Coesfeld
Gerechtigkeit bedeutet für mich...

Coesfeld. „Gerechtigkeit ist zurzeit wieder in aller Munde“, weiß Marianne Fleige vom Arbeitskreis „Glaube und Leben“ der St.-Lamberti-Gemeinde. Arbeitsminister Hubertus Heil hat die Respekt-Rente vorgeschlagen, um Altersarmut zu bekämpfen. Die Mietpreis-Bremse soll mehr Gerechtigkeit auf dem Wohnungsmarkt bringen. Und der Mindestlohn ist eingeführt worden, damit Arbeit gerechter bezahlt wird. Aber was ist wirklich gerecht? Darüber gehen die Meinungen oftmals – nicht nur wenn es um politische Themen geht – auseinander. Viele Philosophen – von Platon („eine innere Einstellung“) bis Kant (kategorischer Imperativ) – haben sich daran versucht. Und 332 Mal kommt der Begriff auch in der Bibel vor – in ganz unterschiedlichen Bedeutungen und Zusammenhängen. Was für sie Gerechtigkeit bedeutet, das werden in der Fastenzeit, die heute beginnt, zwei Männer und eine Frau aus Coesfeld in Predigten in der Jakobi-Kirche darlegen. Der Arbeitskreis „Glaube und Leben“ hat für seine beliebte Laien-Predigtreihe, die seit 2003 schon insgesamt mehr als 15 000 Zuhörer anlockte, in diesem Jahr die Rechtsanwältin und Notarin Bernadette Böcker-Kock, den Leitenden Angestellten und Vorsitzenden des Pfarreirates von St. Lamberti Dirk Borowski sowie den Bauingenieur und Vorsitzenden der SPD Coesfeld Hermann-Josef Vogt gewonnen.

Dienstag, 05.03.2019, 22:54 Uhr aktualisiert: 06.03.2019, 15:56 Uhr
Coesfeld: Gerechtigkeit bedeutet für mich...
Das Ringen um Gerechtigkeit ist diesmal das vom Arbeitskreis „Glaube und Leben“ ausgesuchte Thema der Laien-Predigtreihe: ( v. l.) Franz Westerkamp, Regina Lütkenhaus, Marianne Fleige und Rainer Sentis. Es fehlen: Elisabeth Burhoff und Doris Klix. Foto: Detlef Scherle

„Seid Ihr bereit? Jetzt ist die Zeit für Gerechtigkeit“ – diese Zeile aus einem Lied als Thema ist die einzige Vorgabe, die die Prediger bekommen. Ansonsten sind sie völlig frei. „Und eine Zensur gibt es bei uns natürlich auch nicht“, lacht Pastor Franz Westerkamp. Es gehe eben darum, dass sie „ein ganz persönliches Glaubenszeugnis“ ablegen, ergänzt Elisabeth Burhoff. Das ist es, was auch Jahr für Jahr immer wieder viele Zuhörer anzieht – die ganz persönliche, eben nicht theologisch fundierte und bis ins Letzte ausgefeilte, sondern auf den eigenen Erfahrungen beruhende Sicht. „Zwischen 140 und 600 Zuhörer sind es bei jeder Predigt“, erzählt sie. Das Format kommt an. Vor allem auch bei Menschen, die der Kirche nicht so nahe stehen.

Die drei Prediger, die der Arbeitskreis für die diesjährige Reihe ausgewählt hat, verbindet, dass sie einen Bezug zum Glauben haben. Ansonsten könnten sie unterschiedlicher nicht sein. Bernadette Böcker-Kock ist aktuell eine von zwei Ansprechpersonen für Fragen des sexuellen Missbrauchs im Bistum Münster. Auch als Fachanwältin für Familienrecht ist sie täglich mit dem Thema Gerechtigkeit konfrontiert. Dirk Borowski lenkt die Geschicke des Pfarreirates von St. Lamberti, der sich auch mit innerkirchlichen Fragen nach der Gerechtigkeit – zum Beispiel bei den Ämtern und hinsichtlich des Machtgefüges – auseinandersetzt. Hermann-Josef Vogt sieht sich als SPD-Ortsvereinschef als „Anwalt der kleinen Leute“ und versucht politisch Gerechtigkeit zu schaffen.

„Wir sind sehr gespannt auf die Predigten“, so Arbeitskreismitglied Rainer Sentis. Dass es gerecht zugehe auf der Welt, das sei ja jedermanns Anliegen, geht Regina Lütkenhaus von einem großen Interesse an dem Thema aus.

Allen Predigern gilt vorab schon mal der Dank des Arbeitskreises: „Wir wissen, dass es auch Mut erfordert, öffentlich über seinen Glauben zu sprechen“, so Elisabeth Burhoff. „Viele tun das zum ersten Mal.“

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