Coesfeld
Lesenswerte Schmöker aufgestöbert

Coesfeld. Rotwein und Knabberei stehen auf dem Tisch im Literaturcafé der Stadtbücherei. Ein Zettel, mit Kugelschreiber hastig „Sophies Tagebuch“ darauf notiert, liegt daneben. Es ist eine Geschichte von Mutter und Tochter, die beim Mauerfall beginnt und bis in das nationalsozialistische Deutschland zurückreicht. Das „Rendezvous mit einem Buch“ geht in die dritte Runde und stellt interessierten Literaturliebhabern Schmöker vor, die sonst womöglich weniger Beachtung finden.

Sonntag, 07.04.2019, 18:00 Uhr aktualisiert: 08.04.2019, 14:50 Uhr
Coesfeld: Lesenswerte Schmöker aufgestöbert
Kugelschreiber und Notizzettel sind die wichtigsten Utensilien. Michael Kaup (oben l.) moderiert das dritte „Rendezvous mit einem Buch“ nicht einfach. Er nimmt auch süffisant Stellung zu der geringen Anzahl männlicher Gäste. Fotos: Hartmut Levermann Foto: az

Gertrud Manemann vom Förderverein Stadtbücherei macht den Roman von Nicolas Remin den 20 Rendezvous-Suchenden schmackhaft: „Ich habe es an zwei Tagen gelesen und alles andere liegen gelassen.“ Bevor Moderator Michael Kaup sein Fundstück von Daniela Krien „Die Liebe im Ernstfall“ vorstellt, hält er das Werk von Johanna Adorján vor seiner Brust. „Männer“ prangt in dicken roten Lettern und klein gedruckt daneben „Einige von vielen“ auf dem Buchdeckel. Süffisant deutet damit der Vorsitzende des Fördervereins Stadtbücherei die deutliche Unterbesetzung des männlichen Geschlechts auf den Stühlen an. Der einzige Coesfelder im Publikum liebt E-Books. „Bei gedruckten Büchern ist mir die Schrift zu klein; E-Books kann ich passend vergrößern“, begründet er in der Pause und wirbt: „Für zehn Euro im Jahr kann ich mir reichlich davon in der Stadtbücherei ausleihen.“ Vielleicht findet er an diesem Abend für sich was Lesenswertes. Statt eines Gongschlages läuten Tangotöne aus Querflöte (Dorothee Stennecken) und Gitarre (Georg Hallekamp) die zweite Hälfte des Abends ein.

Beim „Rendezvous mit einem Buch“ ist Vorlesen zweitrangig. Es geht ums Entstauben, Herauskramen und Aufstöbern versteckter lesenswerter Bücher. Das ist eine individuelle Sichtweise, die jedoch überzeugen kann – wie Dieter Niehoff beweist. Vor den Füßen des Krimifans stapeln sich Wälzer von Jörg Maurer. Heraus zieht er „Föhnlage und im Schnee wird nur dem Tod nicht kalt“. Eine Passage im kraftvollen und wortgewaltigen Stil des bayerischen Schriftstellers artikuliert und gestikuliert Niehoff ins gebannte Publikum.

Eifrig schreiben Kugelschreiber wieder auf Notizzetteln. Da ist noch Platz für einen weiteren Namen: Ralf Rothmann. Den aktuellen Roman „Der Gott jenes Sommers“, in dem eine Zwölfjährige die Endphase des Zweiten Weltkrieges auf dem Lande auf ihre Art erlebt, legt Brigitte Tingelhoff, Leiterin der Stadtbücherei den Zuhörern ans Herz. Ins Gemisch der vielen Genres passt „Margo, die dreizehnte Fee“. Ganz am Anfang des dritten Rendezvous mit Buch stellte die Buchautorin Greta Arend selbst ihre Märchenverfremdung vor.

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