Coesfeld
Gegen veraltete Strukturen der Kirche

Coesfeld. Es soll eine wahre Postkartenflut werden. 2500 Stück haben die Frauen der katholischen Pfarrgemeinden in Coesfeld beauftragt und alle sind an Bischof Dr. Felix Genn adressiert – mit einer eindeutigen Forderung. Für mehr Respekt, Gleichberechtigung sowie Toleranz und gegen Missbrauch und Ausgrenzung von Frauen in der katholischen Kirche. „Dass sich hier in den Gemeinden auf Anhieb so viele Frauen gefunden haben, die die Aktion unterstützen, zeigt, dass es schon lange unter der Oberfläche gebrodelt hat“, so Ute Borgert vom Organisationsteam. Die Frauen unterstützen die mittlerweile bundesweite Aktion „Maria 2.0“, eine Protestwoche vom 11. bis 18. Mai, gegen veraltete Strukturen in der Kirche. Den Ursprung hat die Aktion in Münster und sofort so viel Anklang gefunden, dass sich nun bundesweit Gemeinden daran beteiligen.

Donnerstag, 09.05.2019, 10:20 Uhr
Coesfeld: Gegen veraltete Strukturen der Kirche
2500 Postkarten wurden anhand dieser Vorlage gedruckt. Sie sollen für Aufmerksamkeit sorgen und einen Handlungsdruck erzeugen. Foto: az

Für Doris Klix längst überfällig: „Die Kirche wird von Frauen getragen, die so viele Dienste übernehmen, aber von Respekt und Gleichberechtigung sind wir meilenweit entfernt. Ich habe Angst, dass die Kirche über die Wupper geht, wenn wir nichts ändern.“ Also stehen sie auf, die Frauen, und verleihen ihrer Wut öffentlich Ausdruck, wie Anne Thier beschreibt. „Beim ersten Treffen Mitte April waren direkt mehr als 60 Frauen aus allen Pfarrgemeinden da, ohne dass wir viel Werbung gemacht haben. Es war sofort klar, dass wir teilnehmen. Denn wenn sich die Basis nicht bewegt, bewegt sich gar nichts.“ Wichtig sei ihr, dass „Maria 2.0“ kein Protest gegen die Kirchen vor Ort oder gegen Männer sei, sondern gegen überholte (Macht-)Strukturen in der Kirche. Aufstehen statt Weggehen – auch das steht auf den Karten. „Manchen ist die Kirche mittlerweile gleichgültig, sie treten sogar aus. Aber dadurch ändert sich ja erst recht nichts.“

Einen Hoffnungsschimmer bietet nun die Aktionswoche. „Ab dem Wochenende verteilen wir die Postkarten an markanten Stellen in Coesfeld und in den Gottesdiensten. Auf der Rückseite mit der Adresse vom Bischof. Wenn nur 500 davon bei ihm landen, dann werden wir schon gesehen“, so Anne Thier. Und genau darum gehe es ja schließlich.

Zur zentralen Mahnwache fahren die Frauen am Sonntag (12. 5.) ebenfalls. „Von 11 bis 11.30 Uhr findet sie auf dem Domplatz in Münster statt und wir laden natürlich auch Männer ein, mit uns zu fahren und die Aktion so zu unterstützen.“ Auch die „Atempause“, ein regelmäßiges Angebot in St. Lamberti, findet am Mittwoch (15. 5.) um 18 Uhr nicht in der Kirche statt, sondern auf dem Marktplatz, wie Hildegard Vestring berichtet. „Sonst ist diese halbe Stunde immer sehr andächtig, doch dieses Mal wollen wir Musik spielen und Texte vortragen, die sich mit Maria 2.0 befassen. Die vorherrschende Farbe an dem Abend wird weiß sein, als Farbe der Unschuld, des Neuanfangs, der Trauer und des Mitgefühls.“ Alle Interessierten sind eingeladen. „Für die älteren Teilnehmer sind Stühle vorhanden.“

Für die Frauen vom Organisationsteam ist auch klar, dass es nicht nur bei dieser einen Woche bleiben darf. Anne Thier betont: „Wir Frauen bleiben im Gespräch, hier in Coesfeld und auch mit Münster. Er muss weitergehen.“

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