Coesfeld
Einmal hin, bald keiner mehr drin?

Coesfeld. Die Metro AG will sich von ihren real,-Märkten trennen. Das war im September 2018 vom Vorstand bekannt gegeben worden. Sechs bis acht Monate Zeit, hieß es seinerzeit, wolle man sich für die Verhandlungen mit potenziellen Käufern nehmen. Sechs Monate sind nun um. Und bei den real,-Mitarbeitern steigt die Sorge um ihre Arbeitsplätze. Auch in Coesfeld, wo bei dem SB-Warenhaus an der Dülmener Straße rund 100 Menschen beschäftigt sind. „Wenn die Metro an Kaufland verkauft, dann wird unser Markt wohl geschlossen“, befürchtet ein real,-Mitarbeiter aus Coesfeld, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen will. Denn vor Ort gebe es ja bereits einen Kaufland. Und aus der Schwarz-Gruppe, zu der Kaufland gehört, sei durchgesickert, dass sie von den insgesamt 278 nur maximal 100 rentable Märkte kaufen wolle, die in ihre Expansionsstrategie passen.

Freitag, 08.03.2019, 19:01 Uhr aktualisiert: 09.03.2019, 12:04 Uhr
Coesfeld: Einmal hin, bald keiner mehr drin?
Foto: az

Daniela Arnd von der Gewerkschaft Verdi kann die Sorge der Mitarbeiter verstehen, die bei real,- im Zuge von Umstrukturierungsprozessen in den vergangenen Jahren schon einiges mitgemacht hätten – inklusive Lohndumping. Die Gewerkschaft, die mit im Aufsichtsrat der Metro sitzt, kämpfe dafür, dass die Einzelhandelskette als Ganzes veräußert wird. Ob das klappt, steht aber noch in den Sternen: „Das sind unternehmerische Entscheidungen. Wir müssen jetzt abwarten“, so die Handelsexpertin. Konkret bekannt sei bislang nur, dass – unabhängig vom Verkauf der Kette – Häuser in Hürth und Mühlheim geschlossen werden sollen.

Vor Ort in Coesfeld ist die Stimmung angespannt. Viele der Mitarbeiter sind langjährige Beschäftigte, die schon zu allkauf-Zeiten dort in Lohn und Brot standen. Sie fragen sich: Was wird mit mir, wenn an Kaufland verkauft wird? „Das sind Spekulationen. Daran beteiligen wir uns nicht“, gibt sich der Coesfelder real,-Geschäftsstellenleiter Yves Passlack auf AZ-Anfrage kurz angebunden – und verweist ansonsten an die Konzernpressestelle in Düsseldorf. „Für unseren Standort in Coesfeld, Dülmener Straße 39, sind derzeit keine Veränderungen geplant“, beantwortet Pressereferent Frank Grüneisen dort die Anfrage. Er habe derzeit bundesweit viele solcher Anfragen, „die den Schluss zulassen, dass derlei Gerüchte gezielt von interessierter Seite lanciert werden.“ Der Verhandlungs-Poker lässt grüßen? Mehr gebe es dazu nicht zu sagen, so Grüneisen. Für Fragen zum Verkauf verweist er an die Kollegen in der Pressestelle des „Mutterkonzerns“.

Eine Metro-Sprecherin hebt gegenüber unserer Zeitung hervor, dass noch keine Entscheidung gefallen sei. Man liege aber „voll im Plan“. „Sie können davon ausgehen, dass wir derzeit mit einer Reihe von Interessenten Gespräche führen“, erklärt sie. Nicht nur mit Kaufland, soll das wohl heißen. Es bleibe die Absicht, „Real als Ganzes veräußern zu wollen.“

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