocaust-Gedenktag gestaltet. Die Schüler hatten sich zuvor im Rahmen einer Projektarbeit mit den Spuren jüdischen Lebens in Coesfeld beschäftigt und Mitschüler nach der Gruppe im Schlosspark befragt. Weniger als ein Viertel der Jugendlichen wusste, dass es sich um eine Abbildung jüdischer Coesfelder handelt, die während der NS-Diktatur in ein Lager nach Riga transportiert und ermordet wurden, berichtet Haßkamp. In ihren Texten zu den genannten Gedenkveranstaltungen haben die Jugendlichen auch aufgrund dieser Erfahrung vor allem Information gefordert: „Unbedingte Voraussetzung für eine aktive Erinnerungsarbeit in Coesfeld ist unserer Meinung nach Information.“ Dass auch mancher Coesfelder und immer wieder Besucher der Stadt achselzuckend vor der Gedenkstele stehen, hat Claudia Haßkamp mehrfach gehört und erfahren.

Information soll irgendwann kommen – und zwar in Form eines QR-Code-basierten Stadtrundgangs, in dem auch Orte jüdischen Lebens und die Erinnerung an die jüdischen Mitbürger eine wichtige Rolle spielen sollen. Wann? Dazu ist von der Stadt keine Antwort zu bekommen. „Es wird an einem entsprechenden Rundgang gearbeitet, der sich gestalterisch am Berkelprojekt orientieren soll“, gibt Stadtsprecherin Andrea Zirkel Auskunft. Weitere Details nennt sie nicht, auch keinen Zeitpunkt zu dem der Rundgang fertig gestellt sein könnte. „Auch wir bekommen von der Stadt keine zufriedenstellenden Erklärungen“, bedauert Haßkamp. Im Herbst sei signalisiert worden, dass die Stadt noch auf Fördermittel warte.

Die trotz ihrer ganz anderen Form als „Gedenkstele“ bezeichnete Skulptur ist im Zuge der Neugestaltung des Schlossparks aufgestellt worden. Sie ersetzt ein historisches Foto, das zuvor an fast der gleichen Stelle im Park an den Abtransport der jüdischen Mitbürger erinnerte. Warum man nicht vorübergehend vor Ort eine Erklärung anbringt, bis der QR-Code-basierte Rundgang fertig ist, fragt sich Haßkamp. Dann sollen in Ergänzung auch Metallsäulen mit Kurztexten aufgestellt werden, weiß sie.

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