Coesfeld
„Mein Lieblingsobjekt ist das Tor selbst“

Coesfeld. Als sie sich im Dezember 2018 als Leiterin des Stadtmuseums „Das Tor“ vorstellte, kündigte Dr. Kristina Sievers an, sich die dreibändige Stadtgeschichte zu Gemüte führen zu wollen, um sich auf ihre neue Aufgabe vorzubereiten. Und? Hat sie die Wälzer schon durch? Sievers lacht. „Ich habe die drei Bände tatsächlich noch am selben Tag mit nach Hause genommen und seitdem viel darin gelesen.“ Dabei dürfte sie zahlreiche Anregungen für ihre erste und vorrangige Aufgabe als Museumsleiterin gefunden haben, gilt es doch, den dritten und letzten Teil der Dauerausstellung zu konzipieren und mit Leben zu füllen.

Donnerstag, 04.04.2019, 18:49 Uhr aktualisiert: 05.04.2019, 10:54 Uhr
Coesfeld: „Mein Lieblingsobjekt ist das Tor selbst“
Dr. Kristina Sievers, seit Anfang des Jahres Leiterin des Stadtmuseums „Das Tor“, schätzt die Vielseitigkeit ihrer Aufgabe. Oberste Priorität hat derzeit die Konzeption des letzten Teils der Dauerausstellung. Foto: ct

„Wir haben im Tor noch vier Räume, die wir gut bespielen können, und wollen hier noch weiter in der Geschichte zurückgehen“, so Sievers. Im Fokus stünden die Themen „Stadtbefestigung“, „Handel und Hanse“, „Coesfeld als barocke Festungsstadt“ und „Coesfeld im konfessionellen Zeitalter“. Nachdem in der bestehenden Ausstellung der Zeitraum vom ausgehenden 19. Jahrhundert bis in die 1960er und 70er Jahre im Fokus steht, soll mit der künftigen Abteilung der Bogen weiter gespannt, die Historie seit der Verleihung der Stadtrechte im Jahr 1197 in den Blick genommen werden. Bis Ende 2020 soll der letzte Museumsabschnitt fertig sein, und Sievers ist optimistisch, dieses Ziel zu erreichen, zumal große bauliche Veränderungen im Tor nicht erforderlich sind. „Erste Konzepte sind fertig“, sagt die 36-Jährige, die Wurzeln in Billerbeck und insofern durchaus einen Bezug zu Coesfeld hat. Sievers: „Eine lebendige Stadt mit einer positiven Grundstimmung. Wenn ich an Coesfeld denke, fällt mir immer zuerst der Marktplatz im Sonnenschein ein.“

Ein Eindruck, der bei der Entscheidung, sich auf die Stelle als Museumsleiterin zu bewerben, eine Rolle gespielt hat, maßgeblich war aber wohl die Vielseitigkeit der Aufgabe. „In Coesfeld kann ich in allen musealen Bereichen arbeiten. Das finde ich sehr reizvoll“, so Sievers, die zuletzt im Bonner Haus der Geschichte und dort in der Teil-Ausstellung „Liberalisierung der Sexualität“ und „Die Frauenrolle in der 1960er und 70er Jahren“ tätig war. Von einem großen, renommierten Haus zum kleinen Coesfelder Stadtmuseum. „Ja“, sagt Sievers. Und wer sie von ihrer Arbeit in Coesfeld erzählen hört, der kauft ihr dieses „Ja“ auch ab. „Ich finde es spannend, dass diese Stadt sehr, sehr alt ist. Und es vielfältige Zeugnisse ihrer langen Geschichte gibt.“

Das Walkenbrückentor selbst, in dem das Stadtmuseum untergebracht ist, ist so ein Zeugnis. Sievers: „Ich finde es wunderbar, in diesem authentischen Geschichtsort Stadtgeschichte ins Gedächtnis zu rufen.“ Auf die Frage nach ihrem Lieblings-Exponat im Tor muss sie deshalb auch nicht lange überlegen. „Mein absolutes Lieblingsobjekt ist das Tor selbst.“ Einmal in der Woche sei sie im Museum, um sich mit dem Gebäude, mit der Sammlung und der Ausstellung auseinanderzusetzen. Ansonsten hat sie ihr Büro im WBK, von wo aus sie weitere Geschichtsorte der Stadt in den Blick nehmen wird: das Natz-Thier-Haus und die ehemalige Synagoge. Für die ehemalige Synagoge gebe es erste Überlegungen, „wie man dem Gebäude gerecht werden und von ihm ausgehend Geschichte vermitteln kann“, sagt Sievers, die darüber nachdenkt, mit Lichtinstallationen zu arbeiten. „Da stehen wir aber wirklich noch ganz am Anfang.“

Was ebenfalls noch wachsen soll, ist ihr Bekanntheitsgrad in Coesfeld. Sie sei zwar seit Amtsantritt am 1. Januar schon mit einigen Coesfeldern in Kontakt gekommen, das Gesicht des Stadtmuseums ist sie aber noch nicht, kann es in der kurzen Zeit auch gar nicht sein. Mit einem Antrittsvortrag über „Die Universität Münster im Nationalsozialismus“ möchte sie sich am Dienstag (9. 4.), 19 Uhr, im WBK-Forum der Öffentlichkeit vorstellen. Dabei greift sie zurück auf ihre Doktorarbeit „Zwischen akademischer Freiheit und staatlicher Kontrolle. Die Hochschulverwaltung der Universität Münster von 1922 bis 1951“. Alle Interessierten sind bei freiem Eintritt willkommen. Um Anmeldung bei der VHS, Tel. 94810, wird gebeten.

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