Coesfeld
„Wenn ich das jetzt nicht mache, wird’s nichts mehr“

Coesfeld. Nein, wohin es gehen soll und was er genau vorhat – das will Johannes Arntz noch niemandem verraten. Nur soviel: „Ich möchte mich selbst an anderen Orten und in anderen Lebensbereichen erfahren.“ Klingt spannend. Und der Pfarrdechant von St. Lamberti freut sich auch schon auf seine dreimonatige Auszeit, die direkt nach Pfingsten beginnt, auch wenn „bis dahin noch einiges zu regeln“ sei: „Der Schreibtisch muss dann ja leer sein.“

Montag, 11.03.2019, 19:23 Uhr aktualisiert: 12.03.2019, 11:26 Uhr
Coesfeld: „Wenn ich das jetzt nicht mache, wird’s nichts mehr“
Nimmt eine dreimonatige Auszeit: Pfarr- und Kreisdechant Johannes Arntz. Foto: Michaela Kiepe

„Eine Chance, einmal ein Stück weit rauszukommen aus der Rolle, aus der Routine“, sei diese „Sabbatzeit“, die das Bistum seinen Priestern einmal in der Dienstzeit gewährt und von der er nun als einer von Wenigen Gebrauch macht. Um Missverständnissen vorzubeugen, stellt der 55-Jährige im AZ-Gespräch gleich klar: „Ich mache das nicht, weil ich die Arbeit hier nicht mehr gerne täte.“ Ausgebrannt ist er auch nicht. Nein, es gehe um neue Impulse: für sein Leben und für seine Arbeit. Und er sei dankbar, dass ihm sein Brötchengeber, die Kirche, die Freiheit dafür gibt.

Einmal hat er das schon erfahren, wie gut das tun kann. Das war im Jahr 2006, als er noch in Raesfeld Pfarrer war. Damals nahm er an dem Programm „crossing over“ teil, zu dem ein sechswöchiger Aufenthalt in einer Gemeinde in Chicago (USA) gehörte. Das sei „ein Break“ für ihn gewesen, erinnert er sich. „Das hat mir einen Push gegeben.“ Neue Konzepte zum Beispiel für die Willkommenskultur der Gemeinde habe er danach in Raesfeld umgesetzt. „Das waren so viele neue Erfahrungen, dass ich jetzt immer von dem Leben vor und nach Amerika spreche“, lächelt er.

Diese Erfahrungen haben ihn bestärkt, die Sabbatzeit zu beantragen. Es sei aus seiner Sicht auch der richtige Zeitpunkt in seinem Leben: „Wenn ich das jetzt nicht mache, dann wird’s nichts mehr.“ Er sei jetzt acht Jahre in Coesfeld. Seiner Mutter gehe es noch gut. Im nächsten Jahr stehe die Sanierung der Kirche an – da könne er kaum weg. Darum macht er es jetzt – über den Sommer, weil dann ohnehin weniger anfällt. Aus der Gemeinde erfährt er „viel Zuspruch“. „Und auch unser Pastoralteam unterstützt die Sabbatzeit voll und ganz“, freut er sich. Das Bistum schickt als Vertretung für die priesterlichen Aufgaben zeitweise einen rumänischen und einen kroatischen Geistlichen, so dass Arntz die Gemeinde in Coesfeld für drei Monate wirklich loslassen kann.

Und dann liegen zwölf Wochen Freiheit vor ihm. Das Bistum hat als einzige Auflagen gemacht, dass es in der Auszeit eine geistliche, eine Erholungs- und eine Erfahrungskomponente geben soll. „Danach habe ich es ausgerichtet“, sagt er und lässt sich dann zum Schluss zumindest noch entlocken, was er auf gar keinen Fall machen wird: Fahrradtaschen packen, einfach aufs Rad setzen und losfahren. „Ich könnte unterwegs ja nicht mal den Reifen flicken“, zeigt er grinsend seine zwei linken Hände.

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