Coesfeld
Wenn der Vater Pläne macht

Coesfeld. Betritt Ijoma Mangold mit seinen krausen Haaren und seiner dunklen Haut ein luxuriöses Hotel oder Restaurant, hat er immer einen „syntaktisch anspruchsvollen Satz“ auf den Lippen, um nicht den Weg zur Küche gezeigt zu bekommen. Abgesehen davon, dass er sich freut, in „Cösfeld“ zu sein (auf einen Hinweis aus dem Publikum erkennt er den Fallstrick sofort: „Ah, das ist ein Dehnungs-E.“), erweist sich der renommierter Literaturkritiker bei der Vorstellung seines erzählerischen Debüts „Das deutsche Krokodil“ auf der Studiobühne des Konzert Theaters als sehr eloquenter Redner, der seine klug reflektierten Geschichten unterhaltsam und mit feinsinnigem Humor zu Gehör bringt.

Montag, 18.03.2019, 17:58 Uhr aktualisiert: 18.03.2019, 18:44 Uhr
Coesfeld: Wenn der Vater Pläne macht
In einer Mischung aus Lesung und Erzählung unterhält Ijoma Mangold mit klug reflektierten Geschichten voll feinem Humor aus seinem Leben als Sohn einer deutschen Mutter und eines nigerianischen Vaters. Foto: Ursula Hoffmann

„Meine Geschichte“ lautet der Untertitel des autobiografischen Buches, indem es nicht um Memoiren geht, denn dafür sei er doch zu jung, betont Mangold, sondern um einen besonderen Aspekt seines Lebens. Er spürt der Frage nach, was es heißt, in den achtziger Jahren aufzuwachsen, wenn man anders aussieht. Sein Vater ist mit Hilfe seines Dorfes Amucha 1966 aus Nigeria nach Heidelberg gekommen, um Medizin zu studieren, so dass er für ihn selbstverständlich war, zurückzugehen. „Meine Eltern zeugten mich beide in dem Bewusstsein, dass sie mich nicht gemeinsam aufziehen“, erklärt Mangold. Er wächst bei seiner deutschen Mutter, einer unkonventionellen Psychotherapeutin, in dem kleinen Dossenheim nahe Heidelberg auf. Auf dem Fenstersims im Wohnzimmer steht statt einer weißen Marmorbüste ein schwarzes Ebenholz-Krokodil als ständig präsentes Wahrzeichen Afrikas.

In einer Mischung aus Lesung und Erzählung lässt der sympathische Autor seine Zuhörer teilhaben an seinem Bemühen, trotz seiner augenfälligen Andersartigkeit eben nicht aus der Masse herauszuragen und aufzufallen. Dabei betont Mangold ausdrücklich, nie Fremdenfeindlichkeit erlebt zu haben. Sein eigenes Bewusstsein seiner Andersartigkeit wurde weder von den Dorfbewohnern noch von seinen Mitschülern wahrgenommen. Kleine Anekdoten und sehr genau reflektierte Erinnerungen an Kindheit und Schule amüsieren und berühren, Mangold versteht es ausgezeichnet, Menschen und Stimmungen präzise zu zeichnen. Besonders interessant wird seine Lesung, als er von der nigerianischen Seite seiner Verwandtschaft berichtet. Nach 22 Jahren Abwesenheit meldet sich der Vater bei ihm, der nach dem Tod seiner beiden nigerianischen Söhne mit dem deutschen Sohn Pläne hat, denn „Blut ist dicker als Wasser“. Schön, der feine Humor, mit dem Mangold Erlebnisse und Begegnungen mit dieser völlig anderen Kultur beschreibt und am Ende konstatiert: „gegen Nigeria ist kein Kraut gewachsen“. Eine lebhafte Diskussion mit dem Publikum schließt diese besondere Lesung ab.

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