Coesfeld
In den Alltag der Profis eintauchen

Coesfeld. Dicke Rohre, blinkende Anzeigen, surrende Pumpen und Filter – interessiert schaut sich Lina Schürjann um. Warm und feucht ist es im Keller des CoeBades, doch das macht ihr nichts aus. Neugierig fragt sie nach, wie die Kulissen hinter beziehungsweise unter einem Schwimmbad aussehen, wie das frische Wasser in die Duschen kommt und wie das Chlor mit dem Wasser für die Schwimmbecken vermischt wird. Als Badegast bekommt man davon schließlich nichts mit. Von Kindesbeinen auf schwimmt Lina für ihr Leben gern und ist auch regelmäßig im CoeBad zu Gast. Da war es für sie schon von Anfang an klar, dass sie bei der Nacht der Ausbildung einen Blick auf die Technik des Bades werfen möchte.

Donnerstag, 21.03.2019, 19:34 Uhr aktualisiert: 28.03.2019, 11:42 Uhr
Coesfeld: In den Alltag der Profis eintauchen
Foto: az

Um kurz nach 17 Uhr, als das CoeBad sowie 44 weitere Unternehmen, Einrichtungen und Institutionen in Coesfeld ihre Türen öffnen, startet die 20-Jährige gemeinsam mit Frank Lehmann vom CoeBad einen Rundgang. „In deiner Ausbildung arbeitest du von Jahr zu Jahr selbstständiger“, erklärt er. Wasseranalysen, Pumpen reinigen und die Technik kontrollieren gehören ebenfalls zum Alltag eines Fachangestellten für Bäderbetriebe. Dem kann Robin Brücks beipflichten, er ist im dritten Lehrjahr. „Unser Job ist viel mehr, als nur am Beckenrand zu sitzen und aufs Wasser zu gucken“, sagt er. Zum Bademeister, wie viele den Beruf bezeichnen, gehören also noch eine Menge mehr Aufgaben dazu. Mit diesen Eindrücken macht sich Lina schließlich auf den Weg quer durch die Stadt, um sich auch im Rathaus und in einer Arztpraxis nach weiteren Berufsmöglichkeiten umzusehen.

Genau das ist das Konzept der 1. Coesfelder Nacht der Ausbildung: In die Betriebe hinein schnuppern, sich mit Auszubildenden austauschen und wertvolle Eindrücke für die eigene Berufswahl gewinnen.

Wie Lina informieren sich auch Janis Beisenbusch, Francis Twent und Laura Beisenbusch. Die Justizvollzugsanstalt (JVA) an der Borkener Straße wirbt schon draußen mit Stehtischen und einem großen Banner für ihre „offene Tür“. Nach einer ausgiebigen Sicherheitskontrolle betreten die drei Jugendlichen den Innenraum der Anstalt. „Unser Tagesablauf ist immer der gleiche, was aber an jedem Tag passiert, ist unglaublich unterschiedlich“, berichtet Thomas Thöring, Leiter des Allgemeinen Vollzugsdienstes. Interessiert hören sie zu, und als Thöring erwähnt, dass auch ein Duales Studium möglich ist, wird Laura hellhöriger. „Ich möchte nach der Schule gerne irgendwas mit Menschen machen, kann mir aber auch vorstellen, in einer Verwaltung zu arbeiten. Da würde der Gehobene Dienst nach einem Dualen Studium für mich in Frage kommen“, resümiert die 17-Jährige nach ihrem Besuch in der JVA.

Die teilnehmenden Ausbildungsplatzanbieter geben sich große Mühe, dem Nachwuchs ihren Berufsalltag nahezubringen. Der Zulauf ist durchmischt – bei einigen Teilnehmern der Nacht der Ausbildung ist er überraschend groß, bei anderen wiederum geringer.

Über eines sind sich am Mittwochabend aber alle Beteiligten einig: Die Gespräche, die geführt werden, sind sehr qualifiziert und interessant. „Es sind viele Jugendliche unterwegs, die schon genau wissen, was sie später machen möchten“, hat Ralf Bohlje, Verlagsleiter unserer Zeitung und Initiator der Nacht der Ausbildung, beobachtet. Die Organisatoren werden jetzt die Premiere aufarbeiten und sich mit Vertretern der Betriebe zusammensetzen. „Das zarte Pflänzchen ‘Nacht der Ausbildung’ soll weiter wachsen, denn das Thema der Nachwuchsgewinnung wird uns alle weiterhin beschäftigen“, ist sich Bohlje sicher.

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