Coesfeld
Baustellenchaos drückt auf die Umsätze

Coesfeld. Wer zurzeit in der Coesfelder Innenstadt ein Geschäft ansteuern möchte, muss Geduld und viel Verständnis mitbringen. Denn gleich an mehreren Stellen sind bereits seit geraumer Zeit Straßenbaustellen eingerichtet, die nicht nur bei den Kunden, sondern vor allem bei den Geschäftsleuten für jede Menge Ärger, Wut, Frust und Enttäuschung sorgen.

Freitag, 22.03.2019, 17:06 Uhr aktualisiert: 23.03.2019, 20:08 Uhr
Coesfeld: Baustellenchaos drückt auf die Umsätze
In der Hinterstraße werden aktuell Kanalbaumaßnahmen durchgeführt. Unmittelbar daran grenzt das Modehaus Heckmann (rechts im Bild) an. Fotos: Manuela Reher Foto: az

Annette Rabert, Vorsitzende des Stadtmarketing Vereins, bringt die Konsequenzen für die Einzelhändler auf den Punkt: „Wir haben extreme Umsatzrückgänge.“ Sie könne nicht verstehen, warum an mehreren Stellen gleichzeitig – an der Davidstraße, Hinterstraße, Bernhard-von-Galen-Straße, Letter Straße und so weiter – Baustellen errichtet worden seien. „Man hätte doch eins nach dem anderen machen können“, meint Annette Rabert. Regelmäßig habe sie gemeinsam mit Werner Prause, dem Vorsitzenden des Arbeitskreises Handel im Stadtmarketing Verein, Gespräche mit der Stadt über die „nicht zumutbare“ Baustellen-Situation in der City gesprochen. „Leider ohne Erfolg“, sagt Annette Rabert. Die ganze City sei eine einzige Baustelle und schrecke auch auswärtige Kunden ab. Vor diesem Hintergrund mache Stadtmarketing „keinen Spaß“ mehr. Die Außenwirkung von Coesfeld sei katastrophal. Auch wegen der Baustellen würden Parkflächen wegfallen. Annette Rabert befürchtet, dass die Innenstadt von Coesfeld über Jahre hinaus eine einzige Baustelle bleibt.

In ihrem eigenen Geschäft – im alltours Reisecenter in der Schüppenstraße – empfehle sie den Kunden bereits in manchen Fällen den Kontakt per Mail. Damit würde sie diesen eine umständliche Anreise zum Geschäft ersparen.

Argeri Gorynski vom Ergoline Bräunungsstudio in der Davidstraße sagt, dass die Kunden schon „meckern“ würden, weil sie keine nahen Parkplätze finden würden. Wegen des Baulärms hielten sie Fenster und Türen geschlossen.

Heiko Dieninghoff von der gleichnamigen Weinkellerei in der Süringstraße verrät, dass er zum Glück auf seine Stammkunden bauen kann, die auch die zweite (Ausweich)-Zufahrt vom Gerichtsring aus zu seinem Geschäft kennen.

Dieses Glück ist Hartwig Heuermann vom gleichnamigen Foto-Studio in der Süringstraße nicht beschieden. Seit Wochen seien wegen der Baustelle unter anderem seine Schaufenster an der Poststraße von Passanten nicht einsehbar. „Die Situation ist vor allem auch für unsere Kunden unzumutbar“, zeigt sich Heuermann verärgert. Er äußert auch seinen Unmut darüber, dass die Stadt die betroffenen Einzelhändler noch zu keiner Bürgerversammlung eingeladen habe.

Günter Buddenkotte vom gleichnamigen Modegeschäft in der Münsterstraße beklagt „fürchterliche Umsatzeinbußen“ in Höhe von 30 bis 40 Prozent pro Tag. Seit Januar 2017 sei er massiv von der Baustelle direkt vor seiner Haustür beeinträchtigt. Wenn er nicht Eigentümer der Immobilie wäre, hätte er seinen Laden längst schließen müssen, macht der Geschäftsmann deutlich. Ein halbes Jahr lange hätte er seine Schaufenster gar nicht dekorieren müssen, weil sie ohnehin nicht begehbar gewesen seien. Im kommenden Jahr stehe ein Geschäftsjubiläum ins Haus. Er hofft, dass dann endlich alle Bauarbeiter abrücken.

Mode Heckmann ist neu in Coesfeld. Das Geschäft liegt in der Letter Straße an der Ecke Hinterstraße. Auch dort wird zurzeit im Zuge einer Kanalbaumaßnahme und der Verlegung von Versorgungsleitungen kräftig gebuddelt. Geschäftsmann Peter Heckmann kommentiert zur aktuellen Situation: „Da wir ja noch nicht allzu lange am Standort Coesfeld beheimatet sind, gibt es natürlich noch keine Vorjahreszahlen, die eine Entwicklung deutlich sichtbarer machen würden. Allerdings liegen wir aktuell hinter den Erwartungen – seit Februar – zurück, und sicherlich lässt sich auch einiges auf die Baustellen zurückführen. Die Frequenz in der Innenstadt ist spürbar mau, um es harmlos auszudrücken.“

Die Kunden, die jedoch vor Ort seien und das Geschäft besuchen würden, seien allerdings „extrem positiv“, sagt Heckmann und fügt hinzu: „Deshalb hoffen wir auf das nun einsetzende Frühlingswetter.“

Darauf freut sich auch Heinz Oenning vom Café Central in der Bernhard-von-Galen-Straße. Dass es auf der Baustelle dort zu Verzögerungen gekommen sei, habe man der Archäologie zu verdanken. Damit spielt er auf archäologische Funde an, die in diesem Bereich erst dokumentiert werden mussten. Während der Bauphase habe man pro Tag einen Umsatzverlust von 20 Prozent hinnehmen müssen, unter anderem weil vor allem auswärtige Gäste den Weg zum Café wegen der Baustellen nicht gefunden hätten. „Angenehm war das nicht“, räumt Heinz Oenning ein und fügt hinzu: Wenn aber alles fertig ist, ist es für uns sehr vorteilhaft.“ Die Bernhard-von-Galen-Straße habe an Qualität gewonnen.

Der Arbeitskreis Handel und Gastronomie des Stadtmarketing Vereins beschäftigt sich in seiner nächsten Sitzung am 10. April zum wiederholten Male mit der Baustellen-Situation in der City. | Kommentar

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