Coesfeld
Großes Entsetzen über 78,9 Mio. Euro

Coesfeld. „Die Zahl, die haut einen schon um“; schüttelte Thomas Stallmeyer (SPD) mit dem Kopf. „Ich bin sprachlos“, bekannte Erich Prinz (Grüne). „Das ist etwas, mit dem man erstmal umgehen muss“, zeigte sich auch Gerrit Tranel von der CDU geschockt. Noch drastischere Worte für die Lage fanden Wolfgang Kraska von der FDP („Der Kopf steckt sehr tief in der Kloschüssel.“) und Martina Vennes von Pro Coesfeld („Wir stehen jetzt in der Scheiße.“) Das Entsetzen stand gestern Abend allen Politikern in der gemeinsamen Sitzung von Planungs- und Schulausschuss ins Gesicht geschrieben. Nach den Ankündigungen der Verwaltung (wir berichteten) hatten zwar alle mit schlechten Nachrichten gerechnet, was die neuesten Kostenschätzungen für Sanierung und Modernisierung des Schulzentrums angeht. Dass es so dicke kommen würde – damit hatte aber wohl keiner gerechnet. 78,9 Millionen Euro sollen die Kosten betragen, nachdem bisher mit rund 47 Millionen Euro kalkuliert worden war, teilte Bürgermeister Heinz Öhmann mit.

Mittwoch, 03.04.2019, 23:11 Uhr aktualisiert: 04.04.2019, 10:14 Uhr
Coesfeld: Großes Entsetzen über 78,9 Mio. Euro
Auch die Pilze und Hügel-Skulpturen am Schulzentrum stehen unter Denkmalschutz. Das macht die Sanierung teurer. Foto: Detlef Scherle

Er stellte auch gleich im ersten Wortbeitrag klar, was das bedeutet: „Wir müssen ein Stoppschild setzen.“ Er sprach sich für eine Deckelung der Kosten auf die ursprünglich angedachten 47 Millionen Euro aus, weil sonst mittel- und langfristig der Haushalt in eine Schieflage geraten und andere wichtige Projekte gefährdet werden könnten.

Besonders schockiert waren die beiden Schulleiterinnen Astrid David von der Theodor-Heuss-Realschule und Angela Bülo vom Gymnasium Nepomucenum, die schon Kritik an den bisherigen Plänen geübt hatten: Das sei ein Riesenbetrag, „der so nicht richtig eingesetzt wird“, meinte Bülo. „Wir wollen ein zukunftsorientiertes Ganztagsgymnasium schaffen und nicht nur ein Schild dranhängen, wo Ganztagsgymnasium draufsteht“, fügte sie hinzu.

Ihre Kollegin David beklagte, dass die Pläne weniger Fläche für den Ganztag vorsähen „als wir bisher dafür haben“. Sie befürchtet, dass nun nur noch das denkmalgeschützte Gebäude aus den 70er Jahren saniert werden könne – „und dann für den Bereich der Theodor-Heuss-Realschule nichts mehr übrig ist“.

Zuvor hatten die Architekten Marius Scheffer (Büro SSP aus Bochum) und Gordon Brandenfels (Münster) die Pläne mit den unterschiedlichen Varianten nochmals erläutert. Projektsteuerer Jürgen Brüning (Assmann GmbH) versuchte zu erklären, wie die Kostensteigerungen zustande kommen: So schlage der Mensa-Neubau mit 1,1 Millionen Euro mehr zu Buche. Bei Untersuchungen seien Schadstoffe entdeckt worden, die entsorgt werden müssten (plus 1,7 Millionen Euro). Der Austausch der sehr speziellen Vertikalschiebefenster am „Nepo“ koste 1,7 Millionen Euro mehr. Auch die Außenanlagen werden um 2,3 Millionen Euro teurer. Bei den Baunebenkosten rechnet er mit einem Plus von 5,9 Millionen Euro. Für Baupreissteigerungen werden nun 2,9 Millionen Euro mehr einkalkuliert. Das seien alles Positionen, die man vorher – bei der Grobschätzung – so nicht hätte wissen können. „Das ist eine deutliche Abweichung“, sagte er. „Da waren wir auch erst geschockt: Das kann doch nicht sein.“

Eine interfraktionelle Arbeitsgruppe, in der neben den Fachleuten und Verwaltungsvertretern auch die Schulen mitarbeiten sollen, soll nun versuchen, Lösungen zu finden. Dass das nicht einfach wird, zeichnete sich schon in der Sitzung ab. „Wir werden alles auf den Prüfstand stellen müssen“, meinte Thomas Stallmeyer. Hermann-Josef Peters (Pro Coesfeld) hält es für kaum möglich, das Maßnahmenpaket so stark zu reduzieren: „Ich kann nicht 30 Millionen Euro einfach ausschwitzen.“ Er erinnerte daran, schon 2014 vor der Entwicklung gewarnt zu haben, dass das teure Berkel-Projekt Auswirkungen auf das Schulzentrum haben werde. Und schon 2016 habe seine Fraktion den Antrag gestellt, eine Arbeitsgruppe Schulzentrum zu bilden. Die Coesfelder „GroKo“ habe das abgeblockt. Heute komme die Arbeitsgruppe nun: „Das ist wirklich Dorfpolitik.“ Die Vorwürfe wies Tranel als „Populismus pur“ zurück. Erich Prinz (Grüne) mahnte, den Blick nach vorne zu richten: „Wir müssen das Problem gemeinsam lösen.“

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/6517944?categorypath=%2F2%2F798623%2F798631%2F947601%2F
Nachrichten-Ticker