Coesfeld
„Schulleiter haben viele Baustellen“

Coesfeld. Seit 100 Tagen ist Ute Hoppe als Leiterin der Martin-Luther-Grundschule im Amt. Anlass, kurz innezuhalten, zu fragen, wie es geht, welche Aufgaben und Projekte aktuell und in Zukunft anstehen. Über die Baustellen der Schule im Wort- und übertragenen Sinn sprach die 55-Jährige mit Redakteurin Christine Tibroni.

Freitag, 22.03.2019, 15:52 Uhr aktualisiert: 24.03.2019, 12:02 Uhr
Coesfeld: „Schulleiter haben viele Baustellen“
Ute Hoppe, seit Dezember 2018 Leiterin der Martin-Luther-Schule, fühlt sich in der Schule und in ihrem Amt wohl. Foto: Christine Tibroni

Wie waren die ersten 100 Tage als Leiterin der Martin-Luther-Schule?

Ute Hoppe: Richtig gut. Die Arbeit macht mir viel Spaß, ich fühle mich wohl an der Schule, weil ich ein sehr engagiertes Kollegium habe, und unsere Arbeit viel Wertschätzung durch die Eltern erfährt. Schön und mir persönlich auch sehr wichtig ist der Kontakt zu den Schülern im Unterricht. Natürlich möchte ich auch darüber hinaus für die Kinder da sein, insbesondere wenn sie Probleme haben. Da am Ball zu bleiben und nachhaltige Lösungen zu finden, ist mir ein echtes Anliegen.

Die Schulleiterstelle war lange vakant, ein Problem, dass viele Grundschulen haben. Warum ist das so? Und warum haben Sie sich als Schulleiterin beworben?

Ute Hoppe: Schulleiter haben ganz viele Baustellen. In den vergangenen Jahren sind sehr viele Verwaltungsaufgaben hinzugekommen, unter andrem statistische Erhebungen, die teilweise wöchentlich durchzuführen sind. Darüber hinaus gehören die Organisation des Unterrichtsalltags, das weite Feld der Schulentwicklung und Konfliktmanagement zu den wesentlichen Aufgabenfeldern. All das mag manchen abschrecken, die Leitung einer Schule zu übernehmen. Ich stelle mich diesen Herausforderungen gerne und wusste auch, worauf ich mich einlasse, da ich schon zehn Jahre als Konrektorin beziehungsweise Rektorin an anderen Schulen tätig war. Einige Aufgaben habe ich delegiert. Es war ja so, dass vor meinem Amtsantritt die Schulleitungsaufgaben von einem Team wahrgenommen wurden. Die Kolleginnen, die dort mitgearbeitet haben, unterstützen mich weiterhin.

Welche Projekte beschäftigen die Schule aktuell?

Ute Hoppe: Wir arbeiten weiter an dem Projekt „Kulturwelten im Miteinander“, mit dem wir die Integration, im besten Fall die Inklusion, von Familien mit Migrationshintergrund vorantreiben möchten. Da müssen wir sicher noch viele Schritte gehen, aber wir sind immerhin auf dem Weg. Da gibt es beispielsweise das Kulturcafé, in dem Begegnung und Austausch stattfinden. Weitere große Projekte sind der Einsatz der Neuen Medien im Unterricht und die Vorbereitung des Umzugs in das neue Schulgebäude im Hinblick auf pädagogische Konzepte.

Die Umbauarbeiten am ehemaligen Jakobischulgebäude laufen ja auf Hochtouren. Gibt es schon einen Einzugstermin?

Ute Hoppe: Leider gibt es immer noch keinen festen Termin für den Umzug. Gewiss ist aber, dass das neue Schulgebäude richtig toll wird. Da können wir viele Ideen, die es schon lange gibt, Wirklichkeit werden lassen.

Zum Beispiel?

Ute Hoppe: Es wird mehr Raum für individuelles Lernen geben. Lerninseln zum Beispiel, auf die sich Schüler einzeln oder in kleinen Gruppen zurückziehen können.

Stichwort Neue Medien – wie ist die Martin-Luther-Schule hier aufgestellt.

Ute Hoppe: Bislang sind vor allem die Grundschulen ein bisschen verhungert, was dieses Thema angeht. Aber inzwischen kommt Bewegung in die Sache. So haben wir ein Erprobungspaket mit 15 Tablets und vier großen Bildschirmen erhalten. Außerdem laufen Fortbildungen zum Einsatz Neuer Medien im Unterricht. Da eröffnen sich viele neue Möglichkeiten, wobei niemand Angst haben muss, dass wir künftig nur noch mit dem Zeigefinger über Tablets wischen. Im Gegenteil: Traditionelle Materialien und Methoden müssen und werden weiterhin Anwendung im Unterricht finden, damit wichtige Fähigkeiten nicht verkümmern.

Wo sehen Sie mit Blick auf die Zukunft der Schule noch Handlungsfelder?

Ute Hoppe: Ich finde es problematisch, dass wir keine Schule des gemeinsamen Lernens sind, obwohl wir von unserem Selbstverständnis her für alle Kinder da sein möchten. Da würde ich gerne etwas bewegen.

Die Martin-Luther-Schule ist mit aktuell 160 Schülern und 13 Lehrkräften eine kleine Schule. Was sind die Vor- und Nachteile?

Ute Hoppe: Von Vorteil sind die kurzen Wege, sowohl in räumlicher Hinsicht als auch hinsichtlich der Kontakte zu Kollegen, Schülern und Eltern. Nachteile ergeben sich bei den Lehrerstellen, so haben wir derzeit keinen Integrationsstellen-Anteil. Und auch ein Konrektor steht uns nicht zu. In einer kleinen Schule muss man auch darauf achten, dass es nicht zu familiär wird. Das geht nämlich schnell zulasten der Professionalität.

Wo finden Sie Ausgleich zur Arbeit?

Ute Hoppe: Meine Hobbys Cello, Chor und Sport kommen derzeit eindeutig zu kurz, aber das wird sich auch wieder ändern. Kraft geben mir die Familie und die Beschäftigung mit Kunst, vorzugsweise mit der Kunst des 20. Jahrhunderts.

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