Coesfeld
Klinge unter die Lupe genommen

Coesfeld. Gemeinsam haben gestern das Landgericht Münster, die Staatsanwaltschaft sowie der 37-jährige Angeklagte und dessen Verteidiger die abgebrochene Klinge des Messers, des Tatwerkzeugs, in Augenschein genommen. Mit diesem Messer soll der 37-jährige Coesfelder den 34-jährigen Begleiter seiner Ex-Freundin am 14. September des vergangenen Jahres in der Nähe des Hauptbahnhofs Münster attackiert haben. Dem Coesfelder wird versuchter Mord vorgeworfen.

Dienstag, 14.05.2019, 10:46 Uhr

Wie der Gutachter gestern mitteilte, habe der Messerstich nicht zur Eröffnung des Brustkorbes des Opfers geführt. Es seien keine Organe verletzt worden. Das Opfer habe die Klinik bereits nach einer Nacht wieder verlassen. „Der Stichkanal muss nicht lang sein, um den Brustkorb zu eröffnen“, erläuterte der Gutachter. Daher folgte er dem Rückschluss der Kliniker, die die fehlende Tiefenwirkung darauf zurückführen, dass das Messer auf einen Widerstand, eine Rippe des Opfers, getroffen sein müsse. So sei auch erklärbar, warum der Griff des Messers bei dem Stich abgebrochen sei.

Dem 37-jährigen Coesfelder wird nicht nur versuchter Mord vorgeworfen. Er muss sich auch wegen eines Vorfalls in Coesfeld sechs Tage vor der Messerattacke in Münster verantworten. Er soll auf der Wiesenstraße vor dem K+K-Markt einem Mann mit einer Bierflasche mit einem Schlag gegen den Kopf verletzt haben. Der Mann sei in Begleitung seiner Freundin gewesen, die ihren Hund zurückhaben wollte, den sich der Angeklagte angeeignet habe.

Der Angeklagte sagte aus, dass er in alkoholisiertem Zustand die Bierflasche gegen den Kopf des Opfers geschleuderte habe, weil er befürchtet habe, dass das Opfer ihn selbst mit einem Gegenstand angreifen wolle. Der Mann gelte „in der Szene“ als „aggressiv“ und habe an dem Abend des 8. Septembers 2018 eine Hand in seiner Jackentasche verborgen.

Der Gutachter räumte ein, dass dieser Schlag mit der Flasche lebensgefährlich hätte sein können, falls es zu Blutungen im Schädelinnern des Opfers gekommen wäre. Die Untersuchungen hätten allerdings ergeben, dass der Schlag nur zwei Riss- oder Quetschwunden im Gesicht des Opfers verursacht habe. „Die Flasche bricht, bevor der Knochen bricht“, machte der Gutachter deutlich, als das Gericht ihn danach fragte, mit welcher Wucht eine Bierflasche auf den Schädel auftreffen könne.

Die Vorsitzende Richterin verlas gestern ein langes Vorstrafenregister. Der drogenabhängige Angeklagte ist seit seinem 17. Lebensjahr mehrmals zu Freiheitsstrafen verurteilt worden – wegen Verstoßes gegen das Betäubungsmittelgesetz, wegen Köperverletzung, Diebstahls und Erschleichens von Leistungen. Die Verhandlung wird am Montag (20. Mai) fortgesetzt.

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/6611610?categorypath=%2F2%2F798623%2F798631%2F947601%2F
Nachrichten-Ticker