Coesfeld
Ideen erwärmen sogar Kritiker-Herzen

Coesfeld. Da waren sich alle Politiker im Planungsausschuss einig: Die Vorschläge von Matthias Franke vom Berliner Büro SWUP, wie man die Berkelgasse hinter Fielmann, Foto Wolbring und Woolworth attraktiver gestalten könnte, haben viel Charme: Eine Open-Air-Galerie an den Wänden, die Darstellung der Berkel in ihrem Verlauf von Billerbeck bis Zutphen als Miniatur, ein Rinnsal, das den unter einem Betondeckel verborgenen Fluss auch oberirdisch erlebbar macht, ein Hörrohr, mit dem man sein Rauschen wahrnehmen kann, Fassadenbegrünungen, schwebende Berkel-Steine und nächtliche Lichtinstallationen, die Franke unter anderen als Collagen im Großen Sitzungssaal des Rathauses an die Wand warf, ließen erahnen, was dort möglich wäre, um die Aufenthaltsqualität zu erhöhen. „Man muss etwas an die Wände bringen“, ist eines seiner Rezepte, aus dem hässlichen Entlein einen schönen Schwan zu machen. Darum schwappte in einer Entwurfszeichnung, die er präsentierte, die Berkel gegen die Wand. Auch geordnetes Graffiti sei möglich. Es gehe darum, die Berkel zumindest „gedanklich an die Oberfläche zu bringen“. „Die Berkel schwappt über“ soll daher der Arbeitstitel des Projektes sein.

Freitag, 05.04.2019, 15:38 Uhr aktualisiert: 05.04.2019, 19:44 Uhr
Coesfeld: Ideen erwärmen sogar Kritiker-Herzen
Eine der vielen kreativen Ideen von SWUP: An den bislang kahlen Wänden könnte das alte Coesfeld wieder aufleben. Ein Springbrunnen mit Rinnsal könnte die unterirdisch fließende Berkel auch oben wieder erlebbar machen. Das sind aber nur Anregungen. In Workshops sollen auch Bürger Ideen einbringen können. Gemeinsam soll ein Konzept erarbeitet werden. Foto/Kollage: SWUP Foto: az

In öffentlichen Workshops sollen interessierte Bürger die Ansätze konkretisieren und weitere Ideen einbringen können. Auch die Anlieger sollen vorab beteiligt werden. Das ist sogar ein „Muss“, denn nur ein Teil der Gasse und der Berkel selbst gehört in diesem Bereich auch der Stadt – hinter Woolworth etwa geht es auf privatem Grund weiter.

Von der großen Mehrheit im Ausschuss gab es für das Projekt ein klares „Ja“: „Wir sind dafür, das weiterzuentwickeln“, äußerte sich Thomas Stallmeyer (SPD). „Da sind einige interessante Ideen dabei“, befand Erich Prinz (Grüne). Und selbst denjenigen, die dem ganzen Projekt „Urbane Berkel“ bislang immer ablehnend gegenüber standen, hatte der Berliner Planer offenbar zumindest etwas das Herz erwärmt: „Ich finde die Ideen vom Grundsatz her sehr schön“, so Wolfgang Kraska (FDP). „Das ist alles sehr schön“, meinte auch Hermann-Josef Peters von Pro Coesfeld, um aber auch gleich hinterher zu schieben: „Politisch lehnen wir das ab.“ Pro Coesfeld will bekanntlich den finanzpolitischen Schwerpunkt ganz klar auf die Sanierung und Modernisierung der Schulen legen, hatte deswegen schon gegen die Mittelbereitstellung für den umgestalteten Schlosspark und Wiemannweg gestimmt. Und auch Kraska hob am Ende seine Hand nicht für das Projekt. Vor allem die Kosten liegen den Kritikern schwer im Magen. Allerdings versicherte Erster Beigeordneter Thomas Backes, dass dafür Reste aus dem Projekt-Budget verwendet werden sollen. Vor allem mit einfachen, kostengünstigen Mitteln soll mehr Leben in die Gasse gebracht werden. Eine konkrete Zahl, wie viel das kosten könnte, wurde noch nicht genannt.

Am Ende gab es dann nur vier Gegenstimmen der Vertreter von Pro Coesfeld, Aktiv für Coesfeld/Familie und FDP. Die große Ausschuss-Mehrheit segnete das Projekt ab. Als nächster Schritt steht die Anlieger- und Öffentlichkeitsbeteiligung an. Der Planungsentwurf, der daraus erwächst, wird dann am Ende dem Rat der Stadt erneut zur Abstimmung vorgelegt. So behalten die Politiker das letzte Wort.

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