Coesfeld
Spritziger Prosecco statt schwerer Wein

Coesfeld. Klatschen, wenn einem danach ist, mitsingen, fotografieren oder filmen und am besten gleich in irgendwelchen sozialen Medien posten – alles, was in jedem klassischen Konzert streng verboten ist, ist bei „The Cast“ ausdrücklich erlaubt. Denn schließlich „macht Musik zusammen mit Freunden in entspannter Atmosphäre am meisten Spaß“, erklärt Bariton Till Bleckwedel in seiner Begrüßung am Abend. Dazu passt das gemütliche Sofa auf der Bühne.

Sonntag, 17.02.2019, 16:48 Uhr aktualisiert: 18.02.2019, 08:06 Uhr
Coesfeld: Spritziger Prosecco statt schwerer Wein
Spritzig wie ein Prosecco – die Opernband „The Cast“ bereitete dem Publikum mit ihren frischen Ideen, mit denen sie den Staub von der Oper putzte, einen sehr unterhaltsamen Abend im Konzert Theater, der mit stehenden Ovationen gefeiert wurde. Foto: Ursula Hoffmann

Schmeckt so manche Oper wie ein schwerer Rotwein, mundet das, was die Opernband „The Cast“ auf die Bühne des Konzert Theaters zaubert, wie ein köstlich spritziger Prosecco und erinnert an vergangene Zeiten, als Arien in der Oper gefeiert und auf den Gassen gesungen wurden.

„Oper macht Spaß“ ist der Abend völlig zu Recht überschrieben, denn es macht ungeheuren Spaß, die von dem Pianisten Yu Chen brillant begleiteten drei Sängerinnen und drei Sänger bei ihren facettenreichen Querschnitt durch die Welt der Opern- und Operettenmelodien zu begleiten. Sie singen Solo, im Duett oder Terzett, liefern sich augenzwinkernd manch einen musikalischen Wettstreit oder machen aus dem Quartett der Oper „Rigoletto“ unbekümmert ein Sextett.

Abwechselnd greifen alle zum Mikrofon und lassen das Publikum teilhaben an ihrem Leben und ihrem ganz persönlichen Zugang zur Oper. Das ist ebenso unterhaltsam wie sympathisch. So erklärt Bariton Allan Boxer, dass seine kroatische Mutter ihn nach Alain Delon benannt habe. Der chilenische Tenor Guillermo Valdes betört mit großartiger Stimme und bekennt, gerne den Macho zu spielen. Die kapriziöse Mezzosopranistin Anne Byrne, die begeistert ist, dass es mit „Carmen“ wenigstens eine Hauptrolle für ihr Fach gibt, erzählt schmunzelnd, dass sie nicht aus dem New York der Skyscraper stamme, sondern aus dem Upstate, wo die Kühe grasen. Die grünhaarige Carrie-Ann Winter behauptete sich in der Ausbildung mit ihrer Interpretation starker Frauenrollen ihrem Professor gegenüber und zeigt, was sie meint mit einer Arie der mächtigen Cleopatra, die sie mit Liegestützen garniert. Bryn Vertesi aus Island bekennt ihre Liebe zum Jazz und hat in der Arie „Adieu, notre petit table“ aus der Oper „Manon“ ein Stück gefunden, in dem sie Gefühle ebenso fließen lassen kann wie im Jazz. Wunderbar, mit welcher Wehmut sie um ihre Liebe trauert.

Egal, ob wie hier voller Emotionen oder mit Augenzwinkern, alle sechs Sänger versprühen Lebendigkeit, begeistern mit bekannten Arien wie „Va pensiero“ aus „Nabucco“, aber auch mit witzigen Ideen, etwa den frechen Untertiteln für ein Quartett aus „La Boheme“. Köstlich der Wettstreit der Männer um die Gunst einer Freiwilligen aus dem Publikum, der sie entgegen schmettern „Dein ist mein ganzes Herz“. Stehende Ovationen gibt es für dieses außergewöhnlich mitreißende Konzert.

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